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Augsburg

14.04.2020

Diese Firmen sind in der Corona-Krise auf Erfolgskurs

Bestellungen in Krisenzeiten: Der Lieferdienst Boxbote hat derzeit viel zu tun.
Bild: Bernd Hohlen (Archiv)

Plus Während viele Unternehmen wirtschaftlich schwer zu kämpfen haben, läuft es bei manchen innovativen Augsburgern sogar besser. Warum das so ist.

Viele heimische Unternehmen stehen in der Corona-Krise still oder haben schwer zu kämpfen. Doch es gibt auch Unternehmen, die in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten erfolgreich unterwegs sind. Dahinter steht oft ein innovatives Geschäftsmodell. Hier ein Überblick.

Dass internationale Internethändler und große Logistik-Firmen gute Umsätze machen, während der stationäre Einzelhandel wegen Corona weitgehend geschlossen bleiben muss, hat sich herumgesprochen. Die Deutsche Post teilte mit, dass die Sendungsmengen lange weitgehend normal gewesen seien. Mittlerweile sind sie auf Vorweihnachtsniveau. Auch beim Online-Riesen Amazon steigt die Nachfrage, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Besonders häufig bestellten die Menschen medizinische Verbrauchsgüter und Dinge, die auch im Supermarkt sehr gefragt sind. Unterdessen setzt sich die wirtschaftliche Talfahrt, die an der Corona-Krise festzumachen ist, im Wirtschaftsraum Augsburg weiter fort: Bis zum vergangen Dienstag hatten 5700 Betriebe eine Anzeige auf Kurzarbeit gestellt.

Corona-Krise: Die Deutsche Post meldet erhöhte Sendungsmengen.
Bild: Bernd Wüstneck,dpa (Symbol)

Bei manchen jungen heimischen Unternehmen entwickeln sich die Geschäfte jedoch positiv. Etwa bei Boxbote in Augsburg. „Wir wollen ein regionales Amazon aufbauen und wurden immer etwas belächelt“, sagt Gründer Raimund Seibold. Das habe sich geändert. Das Unternehmen bietet Händlern einen Internet-Auftritt an und beliefert Kunden mit verschiedensten Produkten. Auf der online-Plattform haben sich inzwischen an die 30 Gastronomen und ähnlich viele Händler listen lassen. Seit der Corona-Krise gebe es ein deutlich größeres Interesse von Firmen, die digital besser auffindbar werden wollen, sagt Seibold.

Boxbote wickelt nach eigenen Angaben derzeit täglich rund 200 Bestellungen vom Kauf, über Zahlung bis zur Zustellung ab. Dazu kommen noch 50 bis 100 Lieferungen täglich, die als Logistikunternehmen für Partner durchgeführt werden. Seit Corona habe sich der Umsatz bei Boxbote verdoppelt, sagt Seibold. Auch in anderen Städten wachse das Interesse an diesem Geschäftsmodell stark. Es gebe Anfragen bis aus Wien. Mit einigen Kommunen ist er im Gespräch, um dort zu expandieren. Seibold sagt, „die Corona-Krise hat brutal die Gefahren aufgezeigt, wenn man als Unternehmen heute nicht digital unterwegs ist.“

Viele Unternehmen wollen in Zeiten der Corona-Krise digital wahrgenommen werden.
Bild: Christin Klose,dpa (Symbol)

Ähnliche Beobachtungen macht man bei der Augsburger Werbeagentur Seowerk. Sie ist auf Online-Marketing spezialisiert und darauf, wie man die Aufmerksamkeit für Produkte und Dienstleistungen im Internet steigert. Geschäftsführer Niko Steeb sagt, schon vor Corona seien die Geschäfte gut gelaufen. Dann hätten der Virus und dessen dramatische wirtschaftliche Folgen zunächst einen kleinen Schock in der Agentur ausgelöst. Etliche Kunden hätten sich gemeldet, um zu pausieren. Inzwischen gebe es aber andere und auch neue Aufträge.

Corona-Krise: Viele Firmen verlieren Kontakt zu ihren Kunden

Steeb erklärt auch, warum. Sehr viele Firmen, die bisher Geschäfte auf Messen oder über den klassischen Vertrieb gemacht haben, hätten durch die Beschränkungen in der Corona-Krise schlagartig den Kontakt zu ihren Kunden verloren. Sie seien gezwungen, im Rekordtempo neue digitale Vermarktungswege aufzubauen. Sie wollen nun online Werbung machen, ihre im Marke gut sichtbar im Internet platzieren oder über Social Media die Kontakte zu möglichen Geschäftspartnern verbessern.

Augsburger Werbeagentur registriert "extrem viele Anfragen"

Der Geschäftsführer von Seowerk sagt, im Augenblick habe sich das Geschäft der Agentur stabilisiert. „Wir haben aber extrem viele Anfragen.“ Wenn daraus Aufträge werden, rechnet er mit einem Umsatzplus, das nach der Krise anhalten wird. Nach seiner Einschätzung werden sehr viele Unternehmen die Digitalisierung vorantreiben.

Das Augsburger Start Up "Little Lunch" gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Auch das Augsburger Start up „Little Lunch“ zählt momentan zu den Gewinnern der Corona-Krise. Dort werden haltbare Lebensmittel, vor allem Suppen, vertrieben. Birgit Schiele vom Unternehmen teilt mit, die Nachfrage sei stark angestiegen. Der Online-Umsatz in der ersten März-Woche sei so hoch gewesen, wie sonst durchschnittlich in einem Monat. Auch im Einzelhandel, wo Produkte von Little Lunch in den Regalen stehen, seien die Umsatzziele für das erste Quartal bereits deutlich früher erreicht, als geplant. Schiele sagt, Kunden wollen vor allem Suppen und Saucen in jeglicher Form, die lange haltbar sind.

Little Lunch in Augsburg: Kunden wollen in der Krise Haltbares im Schrank

Im Online-Shop werde Hamsterkäufen inzwischen ein Riegel vorgeschoben. Das Bestellvolumen bei Little Lunch sei auf maximal vier Boxen pro Person beschränkt worden. Firmenmitgründer Daniel Gibisch dazu: „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um sicherzugehen, dass unsere Suppen nicht in riesengroßen Mengen von Einzelpersonen bestellt werden. Wegen der vielen Bestellungen in den letzten Wochen habe Little Lunch außerdem das Angebot im Online-Shop auf wenige Produkte reduziert, um eine reibungslose Lieferung weiterhin zu garantieren.

Wie beurteilen Experten die aktuellen Entwicklungen? Matthias Köppel, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer Schwaben, sagt: „Kunden erwarten mittlerweile auch von kleinen und kleinsten Firmen, dass sie im Internet auffindbar sind.“ Die Corona-Krise habe dazu geführt, dass viele der bisher digital abstinenten Händler, Gastronomen und Dienstleister auch online erreichbar und sichtbar zu werden wollen. Dies werde sich auch in der Ära nach Corona auszahlen.

„Wir wissen aus Studien, dass zum Beispiel Kunden von Online-Shops immer wieder zurückkommen, wenn Sie beim ersten Mal zufrieden waren“, so Köppel. Krisenzeiten böten auch immer die Chance auf eine Veränderung. Diejenigen Unternehmen, die nun in der Lage seien, digital zu investieren, könnten sich jetzt und auch in Zukunft Wettbewerbsvorteile verschaffen. Allerdings seien die Chancen der Digitalisierung stark abhängig von der jeweiligen Branche.

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