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Augsburg

17.07.2020

Diese Folgen hat Corona für das Ankerzentrum Augsburg

An der Berliner Allee gibt es eine Unterkunft für Flüchtlinge mit Familien. Neben den bereits bestehenden Containerbauten werden auf dem Areal nun weitere Bauten errichtet.
Bild: Bernd Hohlen 

Plus Wenn es in Schwaben um die Betreuung von Flüchtlingen geht, spielt Augsburg die Hauptrolle. In der Zeit von Corona gibt es nun viele neue Entwicklungen.

Wer als Flüchtling in Schwaben ankommt, muss zunächst ins Industriegebiet nach Lechhausen. In einem Gebäude in der Aindlinger Straße sitzt das Anker-Verwaltungszentrum. Seit Dezember 2019 werden Asylbewerber hier registriert. Sie sollen nur wenige Tage in Lechhausen sein. An diesem Verfahren hat sich nichts geändert. Die Corona-Pandemie hat jedoch die Zahl der Flüchtlinge stark reduziert. Im April und Mai kamen jeweils weniger als 30 Personen. Nun gehen die Zahlen wieder hoch.

Anker steht abgekürzt für Zentrum für Ankunft, Entscheidung Rückführung. Zuständig für den Betrieb ist die Regierung von Schwaben. Der Umgang mit dem Coronavirus werde in den Asyl-Unterkünften zu einer Herausforderung, heißt es. Wie berichtet, war Ende des Vorjahrs das Ankerzentrum Donauwörth aufgegeben worden. Augsburg ist neuer Standort für die Registrierung von Flüchtlingen.

In Lechhausen werden Flüchtlinge registriert, die neu in Schwaben ankommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Es gab eine gravierende Änderung. Flüchtlinge werden nicht mehr zentral an einem Ort untergebracht. In Donauwörth lebten mehrere hundert Flüchtlinge zusammen, was mitunter zu Konflikten führte. Das Verwaltungszentrum in Lechhausen ist für die kurzfristige Unterbringung konzipiert. Flüchtlinge werden anschließend in Anker-Zweigstellen gebracht, die auf mehrere Orte in Schwaben verteilt sind. In Augsburg kam eine Einrichtung an der Berliner Allee hinzu. Sie dient seit dem Jahreswechsel als Unterkunft für Familien.

Augsburg: Im ersten Halbjahr kamen 664 Asylbewerber

Als das Verwaltungszentrum eröffnet wurde, ging man davon aus, dass pro Tag mit bis zu fünf Neuankömmlingen zu rechnen sei. Auf das erste Halbjahr umgerechnet, wären es rund 900 Flüchtlinge gewesen. Die Zahl ist deutlich niedriger. Karl-Heinz-Meyer, Sprecher der Regierung, sagt: „Im ersten Halbjahr wurden im Behördenzentrum exakt 664 Asylbewerber aufgenommen.“ Hauptgrund für die vergleichsweise niedrigen Ankunftszahlen dürften die Corona-Pandemie und damit einhergehend die Einschränkungen im Grenzverkehr gewesen sein: Von monatlich rund 180 Ankünften im ersten Quartal fiel die Zahl der Neuankünfte im April und Mai auf jeweils weniger als 30 Personen. Im Juli sei die Zahl der Neuankünfte nun wieder auf 25 Personen pro Woche gestiegen.

Aktuell ist der Anker Schwaben für die Herkunftsländer Irak, Gambia und im Wechsel mit den übrigen bayerischen Anker-Einrichtungen für Flüchtlinge aus Nigeria zuständig. Als das Ankunftszentrum München wegen einer Corona-Infektion unter Quarantäne stand, wurden zudem einige Wochen lang Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Für das Herkunftsland Türkei sind in Bayern bis auf Weiteres ausschließlich die Anker Mittelfranken und Oberbayern zuständig. Derzeit stellen Flüchtlinge aus dem Irak das größte Kontingent in Schwaben, informiert Meyer.

So läuft es im Behördenzentrum in Lechhausen

Das Coronavirus hat behördliche Abläufe im Asylbereich geändert. Um eine Ansteckungsgefahr durch Covid-19 für Mitbewohner soweit wie möglich zu reduzieren, erfolgt im Behördenzentrum in Lechhausen bis auf Weiteres eine Unterbringung nur so lange, bis das Ergebnis des für alle Neuankünfte obligatorischen Corona-Abstrichs vorliegt. Daher sind in der Regel weniger als 20 Betten belegt. Es gibt allerdings in der Steinernen Furt in Lechhausen eine Unterkunft. Es bestehe die Möglichkeit, so Meyer, auch dort Personen zur Entlastung des Behördenzentrums unterzubringen.

Die strengen Auflagen wegen Corona beeinflussten zudem den Betrieb in Asyl-Unterkünften. Dazu gehörte ein Betretungsverbot für externe Institutionen wie zum Beispiel die Flüchtlings- und Integrationsberatung, Lehrkräfte der Erstorientierungskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder ehrenamtliche Helfer.

Betroffen war auch die Unterkunft in der Berliner Allee, in der viele Kinder leben. Die Kinderbetreuung musste coronabedingt schließen. Die in der Unterkunft untergebrachten Schulkinder mussten wie alle anderen Augsburger Schüler auf ihren regulären Unterricht in der Herrenbachschule verzichten. Meyer sagt: „Dank Unterstützung der vor Ort betreuenden Malteser und nicht zuletzt der Lehrkräfte der Grund- und Mittelschule Herrenbach konnte jedoch ein gut funktionierendes Schulsystem in der Unterkunft, ergänzt durch eine intensive Hausaufgabenbetreuung, eingerichtet werden.“

Änderungen gibt es in der Unterkunft an der Berliner Allee

Gegenwärtig leben in der Berliner Allee insgesamt 66 Asylbewerber, darunter 14 Familien mit 34 Kindern. Eine zusätzliche Wohncontaineranlage zur Erweiterung der Unterbringungskapazität auf 200 Personen soll voraussichtlich noch im Juli in Betrieb gehen. Die Fertigstellung weiterer geplanter Containerbauten zur Unterbringung von Schule, Speisesälen und Verwaltung verzögert sich laut Meyer jedoch coronabedingt bis Ende Oktober.

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