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Augsburg

12.03.2020

Diese Folgen hat das Coronavirus für Kitas und Schulen in Augsburg

Kein Betrieb: Das Hessing-Kinderhaus am Standort Mühlstraße in Augsburg ist bis auf Weiteres geschlossen, seit eine Erzieherin positiv auf das Coronavirus getestet wurde.
Bild: Peter Fastl

Plus Zwei Augsburger Kindertagesstätten wurden vorübergehend geschlossen, zwei Schulklassen blieben zu Hause. Die Informationslage könnte besser sein, klagen Eltern.

Eltern von zwei Augsburger Kindertagesstätten warten in diesen Tagen angespannt auf Testergebnisse: Im Fall des am Dienstag geschlossenen Hessing-Kinderhauses ist bislang nicht bekannt, welche Kinder von der erkrankten Erzieherin betreut wurden. 178 Kinder besuchen normalerweise die Einrichtung, sie müssen jetzt erst einmal daheim bleiben. „Ich kann nicht einschätzen, ob mein Kind direkt betroffen ist, und erhalte auch keine Informationen. Ich kann nur warten“, kritisiert ein Vater das Vorgehen.

Schülerinnen von zwei Klassen des Stetten-Instituts mussten diese Woche ebenfalls zwei Tage zu Hause bleiben. Die außerordentliche Freizeit war vom Kultusministerium angeordnet. „In einer Klasse des Gymnasiums und in einer Klasse der Realschule befanden sich Verdachtsfälle, die sich aber nicht bestätigt haben“, erklärt Schulleiterin Barbara Kummer. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Kummer: „Auch als Schule mit einem privaten Träger halten wir uns da strikt an die Vorgaben des Kultusministeriums.“ Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) verdeutlichte in einer Pressekonferenz zum allgemeinen Stand des Coronavirus in der Stadt, dass es keinen Augsburger Weg geben werde. Es gebe „keinen Spielraum“ wurde immer wieder betont. Die Stadt orientiere sich an den Vorgaben der Behörden und Ministerien.

Coronavirus: Über 500 Schüler waren in den Risikogebieten

An den Schulen ist das Thema Corona im Alltag angekommen. Gerade nach den Faschingsferien sind viele Schüler zu Hause geblieben. Der Grund: Viele Schüler waren mit ihren Familien zum Skifahren in Südtirol, was schließlich zum Risikogebiet erklärt wurde. Rund 40.000 Schüler zählt die Stadt. Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) berichtete, dass rund 500 Schüler den Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hätten. Bis Mittwoch habe es davon acht Kinder mit Atemwegssymptomen gegeben – bislang aber mit keinem positiven Testergebnis.

Bei 26 Lehrkräften, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten, gibt es ebenfalls kein positives Ergebnis. Köhler gab einige neue Richtlinien bekannt: Schüler benötigen demnach vorerst für die ersten fünf Tage einer Erkrankung kein ärztliches Attest mehr. So soll das Gesundheitssystem entlastet und erkrankten Kindern keine zusätzliche Belastung zugemutet werden. Klassenfahrten und Skifreizeiten werden davon abhängig gemacht, wohin sie führen und wie die Schüler untergebracht sind. „Auch eine Fahrt nach Berlin kann jetzt bedenklich sein, wenn die Kinder in einem Jugendhaus untergebracht sind, den Nahverkehr nutzen und viele Sehenswürdigkeiten besuchen“, so der Bildungsreferent.

Am Maria-Theresia-Gymnasium wurde aufgrund der derzeitigen Entwicklungen der Schüleraustausch mit Italien und Frankreich abgesagt. „Der Elternsprechtag wurde ebenfalls verschoben“, sagt Schulleiter Jürgen Denzel. Mit Spannung erwartet er die Entscheidung der Kultusministerkonferenz, ob das Abitur verschoben wird. „Das Schuljahr endet in Bayern sehr spät. Bei einer Verschiebung hätten wir im Gegensatz zu den anderen Ländern mehr Luft.“ Eine Verschiebung des Abiturs würde nicht nur die Pläne an den Schulen durcheinanderwirbeln – es hätte auch Auswirkungen auf Zulassungsfristen bei Unis und Hochschulen.

Augsburg: Kita im Hessing-Kinderhaus ist vorerst geschlossen

Dass bereits Verdachtsfälle massive Auswirkungen für einen großen Personenkreis mit sich bringen, erleben gerade Mitarbeiter, Eltern und Kinder von zwei Kindertagesstätten in Augsburg. Am Dienstag meldete die Stadt einen Verdachtsfall in der Kita Josef-Priller-Straße. Die Einrichtung muss so lange geschlossen bleiben, bis das Testergebnis der Person vorliegt. „Die Eltern wurden sofort informiert“, berichtet Eva-Maria Hermanns, Leiterin der städtischen Kindertagesstätten. Erst wenn ein negatives Testergebnis vorliegt, kann der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die Stadt teilte am Mittwochabend mit, dass noch kein Testergebnis vorliege und die Kita noch weiter geschlossen bleibt. Anders sieht es im Hessing-Kinderhaus. Eine Erzieherin wurde dort positiv getestet. Erst danach wurde das Kinderhaus bis voraussichtlich Donnerstag, 19. März, geschlossen.

„Ich frage mich, warum die Kita in der Josef-Priller-Straße bereits bei einem Verdachtsfall geschlossen wurde?“, kritisiert ein Vater. Da habe sich innerhalb von wenigen Tagen eine Änderung in den Vorgaben des Gesundheitsministeriums ergeben, sagt Eva-Maria Hermanns. Er müsse nun Urlaub nehmen und wisse nicht wie lange, klagt der Vater. Bei einer Mutter, deren Kind im Hessing-Kinderhaus betreut wird, konnte der Mann einspringen. „Nach Absprache mit der Hygienebeauftragten meines Arbeitgebers darf ich weiterarbeiten. Mein Mann wurde von seinem Arbeitgeber sofort freigestellt.“ Sie beklagt die Isolierung im persönlichen Umfeld. „Wir werden wie Aussätzige behandelt“. Die Informationen der Behörden könnten konkreter sein, sagt auch sie.

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Augsburg scheint auf die Ausbreitung des Virus vorbereitet - lesen Sie dazu einen Kommentar von Redakteur Michael Hörmann: Coronavirus in Augsburg: Das Management in der Krise funktioniert

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.03.2020

Guten Morgen,



ich bin EB-Vorsitzender des Justus-von-Liebig Gymnasiums in Neusäß.



Mein Anliegen ist eigentlich klar: in Deutschland müssen die Schulen geschlossen werden um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen.

Unsere Nachbarstaaten wie Dänemark, Polen, Italien und Österreich haben diesen Schritt bereits vollzogen. Unsere Bildungsministerin Karliczek tut wie üblich nichts und wartet vermutlich, bis der Gesundheitsminister sie rechts überholt. Ebenso sieht es in Bayern aus, der leichtgewichtige KM glänzt nicht durch Führungsstärke, die Gesundheitsministerin übernimmt die Führung.



Ich sehe darin eine ganz klare Fürsorgepflichtverletzung gegenüber den Lehrern und Schülern. Sie werden einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt, wo doch gerade alle Veranstaltungen abgesagt werden. Schulen mit 1000 Personen dürfen aber natürlich bleiben.



Vielleicht ist es angezeigt, dass wir Eltern nun darauf drängen, dass sich was tut, je mehre Eltern sich melden, umso besser.



1. Es muss einen Notfallplan geben für die Schüler, die aktuell nicht zuhause betreut werden können.

2. Für den Rest muss sichergestellt werden, dass diese wenigstens Zuhause eingeschränkt den Stoff lernen können

3. Es muss JETZT geregelt werden, was mit Schulaufgaben und Prüfungen passiert, wenn die Schließung kommt.



Das Argument des KM, dass eine flächendeckende Schließung für Abschlussprüfungen folgen hätte wird dadurch konterkariert, dass jetzt schon einige Schulen geschlossen sind. Diese Schüler haben eh schon einen Nachteil.



Es ist an der Zeit, zu agieren, bevor wir nur noch reagieren können.



Mit freundlichen Grüßen



Wolfram Jaschke

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12.03.2020

Solange Flugverkehr stattfindet und das hohe Lied der offenen Grenzen gesungen wird ist das eher eine Placebo-Maßnahme.

Kinder sind bislang kein relevanter Faktor bei der Verbreitung des Virus.

Die Gefahr sind "Corona Ferien" wie in Italien, wo viele Infizierte noch mal aus den betroffenen wohlhabenden norditalienischen Regionen zum Skifahren nach Südtirol gefahren sind und nur durch einen absoluten Stopp des Liftbetriebes aufzuhalten waren.

Im Grunde ist es ähnlich wie mit einem Flutpolder; man darf es nicht zu früh einsetzen. Ziel ist ja nicht mehr die Unterbrechung der Infektionen, sondern eine Verlangsamung auf ein für das Medizinwesen machbare Größenordnung.

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