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Gesundheit

20.07.2019

Diese Folgen hat der Klimawandel für die Gesundheit

Allergische Reaktionen zum Beispiel auf Pollen treten in letzter Zeit immer häufiger auf. Die Pollen werden aggressiver, anfällige Menschen leiden oft das ganze Jahr über.
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Allergische Reaktionen zum Beispiel auf Pollen treten in letzter Zeit immer häufiger auf. Die Pollen werden aggressiver, anfällige Menschen leiden oft das ganze Jahr über.

Physiker Harald Lesch spricht am Lehrstuhl für Umweltmedizin über die Auswirkungen von Erderwärmung, Umweltverschmutzung und Co.

Wer einen Herzinfarkt erleidet, wird sofort alles tun, um diesen Notfall abzuwenden und zu überleben. Für den bekannten Astrophysiker Prof. Harald Lesch ist der Klimawandel ein solcher Notfall. Allerdings meinten viele Menschen noch immer, es werde entweder schon nicht so schlimm kommen, oder es genüge, innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu handeln. Lesch ist derzeit Referent eines zweitägigen Neurodermitis-Symposiums am Uniklinikum, das sich in diesem Jahr ganz allgemein mit den Zusammenhängen von Umweltverschmutzung, Klimawandel und Volksgesundheit beschäftigt.

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Naturwissenschaften und Medizin befinden sich darüber bisher, wie im Rahmen des Symposiums deutlich wurde, noch wenig im Gespräch. 200 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen versuchen noch bis heute, sich auf der Veranstaltung des Lehrstuhls für Umweltmedizin, der Uni Augsburg, der TU München und anderer Institutionen besser zu vernetzen und miteinander auszutauschen.

Fälle von Neurodermitis nehmen zu

Laut Prof. Markus Wehler, dem stellvertretenden Ärztlichen Direktor des Uniklinikums und Leiter der Notaufnahme, nehmen nicht nur die Fälle von Neurodermitis und anderer Allergien kontinuierlich zu, sondern in „überzufälliger Häufung“ an bestimmten Tagen auch die Zahl der Schlaganfälle, Herzinfarkte und Bluthochdruckkrisen. Eine weitere Beobachtung: Die sogenannte Frühsommer-Hirnhautentzündung nach Zeckenbiss trete jetzt bereits ab Januar auf. Es liege nahe, dass die zunehmende Hitze zumindest eine der Ursachen sei. Das, so Wehler, wolle man näher untersuchen.

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Die Lehrstuhlinhaberin für Umweltmedizin, Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, will Patienten informieren und darauf hinwirken, Krankheiten vorzubeugen. Pollen nähmen durch die Erwärmung zu, Allergiesymptome gebe es nun das ganze Jahr über. Die Umweltverschmutzung mache die Pollen zudem aggressiv. Bei Menschen sei zu beobachten, dass die Hautbarriere geschädigt werde. Das gehe über das Phänomen der Neurodermitis hinaus, an der 30 Prozent der Kinder litten. Die Haut werde auch durch giftige Abgase geschädigt, Hitze verursache eine beschleunigte Hautalterung, die Sonneneinstrahlung führe zu mehr Fällen von Hautkrebs. Klimaexperte Lesch sprach von einer rapiden Veränderung der natürlichen Stoffkreisläufe, die überall auf der Welt zu beobachten sei. In Sibirien gebe es gerade Brände, in Alaska liege die Temperatur bei 30 Grad. Der Begriff „Starkregen“ sei erst vor wenigen Jahren entstanden.

Das Wissen um den Klimawandel wäre da

Derzeit gehe von den Ozeanen noch eine Dämpfungswirkung auf den Temperaturanstieg aus, aber wenn die Meere dies nicht mehr leisteten, dann werde es „richtig knackig“. Als Astrophysiker stellte Lesch sich einen Blick von außerhalb auf die Erde vor. So ein Beobachter würde feststellen, dass das Wissen um den Klimawandel seit mindestens 50 Jahren vorhanden war. Doch ein Außerirdischer müsse, so formulierte Lesch spitz, den Wirtschaftsteil der FAZ aufschlagen, um zu verstehen, warum die Menschen nichts dagegen getan hätten.

Uni-Präsidentin Prof. Sabine Döring-Manteuffel wies darauf hin, dass ein Lehrstuhl für Umweltmedizin nur an einer neuen Uniklinik etabliert werden konnte. Seit der Gründung 2014 habe Augsburg bereits große Fortschritte gemacht. Es gebe inzwischen zehn Professorenstellen. Früher habe Umweltmedizin nur im Bereich der Arbeits- und Sozialmedizin eine Rolle gespielt. Der Lehrstuhl sei jedoch genau im richtigen Moment entstanden: 2014 habe die Stadt Stuttgart erstmals Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhängt.

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