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Gesellschaft

14.03.2015

Diese Hacker retten auch Nähmaschinen

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3 Bilder
Mit dem 3-D-Drucker lässt sich jede Form schaffen.

Wer vom „hacken“ liest, denkt an Computerfreaks, die Verbotenes tun. Es geht auch anders. Im OpenLab kann jeder mit Technik kreativ sein und sich Reparatur-Tipps fürs kaputte Alltagsgerät holen

Was passiert wohl in diesem Raum, der ein wenig wie ein Raumschiff über dem Hof schwebt? Der Name OpenLab verrät noch wenig über das, was hinter den großen Fenstern mit farbigem LED-Licht im 1. Stock geschieht. Treppe hoch. Eintreten. Links ist alles klar. Ein paar Jungs sitzen an Computern. Doch rechts, neben der bequemen Couch, steht ein Bücherregal. Michael Wendland sitz dort und sagt: „Wir wollen einen Raum schaffen für Ideen.“ Viele drehen sich um Technik, das verraten die Geräte und Kästen hinter ihm. Wer ins OpenLab kommt, will den Kisten ihre Geheimnisse entlocken. „Wir sind ein Hackerspace“, sagt Michael Wendland und weiß sofort, was man dann denkt. Böse Dinge. Online-Raubzüge. Nein. „Uns geht es um einen kreativen Zugang zur Technik“, erzählt er. So wie die einen aus Stoff oder Farbe und Leinwand ein Kunstwerk schaffen, wird in diesem Raum nahe des Wittelsbacher Parks mit Platinen, Kabeln und Rechnern gewerkelt. Der Holzkasten hinter dem Sofa ist ein Beispiel dafür.

Früher war das ein Teil einer großen Anzeigetafel an der Autobahn. Im Innern sind viele kleine Plättchen, die mechanisch von schwarz auf weiß wechseln können. Das OpenLab hat die Anzeige erhalten – aber ohne die Technik, um sie bedienen und nutzen zu können. Die Mitglieder haben gegrübelt, gelötet und programmiert. Jetzt zeigt die Tafel „Hallo AZ“ an – wundervoll. Auf ihr laufen auch einfache Spiele. „Re-Engeneering“ nennen sie das: Man nimmt ein Gerät, stellt es auf den Kopf, entschlüsselt, wie es funktioniert, und nutzt es. Alles, was dabei entsteht, etwa Software, wird wieder offen geteilt. Als sich langsam ein Bild vom OpenLab entwickelt, zeigt Michael Wendland nach rechts und sagt: „Und der Philipp braut zum Beispiel Bier.“ Wie geht das zusammen?

Wunderbar, sagt Philipp Ostler. Im Hauptberuf hat er wie einige hier viel mit Computern zu tun; andere sind Elektroniker. Aber privat haben es ihm das Bierbrauen und die Fermentation angetan. „Dann kommt jemand und sagt: Ich hätte da einen Motor. Dann bauen wir ihn dazu.“ Robin Han träumt von zwei Fauna-Boxen: In einer eigenen Biosphäre will er Kleintiere züchten. Die Technik hält sie am Leben. Gemeinsam haben sie für 160 Euro eine Hubschrauber-Drohne gebaut. Alles ist möglich im OpenLab. Es erinnert ein wenig ans Lego spielen: Es gibt eine riesige Kiste an Teilen, dazu kommen viele Idee und jede Menge Wissen. Alles landet in einem Topf, dann geht es los und jeder kann mitmischen. Das OpenLab, der Name sagt es, ist offen für alle. Mehr als 50 Mitglieder lassen ihren Ideen nach knapp zwei Jahren schon freien Lauf – immer.

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Wer die 30 Euro Beitrag im Monat bezahlt, kann jederzeit in den Raum in der Elisenstraße 1. Ein bisschen Klischee: „Morgens um zehn ist die ruhigste Zeit“, sagt Michael Wendland. Dafür kommt mancher auch erst morgens um zwei – je nach Lust und Laune. Einige sind Studenten, andere arbeiten, wieder andere sind Schüler. Aber die große Mehrheit sind Männer. Das soll und muss nicht sein, aber noch spiegelt sich die Gesellschaft auch im OpenLab. Apropos Gesellschaft. Da sind die Bücher, rechts neben den Sofas. In ihnen geht es nicht nur um Hacker, Computer und Technik – auch Kultur und Gesellschafts-Kritik haben ihren Platz. Eigentlich sogar alles, denn: „Die Bücherei ist offen – jeder kann seine Bücher bringen“, sagt Michael Wendland. Besonders offen ist das OpenLab immer mittwochs.

Wer einen Rat sucht, bekommt ihn

Gäste sind immer willkommen, sagen die Mitglieder, doch dann sind ab 18 Uhr die Türen besonders weit geöffnet. Ähnlich wie es in der Bikekitchen mit Fahrrädern läuft, können die Menschen mit technischen Geräten kommen, die nicht mehr so richtig wollen. Sie betreten dann aber keinen Reparatur-Betrieb, sondern können nur auf Tipps und Hilfe vom gesammelten Wissen des OpenLab hoffen: „Wir möchten ihnen die Anleitung geben, damit sie sich selbst helfen können“, sagt Michael Wendland, der Schreiner und Informatiker ist. Sie haben das schon mit vielen Geräten gemacht – vom Fernseher bis zur Nähmaschine. Dabei soll das Gerät nicht nur in Gang kommen, nein es geht um mehr: „If you don’t repair it, you don’t own it“, sagt Robin Han. Das klingt viel besser als Nachhaltigkeit: Wenn du deine Kiste nicht richtest, gehört sie dir noch nicht richtig. Hier wird am Radiogerät geschraubt, anstatt es gleich in den Elektroschrott zu werfen. Manches Mal heilt das OpenLab aber auch ganz andere Dinge: Fahrradtaschen und Schreibtische.

Dafür kommen die Geräte zum Einsatz, die rechts hinten vor sich hin schnurren. Die 3-D-Drucker haben für die Tasche und den Schreibtisch die Teile geschaffen, die fehlten. Zuletzt waren sie damit beschäftigt, sich selbst nachzubauen. Das OpenLab bot einen Kurs zum 3-D-Druck an, bei dem die Teilnehmer auch ihr eigenes Gerät bauten. Das Ideen-Karussell dreht sich immer weiter. Neue Leute haben neue Pläne. Imkern ist ein Thema. Oder auch ein Chemielabor, das sich Kilian Drechsler vorstellen könnte. Keine Ahnung, was in ein paar Wochen in dem Raum, der einwenig wie ein Raumschiff über dem Boden schwebt, alles passiert. Alles ist offen, alles ist möglich.

www.openlab-augsburg.de

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