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Wohnen

04.11.2019

Diese Mieter haben ihre Nachbarn mit im Blick

Frank Rathke ist als erster Mieter in das gemeinschaftliche Wohnprojekt „Fritz & Jack“ eingezogen. Unterstützt wird er im Alltag von Daniela Wesiak.
Foto: Wyszengrad

Das Projekt „Fritz & Jack“ bringt Menschen mit und ohne Handicap in einem Haus zusammen. Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben für alle Bewohner.

Für Michael Böhmer war es eine neue Erfahrung. Im Juli konnte er, der bisher bei den Eltern lebte, seine erste eigene Wohnung beziehen. Groß war für ihn, der körperbehindert ist, die Freude darüber, eine für ihn geeignete Form gefunden zu haben, um selbstständig und doch unterstützt von einer Assistenz wohnen zu können – und das noch im Zentrum der Stadt.

Möglich wurde dies durch das neue inklusive Wohnprojekt „Fritz & Jack – Wohnen im Zentrum“ im Südflügel des ehemaligen St. Jakobsstifts. Hier wurden für rund 1,5 Millionen Euro 24 Appartements für Menschen mit und ohne Behinderung ausgebaut, die dort gemeinschaftlich zusammenleben. Es ist eine Einrichtung des Fritz-Felsenstein-Hauses für Körperbehinderte.

Bis Weihnachten ziehen die nächsten Mieter ein

Der Name „Fritz & Jack“ steht für Fritz-Felsenstein-Haus und Jakobsstift. Mittlerweile konnten die ersten acht Bewohner – vier mit und vier ohne Behinderung – in eine von drei Etagen einziehen. Die zweite Etage wird bis Weihnachten, die dritte bis März 2020 bezogen sein. Für die Ausstattung der Gemeinschaftsbereiche, etwa der Küche, wurde „Fritz & Jack“ jetzt mit 55000 Euro vom Sparkassenverband Bayern und der Stadtsparkasse Augsburg unterstützt. Dazu überbrachten Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, und Rolf Settelmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Augsburg, dem Vorstand des Fritz-Felsenstein-Hauses, Michael Amberg, einen symbolischen Geldsack. Diese finanziellen Mittel stammen aus dem Reinertrag des Sparkassenangebots „PS-Sparen und Gewinnen“.

Das neue inklusive Wohnprojekt zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus: Jeder Mieter hat hier seine eigene, abgeschlossene Wohnung. Die Appartements werden zur Hälfte an Menschen mit und ohne Behinderung vermietet. Wer keine Behinderung hat, verpflichtet sich, in einem individuell vereinbarten Maß als einer der Persönlichen Assistenten einem körperbehinderten Menschen zur Verfügung zu stehen. Diese Persönliche Assistenz wird vermittelt über „PAsst!“, eine Tochtergesellschaft des Fritz-Felsenstein-Hauses.

Erwartet werden mindestens fünf Stunden in der Woche einfache Assistenz bei einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit Behinderung. Der Gemeinschaftsgedanke soll den Geist des Hauses prägen. Das zeigt sich schon jetzt. In den wenigen Monaten seit dem Sommer haben die Mieter bereits in Eigeninitiative gemeinsam die großzügige Dachterrasse freundlich gestaltet – mit Pflanzen und einem Sonnensegel.

Bewohner: "Das Leben ist jetzt interessanter"

Frank Rathke war der erste Mieter der Einrichtung. „Es war definitiv eine gute Entscheidung“, sagt er, der bisher als jüngerer Mensch mit Körperbehinderung nur im Betreuten Wohnen, unter Senioren, leben konnte. „Hier, unter jungen Leuten ist es besser, es ist interessanter“, meint er und freut sich über das gute Miteinander. Sichtbar auch daran, dass die Bewohner bereits eine Whats-App-Gruppe gegründet haben.

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