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Augsburg

29.04.2015

Dieser Augsburger radelt ab heute um die Welt

In den kommenden sieben Jahren wird Uwe Philipp radeln – und von rund fünf Euro am Tag leben.
Bild: Wolfgang Holzhauser

Der Augsburger startet zu seiner Erdumrundung und will sieben Jahre lang unterwegs sein. Das ist sein großer Traum. Doch kurz vor der Abreise tauchen viele Fragen auf.

Zuerst geht es über den Donautalradweg nach Wien, dann über Rumänien und Bulgarien nach Griechenland. Und dann? So genau weiß es Uwe Philipp heute noch nicht. Am Mittwoch wird der Haunstetter losradeln: Zuerst zu Freunden, die in der Nähe des Jakobertors wohnen, und ihn auf ein letztes Frühstück eingeladen haben – und dann geht es in die Welt.

Budget: Fünf Euro am Tag

Sieben Jahre will der 57-Jährige unterwegs sein. So viel Zeit, hat er errechnet, würde er wohl benötigen, um einmal um die Welt zu radeln und noch genügend Zeit für Land und Leute zu haben. Sieben Jahre, in denen er im Schnitt von fünf Euro am Tag leben will und muss. Das ist sein Budget. Dafür hat er in den vergangenen Wochen alles verkauft, was er in seiner Wohnung hatte. „Es ist schon ein komisches Gefühl. Ein bisschen so, also ob man sein Leben auflöst“, sagt er. Möbel und Einrichtungsgegenstände sind weg, ein paar persönliche Erinnerungen hat er zwischengelagert.

Mitnehmen kann Philipp ohnehin nur, was auf sein Fahrrad passt. Und das ist nicht viel. Aber das ist auch ein Grund, warum er diese lange Reise überhaupt antritt. „Ich will mich einschränken, mit einem Minimum auskommen. Oft ist man erstaunt, wie wenig man letztlich zum Leben braucht“, sagt er. Die Reise hatte er schon lange im Hinterkopf.

Als Jugendlicher bekommt er ein Buch geschenkt, wo ein Mann in den 50ern mit dem Rad durch die Welt fährt. Das beeindruckt ihn. Doch er bleibt da. Er absolviert sein Abitur am Holbein-Gymnasium, studiert Haushalts- und Ernährungstechnik. „Damals habe ich mit meiner Freundin geplant, zwei Jahre lang mit einem VW-Bus die Panamerikana von Alaska nach Feuerland hinunterzufahren. Doch plötzlich war meine Freundin schwanger“, erzählt er. Die Tochter war da, der Traum der großen Reise geplatzt. Ein paar Jahre später will die junge Familie durch die Sahara reisen, doch das Tropeninstitut rät dringend davon ab. Wieder wird es nichts mit der großen Reise, dem großen Abenteuer. „So sind die Jahre vergangen. Inzwischen sind die Kinder groß und ich lebe allein“, berichtet er. Immer wieder sei er auf Reisen gegangen – wie etwa 2010, als er auf dem Jakobsweg die 3400 Kilometer von Augsburg nach San-tiago di Compostela geradelt ist. „Da war ich sechs Wochen unterwegs. Das war sehr schön und beeindrucken und ich habe viele interessante Leute kennengelernt“, so Uwe Philipp.

Fahrrad gemeinsam mit Händler konzipiert

Aber es waren eben nur Wochen, der Rückflug stets bereits gebucht. Jahre sollten es doch eigentlich sein, schwirrte es ihm immer noch im Hinterkopf herum. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres. „Da habe ich mir gesagt: Wenn ich es jetzt nicht anpacke, dann gar nicht mehr.“ Gesagt, getan. Schnell war ihm klar, dass er mit dem Fahrrad verreisen wolle. „Das ist ein guter Kompromiss. Man kommt gut voran und bekommt trotzdem alles von der Natur, Tieren und Leuten mit.“ Für sein Abenteuer kaufte er sich eine Reisefahrrad, das er gemeinsam mit dem Fahrradhändler für seine Anforderungen aufbaute. „Es muss robust, aber leicht sein. Außerdem muss es so hergestellt sein, dass es auf der ganzen Welt repariert werden kann“, sagt er. Gemeinsam mit dem Rad und Gepäck wird er ab heute rund 50 Kilogramm bewegen müssen. Mit dabei hat er ein Zelt und Küchenutensilien, damit er sich selbst versorgen kann. Nachdem er in den vergangenen Wochen die richtige Krankenversicherung für seine Reise gefunden, die richtigen Impfungen im Gesundheitsamt gemacht und Informationen über Visa eingeholt hat, musste er gestern nur noch seine leere Wohnung abgeben und sich von seiner Familie verabschieden.

Die Trennung von seiner Mutter, seinen Kindern und seinen Freunden macht ihn traurig. Es sei darüber gesprochen worden, ob er für eine Hochzeit zurückreisen würde und was überhaupt sei, wenn etwas passiert. Das will Uwe Philipp alles auf sich zukommen lassen. Vermissen wird er nach seinen Angaben nichts. Vielleicht die eine oder andere kulinarische Gewohnheit: „Ich habe wie verrückt noch Brezen und Spargel gegessen, weil ich jetzt sicherlich erst einmal darauf verzichten muss.“ Worauf er sich freut, sind die Menschen, denen er auf seiner Reise begegnen wird. Und auf den Weg, der sein Ziel ist. Uwe Philipp: „Ich will nach Indien, Bhutan, Laos und Japan. Wie ich dorthin komme und wie lange ich bleibe, das weiß ich heute noch nicht. Da lasse ich mich überraschen.“

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