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Augsburg

17.01.2020

Direktor der Hessing-Stiftung mit sofortiger Wirkung beurlaubt

Der Direktor der Hessing-Stiftung, Markus Funk, wurde diese Woche mit sofortiger Wirkung beurlaubt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Der kaufmännischen Chef der Hessing-Stiftung ist beurlaubt worden. Diesem Schritt waren Differenzen vorausgegangen.

Im Herbst gab es für den kaufmännischen Direktor der Hessing-Stiftung noch etwas zu feiern. Die orthopädische Fachklinik wurde mit dem „Deutschen Zukunftspreis der Gesundheitswirtschaft“ ausgezeichnet. Dafür, dass die Planung von Operationen künftig auch mit der Hilfe künstlicher Intelligenz läuft. Aktuell geht es um eine andere Zukunftsfrage bei der Stiftung. Direktor Markus Funk ist nach Informationen unserer Redaktion in dieser Woche beurlaubt worden.

Hessing-Stiftung in Augsburg: Kritik am Sanierungskurs

Zu der traditionsreichen Stiftung gehören unter anderem die Hessing-Klinik in Göggingen, drei medizinische Versorgungszentren in der Region Augsburg und zwei Sanitätshäuser. Beschäftigt werden dort rund 1400 Mitarbeiter. In dem auf Orthopädie und Chirurgie spezialisierten Krankenhaus ist die Stimmung schon länger angespannt. Markus Funk wurde 2016 als Geschäftsführer geholt, um das Haus effizienter zu machen. Es hatte in den Jahren zuvor zunehmend Verluste im einstelligen Millionenbereich eingefahren, die langfristig das Stiftungsvermögen angegriffen hätten.

In den Reihen der Ärzte und der Mitarbeiter gab es aber Kritik am Sanierungskurs des neuen Direktors. Mehrere Mitarbeiter berichteten von zunehmendem Druck und Arbeitsverdichtung. Der Widerstand gegen die Umstrukturierungen bei Hessing ist zuletzt offenbar größer geworden. Nach Informationen unserer Redaktion gibt es ein Schreiben, das von fast allen Ärzten unterzeichnet worden ist. Darin schildern sie offenbar, dass sie kein Vertrauen mehr zum kaufmännischen Direktor hätten.

Direktor der Hessing-Stiftung mit sofortiger Wirkung beurlaubt

Verwaltungsrat tagte unter Vorsitz von Oberbürgermeister Kurt Gribl

Der beurlaubte Stiftungsdirektor erhält derzeit weiter seine Bezüge, darf aber die Stiftung nicht mehr leiten. Der Verwaltungsrat der Hessing-Stiftung tagte am Dienstagabend unter Vorsitz von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Unmittelbar danach soll Markus Funk über seine sofortige Beurlaubung informiert worden sein. Schon am nächsten Tag kam er nicht mehr ins Büro.

Die kommissarische Leitung hat Stadtdirektor Thomas Schmidt-Tancredi übernommen. Entsprechende AZ-Informationen bestätigte Oberbürgermeister Kurt Gribl am Freitag auf Anfrage: „Es trifft zu, dass Herr Schmidt-Tancredi zum 15. Januar die Funktion des kaufmännischen Direktors bei der Hessing-Stiftung übernommen hat.“ Man habe mit ihm eine „kompetente Persönlichkeit“ gefunden, die Hessing schon einmal für eine Übergangszeit führte. Nachdem der damalige Direktor Wolfgang Winkler 2015 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, übernahm Schmidt-Tancredi die Leitung für ein Jahr. Im Oktober 2016 holte man dann Markus Funk – wie es damals hieß für eine „auf Dauer angelegte Führung“.

Stimmung in der Hessing-Belegschaft ist offenbar angespannt

In der Belegschaft begann es bald nach Funks Beginn in Augsburg zu rumoren, zuletzt hatte die Unzufriedenheit offenbar ein größeres Ausmaß angenommen. Mehrere Anästhesisten und andere Mitarbeiter in leitenden Funktionen kündigten, vor einigen Wochen warf offenbar auch die Leitung der Physiotherapie hin. Laut Auskunft von Insidern laufen gegen die Klinik Klagen vor dem Arbeitsgericht.

Die Stimmung in der Hessing-Belegschaft ist nach den aktuellen Entwicklungen offenbar angespannt. Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag wurde der Belegschaft offenbar versichert, dass die Stiftung sich in keiner finanziellen Schieflage befinde und es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Mit der Übernahme der Leitung durch Schmidt-Tancredi – er leitet derzeit kommissarisch auch die Augsburger Messe – seien die Mitarbeiter auch zufrieden. Einige befürchten laut Auskunft von Insidern aber, dass ein neuer Chef einen ähnlichen Sparkurs fahren werde wie Markus Funk. Die Ärzte, die das Haus zuletzt aufgrund persönlicher und inhaltlicher Differenzen verloren habe, könne man zudem nicht zurückgewinnen. Markus Funk war am Freitag telefonisch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von der Veränderung nicht betroffen ist die private Hessingpark-Clinic, in der sich immer wieder Sportprofis operieren lassen. Sie ist eine hundertprozentige Tochter der Hessing-Stiftung, aber mit eigenem Geschäftsführer.

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18.01.2020

Sieht eher so aus als würde jemand versuchen den ungeliebten Chef in Misskredit zu bringen. Ist ja auch eine Schweinerei wenn so ein Sanierer kommt und liebgewonnene Gewohnheiten und Abläufe ändert.
Wem das alles nicht passt der sollte sich lieber nach einem anderen Job umsehen (besser bezahlt und mit weniger Arbeit/Verantwortung am besten) und nicht mit Schmutz auf andere werfen.
Wenn man einen Tümpel austrockenen will darf man nicht die Frösche fragen!

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