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Neu-Ulm

09.03.2018

Donovan – ein Botschafter der Nostalgie

Die Mähne ist jetzt grau: Donovan im Edwin-Scharff-Haus.
Bild: Kümmritz

Der schottische Liedermacher singt im vollen Edwin-Scharff-Haus seine größten Hits. Doch die Atmosphäre will nicht so recht zu den Songs passen.

Immer wieder verneigt sich Donovan vor seinem Publikum im vollen Saal des Edwin-Scharff-Hauses. Dabei kommt das Gefühl auf, dass er sich nicht nur für den Applaus bedankt, sondern auch dafür, dass da gut 400 Fans, Altersdurchschnitt sicher über 50 Jahre, Lust haben, ihm, dem inzwischen 71-Jährigen, noch zuzuhören. Mehrfach versucht er, die Besucher zum Mitklatschen oder Mitsingen zu bewegen. Mit spärlichem Erfolg. Donovan spielt und singt eineinhalb Stunden lang, bietet viele seiner Hits dar, ist trotz seines Alters gut bei Stimme, aber die Atmosphäre passt nicht.

Ein eh recht steriler Saal, eine große Bühne, auf der Donovan mit seiner grün-roten Gitarre mangels weiterer Ausstattung ziemlich verloren dasteht respektive auf seinem Hocker sitzt, recht schlechtes Licht im Raum – wie soll da Stimmung aufkommen? Man stelle sich vor: Donovan in einer Kneipe, wie in seiner Jugend hautnah umringt von seinen Fans, da hätten die Leute richtig in Erinnerungen geschwelgt – an die große Zeit des schottischen Singer-Songwriters, der 2012 in die „Rock ’n’ Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde.

Die 60er waren die Jahre von Donovan. Sie entsprachen seinem Lebensgefühl von einer heilen Welt, die so heil nun auch wieder nicht war, was er dann auch mit Texten gegen den Vietnamkrieg, seiner Kritik an der Söldnerschaft („Universal Soldier“) oder später in Liedern gegen die Neutronenbombe anprangerte. Aber er schrieb auch schöne Liebeslieder wie „Jennifer Juniper“ oder „Maria Magenta“. Donovan, damals ein Freund der Beatles, aber auch von Jimi Hendrix und dem 1969 gestorbenen Rolling-Stones-Mitbegründer Brian Jones, dessen einstige Freundin Linda seine Frau ist, weiß, was seine Fans wünschen: nicht die Songs aus den vergangenen drei Jahrzehnten, sondern die „ollen Kamellen“ aus den Sixties, der Zeit des Aufbruchs und der freien Liebe. Und der Mann mit der grauen, fast weißen Mähne – man hat ihn noch als 18-Jährigen mit dunklen Locken unter der kecken Landarbeitermütze vor Augen – kündigt in Neu-Ulm gleich an, dass er diesen Abend den Songs seiner ersten beiden Alben widme.

Mit der Folk-Ballade „Catch The Wind“, seinem ersten Erfolg (1965), eröffnet der in Glasgow geborene und heute in Irland lebende Donovan das Konzert. Seine Stimme ist wohl im Laufe der Jahre etwas tiefer geworden, hat aber immer noch das für den Sänger typische leichte Beben in sich. Dann kommen seine besten Songs Schlag auf Schlag, immer wieder unterbrochen von kleinen Geschichten, wie der von Geraldine und seiner enttäuschten Liebe zu ihr. Die Geschichte hat er in der „Ballad Of Geraldine“ festgehalten. Dann kommt die Nostalgie so richtig auf, als der 71-Jährige „Tin Soldier“, „Colours“, „Josi“, den „Gold Watch Blues“, natürlich den „Universal Soldier“, bei dem er auf einmal viel jünger wirkt, „There is a Mountain“, „Lalena“, „Sunshine Superman“, „Hurdy Gurdy Man“ (Donovan: „Ich bin immer noch einer“) und „Mellow Yellow“ zum Besten gibt. Welcher ältere Musikfan kennt sie nicht, diese alten Donovan-Hits? Schließlich gibt es noch eine Zugabe, das heiß ersehnte „Atlantis“. Dann schleicht der alte Mann kurz noch einmal winkend von der Bühne und die Gäste sind zufrieden. Eine schöne Reminiszenz an die 60er, in denen Donovan auch heute noch zu leben scheint.

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