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Augsburg

11.12.2016

Drogen zerstörten sein Leben: Augsburger will nach Haft Neuanfang

Lukas schaut nach vorne. Der 44-Jährige wurde vor Kurzem aus der Haft entlassen und versucht jetzt, wieder Fuß im Leben zu fassen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Vor Kurzem aus der Haft entlassen, versucht ein 44-jähriger Augsburger im Alltag Fuß zu fassen. Die Drogen haben sein Leben zerstört. Und trotzdem hat er noch Ziele und Wünsche.

Immer mal wieder in Haft, immer mal wieder draußen. So verlief das bisherige Leben von Lukas*, 44. Der Grund war immer derselbe: Drogen. „Es hat mit 15 Jahren angefangen“, erinnert er sich. Da hat er begonnen, Drogen zu nehmen und kam schnell auf die schiefe Bahn. „Das haben die Drogen so an sich. Entweder man muss sich welche besorgen und begeht Beschaffungskriminalität oder man verkauft welche.“ Er nimmt Heroin oder Kokain. Nur die harten Sachen.

Nun lebt Lukas im Augsburger Bodelschwingh-Haus

Es ist die Sucht, die ihm in den vergangenen Jahrzehnten schwer zu schaffen macht und immer wieder ins Gefängnis bringt. Zuletzt sitzt er zwei Jahre und acht Monate in der Justizvollzugsanstalt Kaisheim ein. Als er wieder herauskommt, will er seinen Neuanfang anders begehen als all die anderen Male. Besser.

Die ersten Nächte kommt er bei seiner Mutter in Augsburg unter. Dann spricht er im Bodelschwingh-Haus im Domviertel vor. In der Einrichtung der Diakonie leben haftentlassene Männer. Dort kommen sie durchschnittlich ein Jahr unter, werden betreut und können so langsam wieder auf die Füße kommen. In dem Haus gibt es 36 Plätze, die auf sechs Wohngemeinschaften aufgeteilt sind. Die ersten Tage lebt Lukas in der WG, in der sich die Neuankömmlinge an den Alltag in der Einrichtung gewöhnen. „Bei uns kann man nur bleiben, wenn man sich an unseren Angeboten auch beteiligt und nicht gelangweilt ist“, sagt Einrichtungsleiter Harald Eckart.

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Die geregelte Tagesstruktur gibt Lukas Halt

Lukas ist dankbar für die geregelte Tagesstruktur, die ihm Halt gibt. Die normalen Verrichtungen des Alltags sind für ihn anstrengend genug. „Am Anfang gibt es viel Papierkram zu erledigen. Während der Zeit in Haft ruht beispielsweise die Krankenversicherung und man muss sich dann wieder freiwillig versichern“, sagt er. Bei all den Behördengängen erhalten die Bewohner Unterstützung von den Mitarbeitern. Es gibt vier Sozialarbeiter und vier Anleiter, die die Männer beschäftigen. „Wir haben im Haus keinen Putzdienst und keinen Koch. Das machen die Männer alles selber“, sagt Eckart.

Sie backen Plätzchen, besuchen in ihrer Freizeit auch einmal ein Bowling-Center oder ein Fußballspiel, binden Adventskränze und putzen aber auch sowohl die Gemeinschaftsräume als auch die Zimmer ihrer WG. „Aber da ist es nicht anders als in jeder Studenten-WG. Die einen Mitbewohner machen mehr, die anderen weniger“, sagt Lukas und lacht. Denn darüber wird, wie in jedem anderen Haushalt auch, schon mal gestritten. Mit dem Unterschied, dass sich in den Männer-WGs des Bodelschwingh-Hauses dann auch ein Sozialarbeiter einschaltet und für Frieden sorgt, wenn es die Gemeinschaft nicht schafft.

Seit wenigen Monaten lebt Lukas nun in der Einrichtung. Sein Tag beginnt mit einem Besuch beim Arzt. Er macht eine Substitutionstherapie und erhält dort sein Substitutionsmittel, ein Medikament, das sowohl gesetz- als auch richtlinienkonform ist. „So habe ich meinen Suchtdruck in den Griff bekommen. Es funktioniert ganz gut.“ Lukas muss keine Drogen mehr nehmen. „Das ist für uns auch die Voraussetzung, dass er hier leben kann“, sagt Eckart. Die Hoffnung, dass Lukas jemals ohne Drogen oder Substitutionsmittel leben kann, hat der 44-Jährige aufgegeben. „Früher habe ich noch daran geglaubt, dass ich davon wegkomme und ein Leben ohne Drogen führen kann. Doch heute weiß ich, dass ich das nicht schaffe.“

Lukas ist realistisch. Zu oft hat er schon einen Rückschlag erlebt. Er will künftig immer die Substitutionsmittel nehmen, um eine Rückfallgefahr so weit es geht zu minimieren. Und im kommenden Jahr, wenn er sich weiter stabilisiert hat, will er sich wieder Arbeit suchen. Er träumt von einem Job, der ihm Spaß macht. Eine Ausbildung konnte er aufgrund seiner Drogensucht nie abschließen. Er würde sich einen Teilzeitjob mit etwa 25 Stunden die Woche wünschen. „Ich leide seit 20 Jahren an Hepatitis. Einen achtstündigen Arbeitstag würde ich gar nicht bewältigen können.“

Weihnachten ist eine schwierige Zeit

In Kaisheim hat er mit dem Schreinern begonnen und kleine Truhen gezimmert. Das hat ihm gefallen und er würde das gerne weitermachen. „Ich würde gerne mit Holz arbeiten, oder auch als Hausmeister. Ich kann gut Sachen reparieren“, sagt er. Vorerst will er sich noch ein wenig Zeit geben, die er auch braucht, um irgendwann wieder alleine in der eigenen Wohnung einen geregelten Tagesablauf überstehen zu können.

Doch zunächst muss Lukas erst einmal die bevorstehenden Feiertage überstehen. „ Weihnachten ist für die meisten Menschen in solchen Einrichtungen eine Krisensituation. Vor den Festtagen werden viele Menschen entlassen. Nicht wenige von ihnen wissen dann gar nicht, wohin sie gehen sollen und kommen zu uns“, sagt Harald Eckart. Lukas wird an Weihnachten seine Mutter besuchen. Sie hat immer hinter ihrem Sohn gestanden und sie telefonieren regelmäßig. Eckart: „Das ist nicht bei jedem so. Die meisten, die in unserer Einrichtung leben, hatten noch nie eine großartige Beziehung zu ihren leiblichen Eltern, bei den anderen ist der Kontakt abgebrochen.“

Lukas will aber auch mit den anderen Mitbewohnern des Bodelschwingh-Hauses Weihnachten feiern. Der Großteil von ihnen wird Heiligabend auf der Augsburger Stadtweihnacht verbringen, der vom SKM Augsburg mit Unterstützung des Fördervereins Wärmestube organisiert wird. Rund 450 Gäste kamen im vergangenen Jahr zur Feier in den Kolpingsaal. Es sind Menschen, die sonst niemanden mehr haben. (*Name geändert)

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11.12.2016

.... jeder ist seines Glückes Schmied

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott

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(Lukas ist dankbar für die geregelte Tagesstruktur, die ihm Halt gibt. Die normalen Verrichtungen des Alltags sind für ihn anstrengend genug. „Am Anfang gibt es viel Papierkram zu erledigen. Während der Zeit in Haft ruht beispielsweise die Krankenversicherung und man muss sich dann wieder freiwillig versichern“, sagt er. Bei all den Behördengängen erhalten die Bewohner Unterstützung von den Mitarbeitern. Es gibt vier Sozialarbeiter und vier Anleiter, die die Männer beschäftigen. „Wir haben im Haus keinen Putzdienst und keinen Koch. Das machen die Männer alles selber“, sagt Eckart...Drogen zerstörten sein Leben: Augsburger will nach Haft Neuanfang )

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„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“

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