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Augsburg

03.07.2019

Durchschnittsalter 41,9 Jahre: Bevölkerung in Augsburg wird jünger

Augsburg wird im Schnitt immer jünger. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe.
Bild: Silvio Wszengrad

In Augsburg entwickelt sich die Bevölkerung nicht nach dem bundesweiten Trend: Sie wird im Schnitt jünger, obwohl es mehr ältere Menschen gibt. Woran das liegt.

Deutschland wird immer älter. Doch die Stadt Augsburg stemmt sich gegen den Trend. Das Durchschnittsalter der Augsburger sinkt seit einigen Jahren. Im Vorjahr lag es bei 41,9 Jahren. Experten gehen davon aus, dass diese Entwicklung vor allem zwei Gründe hat: viele Geburten und ein starkes Bevölkerungswachstum. Zwei Trends, die den städtischen Planern viel Arbeit machen.

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Folgt man den städtischen Statistikern und Sozialplanern, ist das Durchschnittsalter der Augsburger seit 2013 um ein halbes Jahr gesunken. Das ist schon erstaunlich, wenn man eine andere Entwicklung in den Blick nimmt. Denn gleichzeitig leben in der Stadt immer mehr Ältere über 65. Vor allem hochbetagte Menschen über 85 Jahre nehmen zu. Allein diese Bevölkerungsgruppe ist seit 1973 von rund 2000 auf knapp 8000 Menschen angestiegen. Die Prognose bis 2030 ist, dass die Hochbetagten noch einmal um fast die Hälfte zunehmen werden – auf rund 11.500. Sozialreferent Stefan Kiefer sagt: „Die Entwicklung wird weitergehen, denn die Lebenserwartung steigt.“

Warum leben in Augsburg mehr jüngere Menschen?

Woran liegt es, dass in Augsburg trotzdem mehr jüngere Menschen leben? Fachleute der Stadt haben dafür vor allem zwei Erklärungen: Einerseits ist die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren stark gewachsen, weil sehr viele Menschen zugezogen sind. Aktuell steht man kurz davor, die „magische Grenze“ von 300.000 Einwohnern zu reißen. Das könnte noch in diesem Jahr passieren.

Wer umzieht, ist häufig eher jünger. Laut Statistikamt sind die typischen zugezogenen erwachsenen Neubürger unter 40 Jahre alt, leben in einem Haushalt ohne Kinder und sind in der Tendenz Single. Ein Beispiel dafür sind Studenten. Die Universität Augsburg und die Hochschule hatten jahrelang dynamisch wachsende Studierendenzahlen. Mittlerweile sind es rund 26.000 Studenten. Immer mehr wohnen auch in Augsburg. Der neue städtische Strukturatlas weist rund 9700 Studierende mit Wohnsitz in Augsburg aus. Das sind rund 5,4 Prozent mehr als vor drei Jahren. Parallel steigt seit einigen Jahren die Geburtenrate stetig an. Derzeit werden über 3000 Babys pro Jahr geboren, deren Eltern in Augsburg wohnen. Auch dieser gesellschaftliche Trend hin zu mehr Kindern schlägt sich in der Altersstatistik nieder.

Wird Augsburg wieder älter?

Sozialreferent Kiefer geht jedoch davon aus, dass Augsburg in absehbarer Zeit wieder stärker altern wird. Unterm Strich sei die Geburtenrate immer noch niedriger als die Sterberate. Und vor allem wachse auch die Bevölkerung nicht mehr so stark durch Zuzüge. Aus Sicht des Sozialreferenten hängt das auch mit dem angespannten Wohnungsmarkt in Augsburg zusammen. Kiefer: „Die Wohnungsreserve ist aufgebraucht.“

Bei der Stadt beobachtet man die Entwicklungen genau. Dabei zeigt sich, dass die Stadtteile in Augsburg recht unterschiedlich altern. Seit dem Jahr 2000 hat sich zwischen den Bereichen am Augsburger Stadtrand wie Firnhaberau, Inningen und Bergheim und dem Rest der Stadt die Schere weiter geöffnet: Dort, wo die Stadt einem Dorf ähnlich ist, leben besonders viele ältere Menschen, etwa in Siebenbrunn (Durchschnittsalter 48,5 Jahre). Auch im Bereichen mit viel Wohneigentum wie in Haunstetten ist das so. „Die Menschen werden mit ihrem Quartier älter“, sagt Christian Wiedenmann von der Sozialverwaltung. Sie verlassen ihren Eigenbesitz nicht, auch wenn die Kinder größer werden und ausziehen.

Wo es Mietwohnungen gibt, leben mehr junge Menschen

Anders ist der Trend in Stadtteilen mit vielen Mietwohnungen, etwa im Hochfeld, in Oberhausen oder Kriegshaber, aber auch in der Stadtmitte. Dort gibt es mehr jüngere Menschen. Der städtische Strukturatlas 2018 zeigt, dass die Bevölkerung im neu entstandenen Stadtbezirk Göggingen-Ost im Schnitt gerade mal 35,3 Jahre alt ist. Die Erklärung dafür liegt für Wiedenmann auf der Hand: An der Friedrich-Ebert-Straße ist ein großes Neubaugebiet für Familien entstanden. Dort sei die „Verjüngung“ besonders auffällig. Dass sich der Altersschnitt in den Stadtteilen unterscheidet, hat aber auch Ursachen, die schon beim Bau vor 100 Jahren gelegt wurden. Als Augsburg sich flächenmäßig immer weiter ausbreitete, kamen neue Siedlungsgebiete mit Einfamilienhäusern wie der schon immer wohlhabende Spickel oder der Siedler-Stadtteil Firnhaberau hinzu. Der Bärenkeller war in Augsburg eher das Refugium der unteren Mittelschichten und der Arbeiterschaft.

In jedem Fall galt bis vor etwa 15 Jahren: Wer neu bauen wollte, musste an den Stadtrand, weil Industrie und Militär über teils mehr als 100 Jahre auf innerstädtischen Flächen saßen. Mit dem Zusammenbruch der Textilindustrie und dem Ende des Kalten Krieges wurden diese Areale frei. Das hat Folgen für die dortigen Stadtteile: Neubaugebiete ziehen junge Familien an.

Wie viele Kitas braucht Augsburg?

Für Stadtverwaltung und Stadtregierung sind Statistiken eine Grundlage, um für die Zukunft vorzusorgen. Kiefer sagt, „für uns ist wichtig, die Trends und Entwicklungen zu sehen“. Danach werden beispielsweise neue Kitas, Schulen und Jugendhäuser geplant. Allerdings seien die Statistiken alleine nicht ausreichend, um den tatsächlichen Bedarf beispielsweise nach Kinderkrippenplätzen in den verschiedenen Stadtteilen zu ermitteln, sagt er. Dafür seien zusätzlich Elternbefragungen nötig.

Ein anderes Problem sei, auf einen raschen gesellschaftlichen Wandel rechtzeitig zu reagieren. Wenn mehr Babys geboren werden, bleiben Kiefer zufolge nur ein bis zwei Jahre Zeit, um mehr Krippenplätze zu planen, bei zusätzlichen Schulen sei der Zeitraum deutlich länger. Auf den Trend, dass weniger Jugendliche in Vereine gehen, werde die Stadt mit einem größeren Angebot in der offenen Jugendarbeit reagieren, kündigt er an. „Über kurz oder lang werden wir in so gut wie allen Stadtteilen mit Streetwork, Treffs oder Jugendhäusern präsent sein.“

Und was ist mit den Alten? Die aktuelle Zahl von 3100 stationären Pflegeplätzen hält der Sozialreferent für momentan ausreichend. Der Trend gehe dahin, dass mehr Menschen daheim ambulante Pflege wollen. Kiefer: „In diesem Bereich versuchen wir uns mit den Trägern abzustimmen.“

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