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Augsburg

25.04.2019

E-Scooter werden zugelassen: Was rollt da auf Augsburg zu?

In den USA – dieses Bild entstand in Washington – und in einigen europäischen Ländern gehören so genannte E-Scooter längst zum Straßenbild. In Deutschland wird derzeit überlegt, ob diese Gefährte auf deutschen Straßen und Gehwegen zugelassen werden. Auch für die Stadt Augsburg würde das einige Änderungen mit sich bringen.
Bild: Magdalena Tröndle, dpa

Plus Die Bundesregierung will Elektro-Tretroller auf Gehwegen und Straßen zulassen. Doch in Augsburg gibt es Bedenken, dass Fußgänger unter die Räder geraten.

Zwei Räder so groß wie Kuchenteller, ein Trittbrett, einige Metallrohre und ein Elektromotor: Steh-Roller mit Elektroantrieb, so genannte E-Scooter, könnten in diesem Sommer auf deutschen Straßen, Radwegen und auch Gehwegen zugelassen werden. Bisher sind schon vereinzelte Elektroroller unterwegs, allerdings ist deren Nutzung im öffentlichen Raum noch verboten.

Bei der Stadt bereitet man sich bereits darauf vor, dass die Gefährte zugelassen werden: Momentan überlegt etwa der Ordnungsdienst, wie kontrolliert werden soll, dass nur langsame Roller (maximal zwölf Kilometer pro Stunde) auf Gehwegen fahren. Schnellere Gefährte mit einem Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde fahren auf Radwegen und – sofern keiner vorhanden ist – auf der Straße.

In den USA und europäischen Städten wie Paris oder Wien gehören die Scooter inzwischen zum Straßenbild. Für Deutschland feilen Bund und Ländern momentan an abschließenden Regelungen. So ist schon absehbar, dass alle Fahrzeuge ein Versicherungskennzeichen (wie ein Mofa) haben müssen und bestimmte technische Standards (z.B. Beleuchtung) erfüllen müssen.

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Gerade für Pendler können E-Scooter interessant sein

Für Pendler können die Gefährte durchaus nützlich sein. Die „letzte Meile“ zwischen Haustür und Haltestelle oder Bahnhof lässt sich so bequem überbrücken. „Die Scooter können eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln darstellen, um kürzere Distanzen in einem urbanen Umfeld zurückzulegen“, sagt Augsburgs Baureferent Gerd Merkle (CSU). So lasse sich Autoverkehr reduzieren und gleichzeitig Elektromobilität fördern.

Auch beim ADFC Augsburg begrüßt man die bevorstehende Straßenzulassung. „Neue Impulse für die Vermeidung von kurzen Autofahrten sind dringend nötig. Ein Viertel aller Autofahrten gehen um die Ecke, sind also weniger als zwei Kilometer lang. Schon aus Gründen des Klimaschutzes müssen wir diese Entwicklung zurückdrehen“, so Vorsitzender Arne Schäffler. Nötig sei aber, die Infrastruktur für Zweiräder auszubauen. Da habe Augsburg trotz seines Bekenntnisses zur Fahrradstadt Nachholbedarf.

Doch ganz komplikationslos sind die neuen Fahrzeuge nicht: Eine Studie in Los Angeles wies gewisse Verletzungsrisiken für Nutzer und Fußgänger nach, mehrere Städte wie Wien verschärften die Regeln. Der Augsburger Behindertenbeirat ist von der zu erwartenden Zulassung langsamerer Roller auf Gehwegen wenig begeistert. „Die Zulassung von E-Scootern bis zwölf Kilometern pro Stunde auf Gehwegen ist unserer Ansicht nach unverantwortlich und birgt große Unfallgefahren nicht nur für Menschen mit Handicap“, sagt Vorsitzende Claudia Nickl. Für Fußgänger mit starker Sehbehinderung oder Blinde seien schon geteilte Rad- und Fußwege eine Gefahrenzone. Die quasi lautlosen Scooter seien ein Problem.

Auch Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) sagt, dass die Zulassung langsamerer E-Scooter auf Gehwegen „sicherlich ein gewisses Konfliktpotenzial“ birgt. Als Stadt gehe man davon aus, dass dies auch dem Bundesgesetzgeber klar ist und er – sollten Unfallzahlen steigen – gegebenenfalls nachbessere. Gerade in der Anfangszeit würden wohl verstärkt Kontrollen nötig sein, was das Tempo auf Gehwegen betrifft, so Wurm.

Einen Führerschein oder Helm wird man wohl nicht benötigen, um einen Scooter, die es je nach Qualität für mehrere hundert Euro gibt, zu fahren. „Aber man muss schon aufpassen. Die Dinger sind schnell, und ein Schlagloch auf dem Gehweg wird bei der Radgröße zum Problem“, sagt Alfred Sahl, Inhaber des E-Mobilitäts-Händlers Ninebot in Lechhausen. „Für Kinder und junge Leute ist das zu meistern, bei anderen steigt das Risiko eines Sturzes.“

E-Scooter: Das große Geschäft wird es für Händler in Augsburg wohl nicht

Sahl berichtet davon, dass viele Kunden mal einen Scooter probefahren wollen. Das große Geschäft werde es für ihn aber wohl nicht werden. „Als Fachhändler haben wir andere Preise als im Internet“, so Sahl. Wer elektrisch unterwegs sein wolle, solle sich eher Gedanken darüber machen, einen „richtigen“ Straßenroller mit Elektroantrieb zu kaufen, sagt Sahl. „Mit dem Hype um die Scooter geht dieses Angebot gerade ganz unter.“

Wie stark sich die Scooter in Augsburg ausbreiten, wird tatsächlich wohl davon abhängen, ob Unternehmen in den Verleih einsteigen. In Österreichs Hauptstadt Wien etwa sind gleich vier Verleiher am Start (Kosten: ein Euro Grundgebühr pro Verleihvorgang, dann 15 Cent pro Minute). In München steht schon ein Unternehmen in den Startlöchern.

Auch die Augsburger Stadtwerke entwickeln momentan ein Konzept für ein E-Scooter-Verleihsystem als Ergänzung zu den bestehenden Leihrädern. Man sei mit einem Hersteller im Gespräch. „Es gibt aber noch viele offene Fragen“, so Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg. Ein wichtiges Thema sei die Sicherheit. Noch sei unklar, ob die Stadtwerke mit einem stationären Leihsystem an den Start gehen oder die Scooter im „Free Floating“-Modell verleihen. Dabei können die Fahrzeuge nach der Nutzung auf dem Gehweg abgestellt werden und vom nachfolgenden Nutzer via Handy-App geortet und entliehen werden.

„Klar ist aber, dass wir nicht mit einem Schlag tausende solcher Fahrzeuge in der Stadt verteilen werden, sondern das System langsam wachsen lassen wollen“, betont Jürgen Fergg. Einen Zeitplan gibt es noch nicht.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Stefan Krog: Für Fußgänger muss genug Platz bleiben

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25.04.2019

Deutschland ist halt schon auch Weltmeister darin, alles negativ zu sehen und zu reden! Probieren wir die Dinger halt erst mal aus, dann sehen wir weiter. Wenn einige Autofahrer in der Innenstadt ihr Auto dann stehen lassen, ist doch alles gut !

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26.04.2019

Wer weiß wie sich ein Großteil der Deutschen im Verkehr verhält muß kein großer Schwarzseher sein wenn er diese Aktion nicht befürwortet. Shauen Sie mal auf die Fußwege. Neben den dort illegal radelnden Radler kommen noch e-Scooter-Fahrer dazu.
Haben Sie auch mal dran gedacht wenn so 5-10 E-Scooter-Fahrer plötzlich in der Rushhour mal noch schnell Tram, Bus oder auch Zug nützen? Dann wirds sehr eng und unbequem. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen - aber ich glaube da warte ich vergebens.

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25.04.2019

Die häufig wechselnden Fahrbahnoberflächen und stets holperigen Übergänge Fußweg/Straße verspricht den Dingern in der Innenstadt Augsburgs keine große Zukunft. Damit wäre es auch für die großen Verleihketten kein Markt.

Neben dem Erfolgsmodell Touristenstadt/Verleihkette dürfte auch der zu erwartende Bereich "E-Roller statt Fahrrad" an S-Bahn Stationen keine große Rolle in Augsburg spielen. Verkehrsangebot und Diebstahlsrate sind da eher weniger die Treiber.

Schwierig einzuschätzen ist der Bereich "Park+Roll"; nutzt das jemand vom Plärrer zur Innestadt?

Ansonsten ist für Menschen im Umkreis von 3 bis 5 Km um die Innenstadt ein E-Bike mit Korb oder Satteltasche im Alltag sicher der bessere Freund.

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Kommentar

Für Fußgänger muss genug Platz bleiben

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