Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Ehemann erstochen- Christine S. erhält eine Chance

Prozess in Augsburg

22.07.2010

Ehemann erstochen- Christine S. erhält eine Chance

In diesem Haus passierte das Verbrechen. Bild: Wyszengrad

Christine S. hatte ihren Ehemann im Augsburger Herrenbachviertel mit einem Fleischermesser erstochen. Die 40-Jährige wurde jetzt verurteilt und erhält eine Chance. Von Jörg Heinzle

Mit dem Spruch des Schwurgerichts konnten am Ende alle Seiten leben: Christine S. (40) ist am Donnerstag zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatte ihren Ehemann im November in einer Wohnung im Herrenbachviertel mit einem Messerstich in die Brust getötet.

Unter Tränen sagte Christine S. kurz vor dem Urteil, sie bereue die Bluttat "aus tiefstem Herzen". In dem dreitägigen Prozess hatte die 40-Jährige betont, Joachim S. sei ihre große Liebe gewesen. Sie vermisse ihn.

Dennoch: Die Ehe zwischen Christine und Joachim S. sei von Beginn wenig harmonisch gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rothermel. Der Alkohol hätte das Leben beider Partner bestimmt. "Es war absehbar, dass die Sache kein gutes Ende nimmt." Der Psychiater Richard Gruber hatte eine ähnliche Einschätzung abgegeben: "Die Beziehung war darauf gerichtet, dass beide Partner aneinandergeklammert untergehen." Die Eheleute hätten sich gegenseitig gehindert, den Absprung aus der Alkoholsucht zu schaffen.

Ehemann erstochen- Christine S. erhält eine Chance

Entscheidend für die Richter war, dass Christine S. vermutlich im Laufe eines Streits auf ihren Mann eingestochen hat - und ihn nicht hinterrücks angriff. Damit fiel das Mordmerkmal der Heimtücke weg, von dem noch in der Anklageschrift die Rede war. Übrig blieb der Vorwurf des Totschlags. Staatsanwalt Lars Baumann fordert deshalb elfeinhalb Jahre Haft. Das Gericht bewertete aber die langjährige Alkoholsucht der Frau als mildernden Umstand und blieb deshalb im Urteil unter dieser Forderung. Verteidiger Klaus Rödl führte vor allem die schwierige Lebensgeschichte der Frau ins Feld. Als Jugendliche wurde sie vom Stiefvater missbraucht, sie begann früh zu trinken, musste ins Heim. Von ihren späteren Partnern wurde sie oft geschlagen, auch die Beziehung zu Joachim S. war geprägt von Streit und Übergriffen.

Klaus Rödl ist mit dem Urteil zufrieden. "Meine Mandantin hat eine Chance bekommen", sagt er. Sie muss zunächst zwei Jahre ins Gefängnis. Im Anschluss daran soll sie, so will es das Gericht, eine Alkoholtherapie machen. Wenn sie sich bewährt, könnte Christine S. in vier Jahren wieder in Freiheit sein. Jörg Heinzle

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren