Musik

06.06.2016

Eigensinnig

Eine große Stunde des Duo-Spiels erlebten die Besucher des Jazzclubs beim Konzert von Lajos Dudas (rechts) und Philipp van Endert.
Bild: Zwang Eriksson

Ein außergewöhnliches Duo im Jazzclub

Allein die Besetzung des Duos, das am Freitagabend im Jazzclub konzertierte, wies schon ein gewisses Maß an Eigensinn auf. Denn äußerst selten ist das Aufeinandertreffen von Klarinette (Lajos Dudas) und Gitarre (Philipp van Endert) zu erleben.

„Für jeden etwas dabei“ haben wollte der deutsch-ungarische Klarinettist Lajos Dudas und entnahm seinem Repertoireköfferchen eine Menge unterschiedlichster Stücke, die von lyrischen Sphären zum wilden Free Jazz reichten. Im Umkehrschluss aber bedeutete dies, dass er für jeden auch einiges dabei hatte, das nicht ganz so gut gefiel. Ob diese breite Fächerung der stilistischen Auswahl tatsächlich Mittel zum Zweck war, möglichst viele Zuhörer zu erreichen, sei dahingestellt. Schlecht jedenfalls war keine der Darbietungen, nicht einmal Mittelmaß. Es gab eben nur gute und so richtig gute Nummern.

Heimlicher Star des Abends war indes der zweite Mann im Boot. Als One-Man-Jazz-Combo vollbrachte der mit einem großen Arsenal an Effektgeräten ausgestattete Gitarrist Philipp van Endert wahre Wunder: perkussive Begleitung, mit Octaver tiefer gelegte Bass-Riffs und weiche Akkordfolgen zauberte er parallel aus seinem Instrument, legte Solo um Solo aufs Parkett und faszinierte mit einem großen Einfallsreichtum.

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Auch Lajos Dudas war ein Zauberkünstler auf seinem Instrument. Und auch er nutzte den Segen der modernen Technik in Form eines Hallgerätes, das seine Klarinette in verschiedene virtuelle Umgebungen transportierte. Dudas’ Spiel glich einer dynamischen und tonalen Auslotung seines Instrumentes. Eigen war der Stil des Klarinettisten, der seit Mitte der 1970er Jahre zu den führenden Stimmen des europäischen Jazz gehört, gefühlvoll und ausdrucksstark. Seine Kompositionen, die den größten Teil des Abends gestalteten, waren nicht minder ausgefeilt.

Die Meisterschaft des Duos, das seit 1993 miteinander musiziert, zeigte sich am offensichtlichsten in den Interpretationen der wenigen, dafür aber umso bekannteren Standards. Mit „Take Five“ als mondän-schleppendem Slow Funk oder einem fast bis zur Unkenntlichkeit modulierten „All Of Me“ krönten Dudas und van Endert ihr ausgefeiltes Duo-Spiel.

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