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Augsburg

12.05.2019

Eigentlich Gymnasiallehrerin: Wie Nina Kempf ihr Glück an der Mittelschule fand

Nina Kempf in ihrer 9. Klasse in der Kapellenschule in Oberhausen.
Bild: Michael Hochgemuth

Eigentlich ist die 35-Jährige Gymnasiallehrerin. Weil es in ihren Fächern Englisch und Italienisch kaum freie Stellen gibt, wechselte sie die Schulart.

Die Spannung in der 9a der Kapellen-Mittelschule im Augsburger Stadtteil Oberhausen steigt. Nur noch ein paar Wochen, dann beginnen für die 21 Mädchen und Buben die Prüfungen zum qualifizierenden Abschluss. Seit drei Jahren leitet Nina Kempf die Klasse, dem Quali fiebert die 35-Jährige genauso entgegen wie ihre Schüler. Für die aparte, dunkelhaarige Pädagogin sind es die ersten Abschlussprüfungen an der Mittelschule. Denn eigentlich ist sie Gymnasiallehrerin.

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Dass die gebürtige Meitingerin heute in einer Schulart unterrichtet, die in der Öffentlichkeit von manchen als Restschule gebrandmarkt wird, ficht Nina Kempf nicht an. „Die Mittelschule verdient ihren schlechten Ruf nicht“, sagt sie bestimmt. Ob Gymnasium, Realschule oder eben Mittelschule, man habe immer mit jungen Menschen zu tun, die durch die Pubertät müssen.

Nina Kempf verliebte sich in einen Italiener

Wenn man so will, hat ihre eigene Spät-Pubertät einen gewissen Anteil an ihrer beruflichen Laufbahn. Als junges Mädchen verliebte sich Kempf im Urlaub in Italien in den Neapolitaner Beppe. Aus der Ferienromanze entwickelte sich eine intensive Beziehung. „Wir waren fünf Jahre zusammen und ich habe durch ihn Italienisch gelernt.“

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Derart inspiriert, begann sie in München neben Amerikanistik noch Italianistik zu studieren und sattelte dann – ganz Tochter zweier Lehrer – auf Lehramt für Englisch und Italienisch um. „Ich wollte unbedingt die Liebe zu den beiden Sprachen weitergeben.“ Nina Kempf meisterte ihr Studium mit einer 1 vor dem Komma. Doch entgegen der Versprechungen der Dozenten nutzten ihr die guten Noten nichts, da es in dieser Fächerkombination so gut wie keine offenen Stellen gab. „Ich habe gesucht und gesucht und bin dann auf freie Stellen bei der Regierung von Schwaben gestoßen“ – freie Stellen an Grund- und Mittelschulen. Anders als am Gymnasium oder an der Realschule herrscht dort Lehrermangel.

Kempf fackelte nicht lange und begann im Landkreis Dillingen als Lehrerin für Englisch und Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten. Im Jahr drauf verschlug es sie ins Ostallgäu in eine 7. Mittelschulklasse. „Da musste ich fast alles unterrichten, einschließlich Mathe“, sagt sie. Sie sei ins kalte Wasser geworfen worden. Anfänglich war es ihr Wissensdurst, der ihr das Einarbeiten in fremde Materien erleichterte. Plötzlich habe sie Blut geleckt. „Ich habe gemerkt, wie toll es ist, stärker pädagogisch arbeiten zu können und Klassenlehrerin zu sein.“ Als ihr dann ab September 2015 ein Jahresvertrag an der Kapellen-Schule angeboten wurde, nahm ihn die Gymnasiallehrerin an. Die Quereinsteigerin kam gut mit ihren Schülern klar, „auch wenn sie ihre Herausforderungen haben“. Und weil sie sich auch von ihren neuen Kollegen angenommen fühlte, entschied sie sich zum Weitermachen.

Nina Kempf lobt ihre Schüler

Als sogenannte Zweitqualifikantin besuchte Nina Kempf neben dem Unterricht Seminare und weitere Schulungen. „Jetzt bin ich normale, auf Probe verbeamtete Mittelschul-Lehrerin und fest an der Kapellen-Schule angestellt“, sagt die 35-Jährige nicht ohne Stolz. Dass sie hier weniger verdient als am Gymnasium, ist ihr bewusst. Wie viel weniger interessiere sie nicht, denn sie fühle sich in ihrer Klasse wohl und denke auch nicht an die theoretisch mögliche Rückkehr ans Gymnasium. „Ich schaffe es, die Energie meiner Neuntklässler in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Stolz ist Kempf nicht nur auf gute Leistungen, sondern auch auf das Sozialverhalten ihrer Schüler, die aus vielen Ländern stammen. Wenn es ihr einmal nicht so gut gehe, seien sie richtig rücksichtsvoll, lobt sie.

Nur der Italienischunterricht fehlt der Lehrerin

Nur eines fehlt der temperamentvollen Frau, die in diesem Schuljahr an der „Kapelle“ zur Vertrauenslehrerin gewählt wurde: „Ich würde so gerne Italienisch unterrichten.“ Immerhin führt die Abschlussfahrt mit ihrer 9. Klasse an den Gardasee. Da werde es im Vorfeld schon die eine oder andere Lektion geben, kündigt Nina Kempf an. „Meine Schüler wollen ja bella figura machen“, also einen guten Eindruck. Um selbst im Italienischen fit zu bleiben, liest die Lehrerin viel in ihrer Lieblingssprache und besucht Freunde in Italien – auch Beppe.

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