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Augsburg

20.04.2015

Ein Abend, 30 Singles: So läuft die etwas andere Partnersuche

Immer mehr Menschen lernen sich heute online kennen.
Bild: lassedesignen - Fotolia.com

30 Singles trafen sich am Freitag in drei verschiedenen Augsburger Bars. Die "Gruppen-Dates" hatte eine Agentur organisiert. Über eine fast schon altmodische Art des Kennenlernens.

Während der Rest Schwabens sich die Wadeln auf dem Plärrer abfror und beim Thema Partnersuche auf die Wirkung von ultrakurzen Dirndeln und engen Lederhosen setzte, saßen im Annapam am Freitagabend sechs Menschen an einem Tisch und versuchten auf fast altmodische Art, sich näher kennenzulernen: von Angesicht zu Angesicht. „Face to Face Dating“ (F2F) heißt eine Hannoveraner Agentur, die in etwa 30 deutschen Städten Möglichkeiten dazu anbieten will. Seit Oktober 2014 auch in Augsburg.

Das, worauf es im Idealfall hinauslaufen soll, wird erst einmal vermieden: „Keine 1-zu-1-Situation“ wirbt die Homepage und stellt die Vorzüge gegenüber beispielsweise einem Speeddating dar: Keine unangenehmen Gesprächspausen, kein Zwang, sich mit einer bestimmten Person zu unterhalten. Stattdessen Treffen zu sechst in drei verschiedenen Bars für je eineinhalb Stunden. Danach wechselt man pärchenweise zum nächsten Treff. Am Ende gibt es ein Abschlusstreffen mit allen Teilnehmern.

Die Gruppe im Annapam hat das überzeugt. Über Bekannte oder im Internet sind sie auf F2F aufmerksam geworden, wie insgesamt 30 Datingwillige aus dem Augsburger Raum. Karen (alle Namen von der Redaktion geändert) ist schon zum zweiten Mal dabei. Die 43-jährige Bürokauffrau hält es wie die meisten anderen für unwahrscheinlich, über Face to Face die große Liebe zu finden, „aber es ist eine tolle Möglichkeit, nette Menschen kennenzulernen oder auch mal eine neue Bar. Vom letzten Abend sind mir zwei Frauen geblieben, mit denen ich seitdem befreundet bin.“

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Das macht Face to Face so unverfänglich – diese Möglichkeit, einfach nur den Freundeskreis zu erweitern. Und das leichte Kribbeln, dass doch mehr drin sein könnte. Karens von der Agentur zugeteilter Begleiter für den Abend schien jedenfalls prima zu passen: Gunther ist ein lustiger Mensch, offen und fröhlich wie Karen auch. Die beiden haben viel Spaß.

Margit und Rainer sitzen eher still daneben und scheinen noch nicht so genau zu wissen, wie sie die Situation finden. Tamara und Dirk, das dritte Paar, bricht recht früh auf zur nächsten Location in der Rio Bar, um noch etwas aus dem Auto zu holen. Ob das stimmt oder die beiden einfach alleine sein wollen oder es die Exit-Strategie ist, die sich alle zurechtgelegt haben („Wenn es unangenehm wird, gehen wir einfach.“), weiß niemand so genau. Egal, auch für Karen und Gunther geht es weiter nach schräg gegenüber in die Sackpfeife. „Ich bin 82 und im Rat der Weisen“, erklärt Gunther.

Bei Übereinstimmung gibt es ein zweites Date

Wie manch anderer behält er es für sich, dass er hier mitmacht. Die Frauen sind da offener und bequatschen es gerne mit Freundinnen. Uwe, ein 33-jähriger Elektroingenieur, den sie in der Sackpfeife treffen und den die Agentur mit zwei gemeinsam angemeldeten Freundinnen losgeschickt hat, hat in seiner ersten Bar eine Bekannte unter den Teilnehmerinnen entdeckt, was beiden unangenehm und lustig finden. Da sei Augsburg doch ein Dorf, meinen sie. Der 35-jährige IT-ler Daniel hat beim früheren Treffen eine Frau kennengelernt, mit der er noch ab und an schreibt oder telefoniert – für eine reale Beziehung jedoch wohnt die Mindelheimerin ihm zu weit weg.

An dem Abend verlassen sich alle auf ihr Bauchgefühl und wollen möglichst authentisch sein. „Hier läuft es im Gegensatz zu Online-Partnervermittlungen einfach in der richtigen Reihenfolge“, findet Karen. „Erst mal kannst du jemanden anschauen und ein paar Sätze wechseln, dann vielleicht Telefonnummern austauschen oder man mailt sich. Nicht umgekehrt.“ Ob man direkt auf dem Abschlusstreffen Kontaktdaten austauschen oder besser auf die Häkchen am nächsten Tag auf der Homepage der Agentur warten soll, darüber ist die Gruppe geteilter Meinung.

Für die übereinstimmenden Pärchen, also diejenigen, die sich nach dem Treffen gegenseitig ein Häkchen gegeben haben, organisiert die Agentur ein weiteres Date. Gut finden alle, dass keiner sich parallel mit dem Handy beschäftigt, sondern alle mit voller Aufmerksamkeit über Berufe, Hobbies, Urlaube und auch die anderen Teilnehmer reden. Ein Zahnarzt und eine Veganerin haben besondere Aufmerksamkeit erregt. Und Tamara und Dirk aus dem Annapam waren auf dem Abschlusstreffen nicht mehr gesehen – vielleicht eine romantische Erfolgsstory.

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