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Prozess in Augsburg

08.09.2011

Ein Anwalt half der Schrottmafia

Schrott-Container
Bild: AZ

Ein 69-jähriger Prominentenanwalt aus München kümmerte sich um Nobelkarossen und schmuggelte Briefe aus dem Gefängnis.

Im Kampf gegen den Steuerbetrug im internationalen Schrotthandel haben Augsburger Gerichte bereits mehr als 50 Täter verurteilt. Zu ihnen zählt auch ein Staatsanwalt. Jetzt traf es einen Prominentenanwalt aus München. Nun verurteilte die 9. Strafkammer des Landgerichts den Strafverteidiger Nikolaus K. wegen Betrugs, Diebstahls und Beihilfe zum Bankrott zu einer zweijährigen Haft auf Bewährung.

So hatte der Strafverteidiger einem Schrotthändler, der in Untersuchungshaft saß, weil er verdächtigt wurde, eine Million Euro Steuern hinterzogen zu haben, geholfen, Nobelkarossen – einen Mercedes 500 und einen 320 SL – dem Zugriff der Steuerfahnder zu entziehen. Ein Fahrzeug übergab er einem befreundeten Autohändler, mit dem anderen fuhr er in München herum.

Angesichts weiterer schwerwiegender Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hat der 69 Jahre alte Anwalt Glück, nicht selbst ins Gefängnis zu müssen. Richter Rudolf Weigell nannte „tatsächliche und rechtliche Hindernisse“, weshalb das Gericht einige der Anklagepunkte hatte einstellen müssen. Allerdings ist im Urteil festgehalten, dass der 69-Jährige die nächsten fünf Jahre nicht als Rechtsanwalt tätig sein darf. Ein Berufsverbot, das ein anderes Gericht nach einer Verurteilung in den 1980er Jahren schon einmal gegen ihn verhängt hat.

Angeklagter blättert vor Gericht in einer Zeitschrift

 

Der ansonsten recht wortgewaltige Jurist, der seine Anwaltszulassung bereits zurückgegeben hat, gab sich gestern vor Gericht wortkarg. Über Klaus Gussmann, seinen Münchner Verteidiger, legte er ein Geständnis ab. Ansonsten sah man ihn in Verhandlungspausen seelenruhig in einer Illustrierten blättern.

2010 hatten Beamte der Augsburger Kripo, eingesetzt zur Bekämpfung organisierter Kriminalität, begonnen, gegen den Strafverteidiger zu ermitteln, hörten seine Telefonate ab. So kam heraus, dass er aus der Haftanstalt Bayreuth für Gefangene Briefe schmuggelte. In der Anklage wird eine Zahl von 50 genannt. So forderte der in Bayreuth in U-Haft sitzende Schrotthändler seine Lebensgefährtin auf, die Aussagen von Zeugen für den bevorstehenden Prozess abzusprechen. In einem der Briefe gab er seinem Anwalt den Auftrag, eine Richterin unter Druck zu setzen. Zwei Leute sollten ihren Bruder aufsuchen und ihm „gut zureden“. Allerdings wurde nach Kenntnis der Ermittler keiner dieser Aufträge ausgeführt.

Der angeklagte Jurist war zuletzt finanziell offenbar klamm. Wie er zugab, hat er drei Mandanten betrogen. In einem Fall zahlte die Ehefrau eines Untersuchungsgefangenen 5000 Euro an ihn, damit ihr Mann auf Kaution frei käme. Was weder sie noch der Häftling wussten: seine Entlassung stand ohnehin an. Als besonders „dreistes Stück“ bewertete das Gericht, dass der Anwalt sich die Kaution hatte ein zweites Mal geben lassen. Von seinem Mandanten, als er im Dezember 2010 diesen von der JVA abholte. Weihnachten stand vor der Tür.

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