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Augsburg

18.02.2019

Ein Augsburger bewertet tausende Lokale und Geschäfte fürs Internet

Michael Z. arbeitet in Augsburg. Wenn er essen geht oder in Geschäften einkauft, gibt er danach oft in einem Online-Bewertungsportal seine Einschätzung ab.
Bild: Silvio Wyszengrad

Michael Z. schreibt auf dem Bewertungsportal yelp.com über seine persönlichen Erfahrungen, die er in Geschäften und Restaurants sammelt. Was er schon erlebt hat.

Seit über neun Jahren schreiben Sie als Augsburger für das Internet-Empfehlungsportal www.yelp.com Bewertungen über Restaurants, Cafés, Geschäfte und Co. Sie sind also streitbar. Warum wollen Sie im Interview dann nicht ihren kompletten Namen genannt haben?

Michael Z.: Ich möchte nicht wegen meinen Meinungen zu Geschäften oder Restaurants im Netz bekannt werden. Ein Restaurantbesitzer etwa weiß auch nicht, wer ich bin, wenn ich bei ihm esse und hinterher für Yelp bewerte. Ich will ein normales Kundenerlebnis bekommen und keine VIP-Behandlung. Außerdem will ich im Internet wegen meines richtigen Berufes gefunden werden und nicht als Gastrobewerter.

Wie viele Bewertungen haben Sie bislang auf dem Portal verfasst?

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Michael Z.: Ich habe nachgesehen. Auf den Tag genau sind es 3670 Beiträge und 41.624 Fotos und Videos, die ich auf Yelp gepostet habe. Darunter sind allein 449 Beiträge zu Augsburg. Das schockt mich.

Warum?

Michael Z.: Weil ich es selbst nicht gedacht hätte, hier in Augsburg schon so viel bewertet zu haben.

Was war da alles dabei?

Michael Z.: Restaurants, Buchhandlungen, Supermärkte, Krankenhäuser, der Zoo, der Botanische Garten und sogar die Augsburger Panther.

Wie bewertet man denn eine Sportmannschaft für ein Empfehlungsportal?

Michael Z.: Beim AEV habe ich unter anderem geschrieben, dass das kein Club für Erfolgsfans ist, sondern ein Verein mit langer Tradition, bei dem es mal bergauf, mal bergab gehen kann. Außerdem bekamen die Panther vier Sterne.

Was bedeuten diese Sterne, die neben den Bewertungen verteilt werden?

Michael Z.: Maximal kann man fünf Sterne verleihen. Das ist die bestmögliche Bewertung. Ein Stern hingegen sagt aus, dass sich ein Besuch nicht lohnt. Ich verteile selten alle Sterne. Fünf hebe ich mir für richtige Wow-Erlebnisse auf. Ich bin aber auch kein Hassbewerter, der gerne nur einen Stern verleiht. Ich schreibe möglichst ausgewogen.

Es heißt, Sie sind der aktivste Yelp-Nutzer Deutschlands. Stimmt das?

Michael Z.: Das kann ich nicht beurteilen. Aber schon vor ein paar Jahren lag ich in Deutschland sehr weit vorne. Ich schreibe nicht jeden Tag. Es kann aber sein, dass ich an einem Wochenende zehn Bewertungen auf einmal verfasse. Auf alle Fälle poste ich seit Jahren jeden Tag in der Regel einen Beitrag auf Yelp.

Sie sammeln also manchmal Ihre Besuchserlebnisse und veröffentlichen sie nicht sofort auf yelp.com?

Michael Z.: Genau. Meist ist es besser, mindestens eine Nacht darüber zu schlafen, damit sich Eindrücke verfestigen können. Es gibt natürlich auch Phasen, in denen ich Schreibblockaden habe, und Phasen, in denen es nur so flutscht. Sie kennen das bestimmt auch.

Sie haben einen anspruchsvollen Beruf, den Sie ebenfalls nicht verraten wollen. Wie kommt man dazu, nebenbei auf einem Bewertungsportal aktiv zu sein?

Michael Z.: Ich bin durch einen Freund dazugestoßen. Es macht mir großen Spaß. Mir geht es nicht darum, irgendeine Macht auszuüben. Ich bin viel in deutschen Städten unterwegs und profitiere auf meinen Reisen selber von Empfehlungen im Netz. Die Eindrücke und Erfahrungen will ich auch mit anderen teilen.

Können Sie sich noch in ein Lokal setzen und den Aufenthalt genießen, ohne gleich in den Kategorien Aufenthaltsqualität, Essen, Service und Preis-Leistungs-Verhältnis zu denken?

Michael Z. (überlegt): Gute Frage. Darüber habe ich mir tatsächlich noch keine Gedanken gemacht. Ich müsste mal bewusst darauf achten.

Sind Freunde und Familie genervt, wenn Sie ständig und überall Fotos machen, um sie ins Internet zu stellen?

Michael Z.: Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, fotografiere ich weniger. Davon abgesehen haben sich alle daran gewöhnt. Wie auch meine Mutter. Die Zeiten, in denen sie sagte, du hast doch nicht etwa dein Essen fotografiert und ich es in dem Moment schon längst bei Yelp hochgeladen habe, sind vorbei.

Haben Sie ein Geschäft oder Lokal schon mal in den Abgrund bewertet?

Michael Z.: Dafür ist Yelp vermutlich nicht bedeutsam genug. Schlechte Google-Rezensionen bereiten Geschäften eher Probleme. Und wie gesagt, ich schreibe möglichst ausgewogen. Allerdings habe ich vor Jahren einmal in Augsburg eine negative Erfahrung gemacht.

Was war passiert?

Michael Z.: Es ging um eine Gaststätte mit einem Hinterzimmer. Der Wirt wechselte und der neue hatte eine miesepetrige Art. Zudem war die Bedienung völlig untalentiert. Nachdem ich meinen Beitrag veröffentlicht hatte, haben wir für unseren Stammtisch das Hinterzimmer nicht mehr bekommen.

Man kennt Sie also doch als Bewerter in Augsburg?

Michael Z.: Nein. Aber in Augsburg gibt es kaum aktive Bewerter. Und manche Ladeninhaber behalten Yelp im Blick und können vielleicht ihre Schlüsse ziehen. Wie auch die Betreiberin eines Friseurgeschäfts.

Erzählen Sie ...

Michael Z.: Ich musste mal meinen Friseur wechseln und schrieb etwas über den neuen. Beim nächsten Besuch fragte mich die Chefin direkt, ob ich das war. Da stehe ich dann natürlich dazu. (Er grinst) Zumal die Bewertung gut ausgefallen war.

Geht Ihnen denn nie der Stoff aus?

Michael Z.: Ich liebe Städtereisen und bin viel unterwegs. Vergangenes Wochenende erst war ich in Salzburg. Dabei sind acht neue Beiträge für Yelp herausgesprungen. Ich finde immer irgendwas.

"Wenn ich mal keine Lust mehr haben sollte, höre ich auf"

Haben Sie da eine Art Sucht entwickelt?

Michael Z.: Nein. Wenn ich mal keine Lust mehr haben sollte, höre ich auf. Vor einem Jahr war ich mal fast so weit. Da wurde ein Beitrag von mir über ein Café in Hamburg als unzutreffend gemeldet. Mir wurde vorgeworfen, über das falsche Geschäft geschrieben zu haben. Selbstverständlich war ich als Gast vor Ort. Ich war stinksauer. Aber ich lasse mir meine Freude nicht nehmen.

Es gibt zig Bewertungsportale oder -möglichkeiten im Internet. Aber man kann nicht jeden Bewertungen blind vertrauen ...

Michael Z.: Bewertungen sind Fluch und Segen zugleich. Man findet auch fragliche Bewertungen, die eventuell von Konkurrenten gestreut wurden. Man muss als Nutzer schon mitdenken. Wenn etwa ein Geschäft neu eröffnet hat und es gibt sofort 100 positive Bewertungen, sollte man misstrauisch werden. Es ist ja bekannt, dass man Bewertungen kaufen kann.

Was haben Sie hier in Augsburg als Nächstes im Visier?

Michael Z.: Diesen neu eröffneten Laden in der Annastraße, über den ich schon so viel aus anderen Städten gelesen habe.

Søstrene Grene?

Michael Z.: Genau. Es ist reizvoll, in neu eröffnete Geschäfte zu schauen. Vielleicht finde ich auch etwas Hübsches für daheim.

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14.03.2019

Ich habe mich soeben auf die Suche gemacht und bin erstaunt, wie viele Anbieter es schon gibt.

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