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Augsburg

05.07.2015

Ein Detektiv packt aus: "Es ist wie im Film"

Das Bundesarbeitsgericht meint: Nur wenn der konkrete Verdacht einer schweren Pflichtverletzung besteht, dürfen Arbeitgeber einen Detektiv anheuern. Foto: Sebastian Kahnert
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Als Detektiv observiert Tamer Bakiner oft Menschen - und weiß vorher oft nicht, wohin die Reise geht.
Bild: Symbolbild, Sebastian Kahnert (dpa)

Tamer Bakiner arbeitet seit 20 Jahren als Detektiv. Er hat einen Skandal aufgedeckt und untreue Ehepartner entlarvt. Nun hat er ein Buch geschrieben, das sein Leben verändern wird.

Tamer Bakiner wirkt hellwach, das weiße Hemd sitzt akkurat, Muskeln zeichnen sich darunter ab. Tamer Bakiner ist Detektiv. Vor 20 Jahren hat er in Augsburg angefangen, seine Detektei hat noch immer hier ihren Sitz. Benedikt Lux, ein bekannter Anwalt, hatte Vertrauen in den jungen Ermittler und gab ihm die ersten Fälle. Inzwischen, sagt er, ist er vor allem als Wirtschaftsermittler gut im Geschäft. Für Dax-Konzerne hat er gearbeitet, erzählt er, auch für reiche Privatkunden.

Tamer Bakiner ist auch privat vorsichtig: Folgt ihm ein Auto? 

In Bakiners Branche macht man sich nicht nur Freunde. Deshalb achtet er nicht nur bei seinen Fällen genau darauf, was um ihn herum geschieht. Auch im Privatleben ist er wachsam: Verfolgt ihn ein Auto? Will ihn jemand vom Nebentisch belauschen? „Ich bin immer Detektiv“, sagt Tamer Bakiner, „das legt man im Privaten nicht einfach ab.“ Ohnehin sei das so eine Sache mit dem Privatleben. Er hat noch keine Familie gegründet. In seinem Beruf muss er mitunter von einer Minute auf die andere wegfahren. Observiert er einen Verdächtigen, weiß er vorher oft nicht, wohin die Reise geht und wie lange sie dauert.

Vor acht Jahren etwa beobachtete er wochenlang Müllgruben, Lastwagen und Müllmanager in Sachsen-Anhalt. Stundenlang lag er im Dreck. Es war bitterkalt, der Gestank auf den Müllkippen bestialisch. Der harte Einsatz hat sich gelohnt. Er deckte einen Müllskandal auf, der noch immer Justiz und Politik beschäftigt. Rund 900000 Tonnen Abfall wurden in Tongruben kostengünstig deponiert, anstatt ihn, wie vorgesehen, zu verbrennen. Noch immer ist unklar, ob der Abfall dort eingelagert werden durfte. In den Fall sind auch Behörden involviert, die Genehmigungen erteilt haben. Bakiner recherchierte damals im Auftrag eines Energiekonzerns, dessen Manager sich fragten, warum ihre Verbrennungsanlagen nicht mehr ausgelastet sind. Die Sache mit dem Müll ging bundesweit durch die Medien. Bakiners Name wurde dadurch bekannt.

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Lange arbeitete er verdeckt, jetzt gibt er sich zu erkennen: Tamer Bakiner aus Augsburg hat ein Buch über seine Arbeit als Detektiv geschrieben.
Bild: Silvio Wyszengrad
Scheich oder Immobilienmakler: Er schlüpft in unterschiedliche Rollen

Als Detektiv nimmt Tamer Bakiner unterschiedliche Rollen an. Er tritt als Immobilienmakler auf, um in der Nachbarschaft etwas über einen Anlagebetrüger herauszufinden, der sich mit einer Geliebten nach Asien abgesetzt hat. Er verkleidet sich als Scheich, um einem Mann auf die Spur zu kommen, der Firmeninterna verkauft. „Es ist wie im Film“, sagt er, „man muss sich seine Figur genau ausdenken.“

Der Detektiv muss selbst lügen, um Betrüger überführen zu können. Er muss sich aber auch der Wahrheit verpflichtet fühlen. Einem verheirateten Ehemann musste Bakiner sagen, dass sich seine Frau im Swingerclub vergnügt. Ist es nicht schlimm, damit eine Ehe zu zerstören? „Natürlich ist das nicht angenehm“, sagt er. „Aber ich habe einen Auftrag – und den habe ich auszuführen.“ Eine Waffe trägt Tamer Bakiner nicht. Er darf auch nicht einfach in Häuser einsteigen, um an brisante Dokumente zu kommen. Er hat als Detektiv keine Sonderrechte. Für ihn gelten die selben Gesetze wie für jeden Bürger.

Der Detektiv hat schon Drohungen bekommen

Nach 20 Jahren, in denen er auch schon einige Drohungen erhielt, will er sich nun aus der ersten Reihe zurückziehen. Er hat – nach einem Fall, der ihn an seine Grenzen geführt hat – ein Buch geschrieben. Darin erzählt er seine spannendsten Fälle. Er gibt Tipps, wie man vorsichtig mit persönlichen Informationen umgeht und sich vor Betrügern schützen kann. Durch das Buch ist sein Gesicht jetzt bekannt, für verdeckte Ermittlungen kommt er damit eigentlich nicht mehr in Frage. Doch das stört ihn nicht.

Tamer Bakiner will jetzt stärker als Berater tätig sein, etwa für Firmen. Und er denkt daran, Vorträge zu halten. Kann er, nachdem er so viel über die Abgründe des Lebens gelernt hat, überhaupt noch an das Gute im Menschen glauben? „Ich bin misstrauisch geworden“, sagt er nachdenklich. „Aber ich bin immer noch überzeugt, dass es auch wirklich gute Menschen gibt.“

Das Buch:Tamer Bakiner: „Der Wahrheitsjäger“ erscheint im Ariston-Verlag und kostet 16,99 Euro.

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