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Interview

29.04.2015

Ein Idiot auf der Erfolgsspur

Stevan Zecevic (Alexander Darkow) ist ein psychopathischer Gangster und Geschäftsmann.
Bild: Nik Schölzel, Theater Augsburg

Pulp Fiction in Bayern – so bewirbt das Theater Augsburg die Uraufführung von Marijana Verhoefs „Playboy“. Die Autorin erzählt, welche Vorbilder in das Stück eingeflossen sind

Haben Sie das Stück „Playboy“, das morgen in Augsburg uraufgeführt wird, als Auftragsarbeit geschrieben?

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Das war schon fertig.

Und man hat Sie angesprochen, ob es in Augsburg inszeniert werden kann?

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Nein, das war Zufall. Meine Agentur Henschel-Schauspiel hat einfach einen guten Job gemacht.

Worum geht es in „Playboy“?

Für mich ist „Playboy“ ein Stück, in dem ich aufzuzeigen versuche, wie sich Soziopathen in die Gesellschaft integrieren. Der „Playboy“ ist ein Soziopath. Und dann geht es im Stück auch darum, wie wir als Gesellschaft Erfolg sehen. Das spielt heute eine riesige Rolle. Im Fernsehen ist der Erfolg immer nur einen Schnitt entfernt. Wir sehen ständig, dass Erfolg morgen erreicht werden kann.

Warum haben Sie einen Soziopathen in den Mittelpunkt Ihres Stücks gerückt?

Ich habe so viele Soziopathen kennengelernt, und ich habe sie unglaublich interessant gefunden.

In Ihrem Stück ist der Playboy der Soziopath?

Der Playboy ist ziemlich nervig. Er ist nicht charmant. Er ist das Böse, aber er ist nicht verlockend. Der Playboy ist ein intellektueller Idiot. Deswegen war er so spannend für mich. Er hat die Macht, aber er bekommt einen Rivalen... Ich habe das geschrieben, weil ich darin meine eigene Frustration, die ich aus Jugoslawien nach Deutschland mitgenommen habe, verarbeitet habe.

Es gibt ein reales Vorbild für den Playboy?

Es gibt mehrere Vorbilder für den Charakter des Playboys. Eines war ein Professor von mir, der das Drehbuch-Schreiben unterrichtete. Ihm war völlig gleichgültig, wie er mit seinen Studenten umgeht. Er hat seine Autorität ständig verbal missbraucht, um seine eigene Frustration zu kanalisieren. Einmal habe ich ihn gefragt, ob er aufhören könnte, im Klassenzimmer zu rauchen. Wir waren eine ziemlich kleine Gruppe. Nur zu sechst. Okay, man kann rauchen, aber man muss auch das Fenster aufmachen.

Aber?

Durchzug, so heißt das doch, Durchzug ist Serbiens Feind Nummer eins. Und ich habe ihn gefragt, ob das für ihn okay wäre. Das war so eine doofe Frage. Er hat mich 45 Minuten lang verbal geprügelt, im Sinne von: Bin ich sexuell frustriert, ob ich überhaupt Blowjobs gebe, lauter so Sachen. Er war sehr sexuell konnotiert und er hat mich verbal vergewaltigt. Das Schlimmste dabei war, dass die anderen Studenten im Klassenzimmer sich alle dazu Zigaretten angezündet haben.

Es ist ein Stück, in dem es auch um Ihren Dramaturgie-Lehrer geht, aber nicht um die Nachfolge-Republiken in Jugoslawien?

Es gibt im Stück eine universelle Ebene. Und das passt schon, wenn das Theater Augsburg das Stück als Pulp Fiction in Bayern ankündigt. Das finde ich eine ziemlich gute Beschreibung.

Wir telefonieren gerade über Skype, weil Sie in Warschau sind. Was machen Sie dort gerade so kurz vor der Uraufführung in Augsburg?

Ich führe hier gerade das erste Mal Regie für einen Film. Sehr spannend. Diese Sache hatte ich so gar nicht geplant. Das hat sich aus Zufall entwickelt. Wir haben hier über ein Förderprogramm die Möglichkeit bekommen, eine eigene Film-Handschrift zu entwickeln.

Interview: Richard Mayr

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