Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Ein Ketzer und Europäer

04.06.2009

Ein Ketzer und Europäer

Vor allem das slowenische Publikum hat an ihm Interesse. Primoz Trubar, über den Pfarrer Zvone Strubelj aus Stuttgart im Augustana-Forum referierte, schuf mit seinem Alphabetbuch und seiner Bibelübersetzung erst die slowenische Schriftsprache.

Strubeljs kenntnisreiche und liebevolle biografische Skizze wies auch den Weg zur Integration des "Ketzers". Im kommunistischen Jugoslawien wurde er auf den Sprachreformer reduziert, von der katholischen Kirche lange als Häretiker verfemt, von der evangelischen Minderheit als Glaubensheld überhöht.

1508 bei Ljubljana/Laibach geboren, wurde Trubar nach humanistischer Ausbildung und Studium in Wien mit gerade 22 Jahren in Triest zum Priester geweiht. Er widmete sich der Lektüre reformatorischer Schriften, aber eigene Reformbemühungen hatten keinen Erfolg. Er fand Exil in Franken und Schwaben. Ab 1548 wirkt er als evangelischer Pfarrer in Rothenburg ob der Tauber, in Kempten, Lauffen am Neckar und schließlich in Derendingen bei Tübingen. Eine Rückkehr nach Slowenien und der Versuch, im Auftrag der dortigen Landstände eine reformierte Kirche aufzubauen, musste 1564 auf Druck von Erzherzog Karl II. abgebrochen werden.

So wurde die Herstellung evangelischer Schriften für seine slowenischen Landsleute zu seiner Lebensaufgabe. 1550 erschien als erste slowenische Druckschrift überhaupt sein "Catechismus in der Windischen Sprach". 1555 wurde das slowenische Matthäus-Evangelium gedruckt und bis 1560 das gesamte Neue Testament.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Trubar entwarf einen weiten Horizont. Durch Kontakte auf dem Balkan und serbisch-orthodoxe Mitarbeiter bei der Bibelübersetzung hatte er direkte Informationen über die Lage in den türkisch besetzten Regionen. 1567 reiste er heimlich nach Lubljana und führte dort Gespräche mit kriegsgefangenen türkischen Imamen. Er sammelte Informationen über den Islam, plante evangelistische Schriften in türkischer Sprache und suchte nach nicht-militärischen Lösungen des Konflikts mit den Osmanen.

"So wurde Trubar zu einem Europäer der ersten Stunde", meinte Strubelj. Zur heutigen Aktualität Trubars bemerkte der Referent lächelnd, seit die slowenische Ein-Euro-Münze dessen Porträt trage, könne man mit einem "Ketzer" im Vatikan Souvenirs einkaufen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren