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Augsburg

03.07.2018

Ein Kirchturm schwebt herbei

Obwohl aus Holz, ist der Glockenturm, der jetzt neben der Apostelin-Junia-Kirche aufgestellt wurde, immerhin 20 Tonnen schwer.
Bild: Annette Zoepf

Nach sechs Jahren ist das Ensemble der alt-katholischen Apostelin-Junia-Kirche nun komplett.

Auf einmal hing er in der Luft. Waagrecht, von der Lastwagenfläche ein Stück emporgehoben, rechts und links gehalten von den Haken und Ketten zweier Kräne. Da war ein seltenes Schauspiel zu sehen: Ein vorgefertigter Kirchturm samt seiner vier Glocken wurde als Ganzes angeliefert und binnen weniger Stunden an seinen künftigen Platz gestellt.

Da steht er nun, neben der Apostelin-Junia-Kirche, der Kirche der Alt-Katholischen Gemeinde Augsburg, im Herzen des Sheridan-Parks. 18 Meter hoch ist der neue Kirchturm, 20 Tonnen schwer, eine massive Brettsperrholz-Konstruktion, verkleidet mit Lärchenholz. Entworfen hat ihn – wie auch schon die im Jahr 2012 eingeweihte Kirche – der Architekt Frank Lattke. Gefertigt und vormontiert hat ihn die Firma Gumpp & Maier in Binswangen.

Mit dem neuen Glockenturm – Gesamtkosten 175000 Euro – hat sich die alt-katholische Gemeinde einen großen Wunsch erfüllt. Nachdem der Kirchenneubau vor sechs Jahren abgeschlossen war, ist nun das ganze Ensemble vollendet. „Es ist großartig!“, freut sich Pfarrerin Alexandra Caspari. „Mit unserem Kirchturm haben wir nun ein sichtbares und hörbares Zeichen“, sagt sie.

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Mit dem Grundton d

Die vier Glocken im Turm würden mit ihrem Klang und auch ihren Namen dazu einladen, „dass die Menschen sich hineinschwingen in die christliche Botschaft“, so Caspari. Eine der Glocken, die mit dem Grundton d, trägt den Namen Mitgefühl, eine zweite, mit dem Grundton g, wird Liebe genannt. Eine dritte, auf e gestimmte Glocke heißt Frieden. Die vierte und größte der Glocken – 420 Kilo schwer und 80 Zentimeter Durchmesser, gestimmt auf h – trägt den Namen Dankbarkeit.

18 Meter hoch und 20 Tonnen schwer ist der Glockenturm, der vor der altkatholischen Kirche am Grasiger Weg in Pfersee aufgestellt wurde.

Die Namen Mitgefühl, Liebe und Frieden sind an das Lied „Via cordis“ des Komponisten Helge Burggrabe angelehnt, das bei der Glockenweihe gesungen wird. Sie findet am Sonntag, 15. Juli, im Rahmen eines Festgottesdienstes mit Bischof Matthias Ring statt.

Staunend verfolgen die Umstehenden an diesem Morgen, wie der Turm mittels der beiden Kräne behutsam gekippt und nach und nach in die Senkrechte gebracht wird. Dann wird er ein paar Meter hinübergehoben über eine schon vorbereitete Plattform aus Beton mit Stahlröhren, in die er hineingesenkt wird. Die Fachleute arbeiten Hand in Hand, millimetergenau.

Durch Mark und Bein

Als der Turm vorerst noch auf Holzsockeln steht, darf Pfarrerin Caspari an einem provisorischen Glockenseil ziehen. Zum ersten Mal erklingt die größte Glocke. Alles hält den Atem an, blickt hinauf, wo der Turm – sicher an Ketten und Haken – zu schwingen beginnt. „Das ging wirklich durch Mark und Bein“, berichtet die Pfarrerin nachher über den Klang. Und dass sie schon ein bisschen erschrocken sei, als es „am Sockel ein bisschen geknackt hat“. Bevor der Turm endgültig auf den letzten Abschnitt der Plattform gesetzt wird, wird betoniert. Noch einige weitere Arbeiten, dann steht er fest und kann von den Ketten abgehängt werden.

Wer den Blick wendet, dem fallen auch andere Kirchtürme im Stadtbild auf. „Die Kirchtürme reden miteinander, stehen miteinander in Beziehung“, sagt Architekt Lattke. Bei seinen Planungen für den Kirchturm hat er sich orientiert am Typ des Campanile, einem frei stehenden Glockenturm. An seinem neuen Platz, in der Mitte des Parks und an der Ecke hin zum Grasigen Weg, setze er nun auch einen städtebaulichen Akzent.

Der letzte Akt in diesem Schauspiel ist die Befestigung des Kreuzes. Schreinermeister Hermann Schmid wird in einem Korb hinaufgezogen und befestigt das schlichte schwarze Stahlkreuz. Jetzt sieht man von Weitem, dass es eine Kirche ist.

Termin Die alt-katholische Gemeinde feiert ihren Festgottesdienst mit Glockenweihe am Sonntag, 15. Juli, 10 Uhr, in der Apostelin-Junia-Kirche. Es schließt sich ein Sommerfest an – mit Kirchenführungen unter Leitung von Architekt Frank Lattke.

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