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Film

24.03.2017

Ein Mensch, wie ihn sich das Kino erträumt

Der Taxifahrer und sein Dienstwagen im Jahr 1995: Augusto Macedo und sein Oldsmobile. Verewigt wurde Macedo im Film „Taxi Lisboa“.
Bild: Wolf Gaudlitz

Augusto Macedo war der älteste Taxifahrer von Lissabon. Sein Dienstauto: ein Oldtimer. Wolf Gaudlitz hat ihm mit „Taxi Lisboa“ ein Denkmal gesetzt. Nach 20 Jahren findet der Streifen wieder seinen Weg in die Lichtspielhäuser

Man stelle sich diesen Taxifahrer einmal vor: mehr als 90 Jahre alt, immer noch Tag für Tag im Dienst. Sein Taxi ist nicht irgendein aktuelles Automodell, sondern ein Oldtimer, Baujahr 1928. Das klingt wie eine Figur aus einem modernen Märchen oder Film. Den Taxifahrer gab es aber wirklich, er arbeitete in Lissabon, lebte von 1902 bis 1997 und hieß Augusto Macedo. Ihn traf 1994 der Filmemacher Wolf Gaudlitz. Und er erkannte sofort, dass er einen außergewöhnlichen Menschen vor sich hatte, einen, der ins Kino gehört, einen, dem er ein Denkmal setzen muss.

Zwei Jahre später lief der Film „Taxi Lisboa“ in den deutschen Programmkinos an und fand von dort seinen Weg in über 20 Länder. So märchenhaft die Hauptfigur, dieser Taxifahrer, erscheint, so rätselhaft und reizvoll ist der Film. In ihm heben sich die Genregrenzen auf. Auf der einen Seite ließ Gaudlitz den Taxifahrer Augusto Macedo durch Lissabon fahren – hier klassische Dokumentation –, auf der anderen Seite wirkten Schauspieler mit, spielte Gaudlitz mit der Wirklichkeit und ließ Macedo im Film sagen, dass er schon Picasso und Pessoa durch die Straßen Lissabons gefahren habe. Man glaubt es dem Film sofort, aber es stimmt nicht, weil es hinzuerfunden ist.

Entstanden ist dieser Film damals, wie es üblich war: auf analogem Filmmaterial, ein Material, das heute in kaum einem Kino noch gezeigt werden kann, weil die digitale Revolution mittlerweile nicht nur die großen Multiplex, sondern auch die kleinen Programmkinos erreicht hat. Genau da beginnt das zweite Leben des Films. Die deutsche Filmförderungsanstalt hat Fördergelder bewilligt, um „Taxi Lisboa“ zu digitalisieren und damit als deutsches Filmerbe zu erhalten. Gaudlitz hat die Gelegenheit genutzt, den Film noch einmal in die Programmkinos zu bringen. Die zweite Premiere fand unter anderem im Theatiner Filmkunst in München statt. Und nun ist „Taxi Lisboa“ auch im Augsburger Liliom Kino angelaufen.

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Von seinem Reiz und seiner Verführungskraft hat der Film auch 20 Jahre nach seinem Entstehen nichts eingebüßt. Neben dem Taxifahrer ist als zweite Attraktion Lissabon wunderbar in Szene gesetzt, nicht nur mit touristischen Glanzpunkten, sondern vor allem mit seinen Straßen und Menschen. Die assoziativ verknüpften Handlungsstränge, die junge Frau, die dem Taxifahrer immer erzählt, beim Fahren ihrem Traummann zu begegnen, der Italiener, der ein Schnellrestaurant eröffnen möchte, die Touristenführerin, die Gaukler, fordern einen mitdenkenden Zuschauer und eröffnen ihm gleichzeitig neue Räume des Sehens.

läuft im Liliom Kino. Der Filmemacher Wolf Gaudlitz präsentiert den Film am Sonntag, 26. März, um 18 Uhr. Im Vorprogramm zeigt er seinen Kurzfilm „Amarcord“ über den Künstler Milan Mihajlovic

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