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 Projekt

06.02.2014

Ein Ökodorf für die Großstadt

Ann-Kathrin Glania, Roswitha Kugelmann und Silvio Heidbüchel (von links) gehören zu den Initiatoren des geplanten Ökodorfes. Vor ihnen steht ein Hausentwurf von Regina Köppe.
Bild: Silvio Wyszengrad

für gemeinschaftliches Wohnen soll 200 Menschen ein Zuhause geben. Die größte Hürde bei der Realisierung ist der Grundstückserwerb

Roswitha Kugelmann und ihre Mitstreiter haben Großes vor: Sie wollen ein barrierefreies Dorf errichten, das sich selbst weitgehend unabhängig versorgt und 200 Menschen günstigen Wohnraum bietet. Etwa zehn Hektar Land werden sie brauchen, um ihre Vorstellungen zu realisieren, sagt Kugelmann. Sie hat Erfahrung damit, Dinge aus dem Nichts aufzubauen. Vor vierzehn Jahren gründete sie das Sozialkaufhaus Contact, das heute 60 Mitarbeiter hat. Vergangenes Jahr erhielt sie für ihr Engagement die Bayerische Verdienstmedaille.

„Ich habe mir vor zwei Jahren die Frage gestellt, wie ich im Alter leben will. Die Antwort war: Am liebsten in einer lebendigen Umgebung, wie ich sie hier im Sozialkaufhaus auch vorfinde.“ Die ersten Schritte auf dem Weg zum eigenen Dorf hat sie mit acht Gleichgesinnten getan. So wurde der Verein „Contact-Dorf“ gegründet.

Wie viele Mitglieder der Verein habe, sei zweitrangig, so Kugelmann. Entscheidender sei, dass sich Leute aktiv einbringen. Um ein funktionierendes Dorfleben zu organisieren, seien 200 bis 300 Leute nötig, glaubt die Initiatorin, wobei nicht alle zwingend auch im Dorf leben müssen. „Wir wollen einfacher und besser leben, ohne beim Standard ins Mittelalter zurückzufallen“, betont Kugelmann. Entscheidungen sollen durch eine einfache Mehrheit der Bewohner gefällt werden, um Endlosdiskussionen zu vermeiden.

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Sozialreferent Max Weinkamm nahm sich drei Stunden Zeit, um sich über das Vorhaben zu informieren. Er vermittelte auch den Kontakt zu Cornelia Kollmer, Chefin der Stadtsparkasse. „Mit ihr haben wir über die besten Finanzierungswege geredet. Wir werden eine Stiftung gründen unter dem Dach von Haus der Stifter, der Stiftergemeinschaft der Stadtsparkasse“, sagt Ann-Kathrin Glania. Die Jura-Studentin kam über den Careerservice der Universität zum Sozialkaufhaus und leistete hier ein Semester lang 40 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Das nötige Startkapital von 25000 Euro für die Stiftung soll in den kommenden vier Wochen aufgetrieben werden, sagt sie.

Ehrenamtlich engagiert sich auch Silvio Heidbüchel. Er ist sich sicher, dass es ein großes Interesse an dem Projekt gibt. „Die Leute werden uns die Bude einrennen.“ Bis es so weit ist, müssen aber noch einige Hürden genommen werden. Die höchste Hürde ist laut Kugelmann, ein geeignetes Grundstück zu finden und bezahlen zu können. „Wir wollen am liebsten in der Nähe des Sozialkaufhauses in Haunstetten bleiben.“

Die Vereinsmitglieder rechnen damit, dass sie etwa 7,5 Millionen Euro investieren müssen, um zehn Hektar Land kaufen zu können. In drei Jahren soll die Summe beisammen sein. Danach soll schrittweise mit dem Bau begonnen werden. Beim Häuserbau werden Strohballen und Lehm verwendet und diese witterungsfest verschalt. Das ganze kostet etwa 60000 Euro pro Haus.

Wie so ein Gebäude aussehen könnte, hat Regina Köppe in ihrer Masterarbeit herausgearbeitet. Sie studiert an der Hochschule mit Schwerpunkt energieeffizientes Bauen. Das 120 Quadratmeter große Haus, in dem sowohl eine vierköpfige Familie als auch eine Wohngemeinschaft leben kann, hat große Glasflächen, um die Sonneneinstrahlung optimal zu nutzen und Photovoltaik auf dem Dach sowie einen Ofen zum Heizen. Vorgesehen ist zudem ein Blockheizkraftwerk.

Der vorhandene Wohnraum soll von einer Genossenschaft verwaltet werden. Wer viel im Dorf arbeitet, zahlt weniger für Essen oder Miete. Geld wollen Kugelmann und ihre Mitstreiter unter anderem einnehmen, indem sie die Seminarräume im vorgesehenen Gemeinschaftshaus vermieten.

Verkaufsaktion Das Sozialkaufhaus Contact, Im Tal 8, veranstaltet diese Woche einen Sonderverkauf, dessen Erlös komplett in das Projekt fließt. Angeboten werden hochwertigere Kleidung, darunter beispielsweise Lederjacken, und Geschirr.

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