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Ausstellung

25.04.2016

Ein Planer prägt die Region

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Das Architekturmuseum Schwaben präsentiert das Lebenswerk von Hans Engel

Wenn man den Augsburger Architekten Hans Engel mit wenigen Worten charakterisieren sollte, dann als „bedächtig“ und „freundlich“, auch als „behutsam“ und „bescheiden“. Die vier Begriffe kennzeichnen die Arbeitsweise und Haltung eines Architekten, der in seinem Berufsleben Vieles und Bemerkenswertes geschaffen hat, der damit unsere ganze Region prägte.

Zu seinem 80. Geburtstag, den er vor wenigen Wochen feiern konnte, richtete das Architekturmuseum Schwaben Hans Engel eine umfassende Retrospektive aus. An über 30 Objekten – das Werkverzeichnis im Katalog weist ein Vielfaches aus – lässt sich durch die Fotografien von Eckhart Matthäus und Texte von Barbara Wolf nachvollziehen, wie Engels Persönlichkeit und Überzeugungen sein Bauen beeinflusste.

Sie zeigt sich unter anderem an seinen denkmalpflegerischen Sanierungen, die von sorgsamem Umgang mit den Materialien, von Detailgenauigkeit und großer Einfühlung in den Charakter eines historischen Hauses getragen ist. Zu betrachten ist das etwa am Haus Bosch in der Maximilianstaße 58, einem ehemaligen Fugger-Palais, und am kleinen Handwerkerhaus in der Zwerchgasse 9 aus dem Jahr 1513. Das war eigentlich schon abbruchreif gewesen. Hans Engel „heilte“ es behutsam und handwerklich solide.

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Um in der Augsburger Altstadt zu bleiben: Es ist heute fast vergessen, wie nachhaltig sich Engel für deren Belebung eingesetzt hat. Mit der Aufdeckung der Lech-Kanäle in Lech- und Ulrichsviertel schuf er zusammen mit Frieder Pfister eine bleibende Attraktion für Anwohner und Touristen. Auch der Domvorplatz, die Stadterneuerung am Hettenbach in Oberhausen und die Bürgermeister-Fischer-Straße mit der Schranne vor der Moritzkirche zählen zu Engels städtebaulichen Verbesserungen des Stadtgebiets. Sein größtes Städtebau-Projekt ist heute Geschichte: Das Umsteige-Dreieck am Königsplatz, das er in den 70er Jahren zusammen mit Pfister, Jürgen Schiffler und Gottfried Hansjakob als funktionale, maßstäblich zurückhaltende Modernisierungsmaßnahme plante.

oder Zurückhaltung – das ist Hans Engels Leitlinie für die Ausübung seines Berufs. Der Nachfahr von Zimmerleuten im Bodensee-Gebiet machte zunächst ebenfalls eine Zimmermannslehre und studierte anschließend am Augsburger Diesel-Polytechnikum. Architektonische Selbstdarstellung war ihm seit je suspekt: Architekten sollten sich nicht so wichtig nehmen, sollten hinter ihrem Werk zurücktreten, und dieses Werk habe eine Funktion zu erfüllen und sich in die örtliche Umgebung einzupassen.

Das heißt nicht, dass Hans Engel nicht auch eine markante Architektursprache pflegte: Das Studentenwohnheim an der Lechbrücke von 1972 (zusammen mit Richard Hohenner) bildet als Hochhaus eine eindrucksvolle Landmarke am östlichen Stadteingang. Das Bayernkolleg, ebenfalls 1972, spricht die Sprache eines wuchtigen Beton-Brutalismus. Der High-Tech-Park am Schäfflerbach von 1994 zeigt sich dagegen in der neuen technischen Material-Leichtigkeit mit Stahl, Beton, Wellblech und Glas, ähnlich wie die Viktoria-Passage am Bahnhof. Auch bei den insgesamt 60 Dehner-Gartencentern, die Engel in seinem Berufsleben baute, setzte er auf Leichtigkeit durch gläserne Dächer und sichtbare Holzkonstruktionen.

Ob für Handel, Gewerbe, Kultur oder Wohnen – jede der vielfältigen Bauaufgaben, die Hans Engel mit seinem Büro in vier Jahrzehnten in Angriff nahm, zeichnet sich durch eine sorgfältige Beachtung des Umfelds aus. Wer den Kontext eines künftigen Bauwerks wichtig nimmt, der muss alle Faktoren untersuchen und mit Bedacht an die Planung herangehen, mit jener Bedächtigkeit, die Hans Engel zu eigen ist. So konnte er erreichen, dass seine Bauten an den Ort passen, für den sie gedacht waren, dass sie sich dort entweder unterordnen oder bewusst Akzente setzen.

Die Kirche St. Joseph in Königsmoos-Untermaxfeld (1985/88) bildet mit ihren gestaffelten Baukörpern und dem hochragenden Campanile im flachen Donaumoos einen imposanten Blickfang. Die Erweiterung der Kirche St. Johannes in Illertissen-Betlinshausen (1978/82) dagegen bezieht sich geradezu demütig auf den barocken Bezugsbau.

Beim Wohnungsbau sticht die Augsburger Anlage Sonnenhof (1984/90) durch ihr abwechslungsreiches Wegesystem mit lauschigen Ecken und kleinen Plätzen hervor, das neben der schnurgeraden Schertlinstraße eine kompakte Siedlung nach dem Vorbild der Fuggerei formte. Den Wohnpark am Ilsesee komponierte Engel in lockeren Baugruppen in landschaftlich attraktivem Umfeld. Und die Wohnanlage an der Jakoberwallstraße (1993/97) passte er mit einem geschwungenen Zeilenbau an die Krümmung der Straße an, schützte zudem mit einem vorgeschobenen Gewerberiegel die Bewohner vor dem Lärm. Einfamilienhäuser wie das Haus Fassl in Bonstetten stimmte er sowohl auf landschaftliche Gegebenheiten wie auf die Wünsche der Nutzer ab.

Um Bauherren und Investoren von der Notwendigkeit sorgfältiger Planung und vielleicht ursprünglich nicht vorgesehenen Eingriffen zu überzeugen, dafür ist Hans Engels Freundlichkeit von Nutzen. Man kann sich vorstellen, wie bei schwierigen Verhandlungen sein Lächeln entwaffnend wirkte. Freundlichkeit ist bei Hans Engel aber nicht nur persönliche Eigenschaft, sondern auch architektonische Haltung – als Menschenfreundlichkeit, die auf die Bedürfnisse der Bewohner seiner Häuser schaut und diesen einen angenehmen Ort auf der Welt schaffen will. Hans Engel ist das in vielen Fällen gelungen.

Hans Engel im Architekturmuseum Schwaben, Thelottstr. 11. Bis 17. Juli, geöffnet Donnerstag bis Sonntag 14 – 18 Uhr.

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