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07.07.2018

Ein Schiff, das Menschen Hoffnung gibt

Das Krankenhausschiff „Africa Mercy“ legt vor der Küste Afrikas an, um kranken Menschen zu helfen. Hunderte von Ehrenamtlichen arbeiten auf den Schiffen der Hilfsorganisation, um die Not der Ärmsten zumindest ein bisschen zu lindern. Augsburg hat enge Verbindungen zu Mercy Ships.
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Das Krankenhausschiff „Africa Mercy“ legt vor der Küste Afrikas an, um kranken Menschen zu helfen. Hunderte von Ehrenamtlichen arbeiten auf den Schiffen der Hilfsorganisation, um die Not der Ärmsten zumindest ein bisschen zu lindern. Augsburg hat enge Verbindungen zu Mercy Ships.

Im Januar beschloss Melanie Perkl, die Welt etwas besser zu machen. Sie ging auf ein Krankenhausschiff. Aus ihrem Einsatz wurde eine Aktion von vielen.

Gute Vorsätze scheitern bei vielen Menschen bereits in der ersten Januarwoche. Bei Melanie Perkl ist das anders: Für 2018 hat sie sich vorgenommen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Aus diesem Grund war die 35-Jährige zwischen März und April fünf Wochen lang auf einem Krankenhausschiff vor der Küste Kameruns. Ihre Erlebnisse haben sie verändert.

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Bereits die Anreise nach Afrika war turbulent. Weil ihr Flug über Brüssel ausfiel, musste Melanie Perkl ausweichen; sie flog stattdessen über Istanbul. Erst mitten in der Nacht kam sie in Douala an, wo ihr Schiff „Africa Mercy“ im Hafen lag. Um kurz vor drei Uhr führte sie ihr Vorgesetzter zu ihrer Kabine – einem Schlafraum mit kleinem Bad und ohne Fenster, den sie sich mit fünf weiteren Frauen teilte.

Privatsphäre ist auf den Schiffen von Mercy Ships ein knappes Gut. 400 Ehrenamtliche aus aller Welt arbeiten dort gleichzeitig. Dazu kommen rund 80 Patienten, die an Bord operiert und behandelt werden. Seit 1978 liefert Mercy Ships medizinische Hilfe für die ärmsten Länder der Welt. Ihre Schiffe legen für einige Monate in Häfen von Ländern wie Kamerun, Benin oder Guinea an. Auf dem Krankenhausdeck des Schiffes behandeln Ärzte die Menschen vor Ort kostenfrei, der Großteil sind chirurgische Eingriffe.

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„Meist die letzte Chance“

„Für die Menschen sind diese Eingriffe meist die letzte Chance, wieder am Leben teilzunehmen“, erklärt Melanie Perkl. Durch Tumore, fehlgebildete Gliedmaßen oder Verbrennungen seien sie so entstellt, dass sie nicht mehr als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden. Besonders junge Frauen sind betroffen. „In Kamerun ist es immer noch üblich, Mädchen im Alter von elf oder zwölf Jahren zu verkaufen“, sagt Melanie Perkl. Oft würden diese Mädchen anschließend schnell schwanger. Weil ihre Körper mit den Strapazen der Schwangerschaft jedoch schlecht fertig werden, käme es oft zu Schwierigkeiten bei der Geburt. „Wenn die Mutter überlebt, bleiben häufig Geburtsfisteln zurück. Die Frauen sind dann oft inkontinent und niemand möchte mehr mit ihnen zu tun haben.“ Eine Operation auf dem Schiff kann ihr körperliches und seelisches Leid lindern. „Zu sehen, wie sehr sich die Menschen freuen, wieder am Leben teilnehmen zu können, war ein unbeschreibliches Gefühl“, beschreibt Melanie Perkl.

Die Zeit auf dem Schiff hat sie verändert: „Ich frage mich, was wichtig ist im Leben. Muss ich ein großes Auto haben oder kann ich mein Geld sinnvoller einsetzen?“ Für sie ist die Antwort klar: „Ich möchte den Menschen etwas geben“, erklärt sie. Wenn jeder etwas gäbe, wäre viel geholfen, findet die 35-Jährige.

Den Einsatz selbst finanziert

Ihre Zeit auf dem Schiff hat sie selbst finanziert. 700 Dollar pro Woche musste sie für Unterkunft und Verpflegung bezahlen. Auch ihren Urlaub hat sie dafür verwendet. Auf Mercy Ships kam sie über ihren Arbeitgeber MAN. Zwischen MAN Diesel&Turbo und Mercy Ships besteht seit Längerem eine Partnerschaft. Als MAN-Mitarbeiterin im Bereich Spenden und Sponsoring betreut Melanie Perkl diese Verbindung. Nachdem sie 2017 die „Africa Mercy“ während ihrer Wartung besucht hatte, beschloss sie, auf dem Schiff zu helfen. Denn neben medizinischem Personal benötigen die Schiffe auch Helfer, die die tägliche Versorgung sicherstellen. Im Januar 2018 erhielt sie die Zusage.

An Bord der „Africa Mercy“ war sie dafür zuständig, Waren einzukaufen. Die Zusammenarbeit mit Händlern sei besonders kompliziert gewesen, beschreibt Melanie Perkl. Weil Mercy Ships illegale Zahlungen ablehnt, blieben Container oft in Häfen stecken. Sie musste dann mit ihren Kollegen losziehen und die Waren vor Ort einkaufen. Der Zusammenhalt unter den Ehrenamtlichen erleichterte ihr jedoch die Arbeit. Sie sagt: „Das Schiff ist wie ein Dorf, in dem alle an einem Strang ziehen. Niemand nimmt sich selbst wichtig. Es geht nur darum, Menschen in Not zu helfen.“

Zurück in Deutschland verfolgte sie diesen Gedanken weiter. Zusammen mit einer Grafikagentur entwarf sie ein Kochbuch mit afrikanischen Rezepten, das im Rahmen einer Afrika-Woche im Betriebsrestaurant von MAN Diesel&Turbo verkauft wurde. Zusammen mit einer Unternehmensspende kamen auf diesem Weg 14000 Euro zugunsten von Mercy Ships zusammen. Dabei soll es nicht bleiben: „Mein Wunsch ist es auf jeden Fall, noch einmal auf ein Schiff zu gehen. Die Frage ist nur, wann es persönlich und beruflich passt“, sagt sie.

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