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Porträt

06.12.2016

Ein Skelett im Wilden Westen

Christian Schmiedbauers „Kauboi und Kaktus“ trinken Tequila und feiern die Nächte durch. Im Internet bekommen seine Comics für Erwachsene auch einen Soundtrack

Der eine, ein echter Haudegen, bestehend nur aus Knochen, nicht einmal Haut hat er mehr, dafür aber einen großen Cowboy-Hut. Der andere, sein sanftmütiger Begleiter, ein tierlieber und aufgeschlossener „Schöngeist“. Beide sind sie die Hauptfiguren des Comics „Kauboi und Kaktus – Süßwasserpiraten“. Der eine, ein Skelett, der andere – wie der Name schon sagt –, ein Kaktus. Sie erleben Abenteuer für Erwachsene.

Hinter dieser ausgefallenen Idee steckt der gebürtige Niederbayer Christian Schmiedbauer, der seit 1996 in Augsburg lebt. „Ich habe schon immer gerne Comics gelesen“, sagt er. Zu seinen Kindheitslieblingen zählen Garfield oder Micky Maus. Inzwischen ist Schmiedbauer Vater von einer zweijährigen Tochter und einem fünfjährigen Sohn und zeichnet seine Comics selbst. Und zwar so, wie er es will: derb und mit jeder Menge Wortwitz. Eben Comics für Erwachsene mit Abenteuern für Erwachsene. Schmiedbauers Protagonisten trinken Alkohol und feiern Nächte durch. Der Grafikdesigner verpackt Wortspiele und Kunstwerke in seine Comics, er spielt mit Gegensätzen und lässt verstorbene Musikidole wieder lebendig werden.

Geboren wurden „Kauboi und Kaktus“ am Lechufer in Augsburg. „Ich habe am Fluss Skelette gezeichnet“, sagt der 40-Jährige. „Weil ich zuvor in Straubing eine Totentanzkapelle gesehen habe. Ich fand das super interessant.“ Einem Skelett hat der Niederbayer ein Unendlichkeitszeichen – wie sich später herausstellte, also einen Cowboyhut – auf den Kopf gesetzt. Und prompt war der Kauboi geboren. Der Wilde Westen habe Schmiedbauer sowieso schon immer gereizt, sagt er. „Mich interessiert die Trivialkultur dahinter: die Countrymusik, Figuren wie Lucky Luke oder Rollen der Schauspieler Terence Hill und Bud Spencer.“ Und wie es sich für einen klassischen Western gehört – Winnetou wird schließlich auch von Old Shatterhand begleitet –, bekam Kauboi einen Weggefährten. Der Kaktus ist der Gegenpol zum ruppig-derben Skelett: tierlieb, begeisterungsfähig mit einer ausgeprägten Liebe zur Natur. Zusammen ergeben sie ein witziges Haudegen-Duo, das inzwischen in vier gedruckten Comicbänden mit den Titeln „Verreckte Hund’“, „Schnorcheln ohne Badehose“, „Zum Teufel!“ und „Süßwasserpiraten“ erschien.

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Anfangs hat Schmiedbauer seine Comics noch in bayerischer Mundart verfasst, inzwischen schreibt er auf Hochdeutsch. Und untermalt seine „Süßwasserpiraten“-Geschichten im Internet als Web-Comic mit Songs, die zum Wilden Westen passen. „Mit dem Soundtrack geht es mir darum, zu zeigen, dass Countrymusik eine großartige Musik ist. Das ist eben nicht nur The BossHoss“, sagt Schmiedbauer, der als Werkstatt-Ausbilder an der Augsburger Fachoberschule arbeitet. Er möchte mit den musikalisch untermalten Zeichnungen Kopfkino beim Leser erzeugen. Jede Comicfolge der „Süßwasserpiraten“ hat einen eigenen Song. Auf der ersten Seite singt der verstorbene Lemmy Kilmister von der Band Motörhead „Big River“ von Johnny Cash, der eine kleine Rolle in den Abenteuern der Haudegen spielt.

Der 40-jährige Zeichner hat sogar prominente Unterstützung gefunden: Eines Tages habe der Bassist der Band Jennifer Rostock bei ihm angerufen und wollte sich und seinen Bandkollegen Charaktere eines „Kauboi und Kaktus“-Comics tätowieren lassen. Und die Kultfiguren sind so gefragt, dass es sie als T-Shirt-Motive gibt. Auf Wänden sind die Comics des studierten Grafikdesigners derzeit im Café Mauläffle zu sehen.

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