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Theater

15.01.2015

Ein Tänzer für alle Fälle

Vom Ballettsaal an den Schreibtisch und abends noch auf die Bühne: Armin Frauenschuh ist der neue Assistent des Ballettdirektors.
Bild: Ulrich Wagner

Armin Frauenschuh ist Assistent des Ballettdirektors und steht auch in „Romeo und Julia“ auf der Bühne. Nach seinem Karriereende an der Semperoper suchte er neue Aufgaben

Im Moment fühlt sich Armin Frauenschuh stark an seine Schulzeit erinnert: „Ich lerne jeden Tag etwas Neues“, sagt der Assistent von Ballettdirektor Robert Conn, der seit dieser Spielzeit am Theater Augsburg ist. Denn die Position, die er hier einnimmt, ist für den ehemaligen Tänzer in vielen Bereichen Neuland. Als Assistent unterstützt er Robert Conn in der Leitung der Compagnie und allen Organisationsfragen, als zweiter Ballettmeister trainiert er mit den Tänzerinnen und Tänzern – und dann steht er auch noch auf der Bühne, aktuell als Graf Capulet in „Romeo und Julia“. Man könnte Armin Frauenschuh also durchaus als „Mädchen für alles“ bezeichnen, eigentlich ist er aber so etwas wie die neue „Wunderwaffe“ des Augsburger Balletts: vielseitig einsetzbar und immer kompetent in allen Themen, die den Tanz betreffen. „Ich kann jetzt all das tun, was mich reizt und mir Spaß macht“, erzählt der 41-Jährige, der aus Mondsee im Salzkammergut stammt.

Immer mehr verdrängt die südliche Einfärbung seiner Sprache hier in Augsburg mittlerweile das leicht Sächselnde, das sich während seiner gut zwei Jahrzehnte in östlichen Bundesländern eingeschlichen hat. 13 Jahre tanzte Frauenschuh an der Dresdner Semperoper, die meisten davon als Solist. 33 Jahre war er damals alt, als sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde. „Für einen Tänzer ist das eine schwierige Situation“, spricht Armin Frauenschuh ein Problem an, vor dem viele Tänzerinnen und Tänzer am Ende ihrer Laufbahn stehen. Nach 15 Jahren Engagement würden sie unkündbar; mehr noch als bei Schauspielern oder Sängern scheuen die Theaterleiter aber diese Marke bei Tänzern, da deren aktive Karriere dann meist schon auf den Endpunkt zusteuert.

„Tänzern fällt diese Regelung voll auf die Füße, denn niemand will einen festangestellten Tänzer haben, der nicht mehr tanzen kann“, sagt Frauenschuh. „Aufhören wollte ich noch nicht, also blieb nur, mich an einem deutlich kleineren Theater neu zu positionieren.“ Deutlich kleiner hieß in diesem Fall Theater Chemnitz mit einer Ballettkompa- gnie von 22 Mitgliedern, neu positionieren bedeutete, dass Frauenschuh nicht nur als Solist auf der Bühne stand, sondern auch die Leitung der Theaterballettschule übernahm, Kinderballette einstudierte und im Musiktheater assistierte. Der vermeintliche Rückschritt wurde somit zu einem Entwicklungsschritt, der ihn nach vorn und letztendlich auch nach Augsburg führte.

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Die Unsicherheit einer Tänzerkarriere ließ den Vater einer 18-jährigen Tochter allerdings nie an seiner Berufswahl zweifeln. „Ich habe immer Staub und Schminke eingeatmet, davon kommt man nicht los“, erzählt er und erinnert sich an die ersten Ballettstunden auf der Bühne des Wirtshauses in Mondsee, an die Ausbildung an der Ballettschule des Landestheaters in Salzburg, die er schließlich an John Neumeiers Hamburger Ballettakademie abschloss. Und er erinnert sich an Rollen wie den Drosselmeyer aus „Nussknacker“ oder Rotbart aus „Schwanensee“. „Charakterpartien, der Schönling war nicht meine Sache,“ meint er trocken. Den Graf Capulet, den er jetzt mit Bravour in Augsburg interpretiert, tanzte er zum Ende seiner Laufbahn auch in Chemnitz.

Dann mit 40 Jahren als aktiver Tänzer aufzuhören, sei für ihn kein Problem mehr gewesen, vor allem auch, weil er in seinem Metier eine neue Perspektive gefunden hatte. „Körper und Geist wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören“, hat er festgestellt. Dann nämlich, wenn die nachlassende Kraft auch nicht mehr durch Erfahrung, Wissen und Technik zu kompensieren ist. Und zu hören, wie Kollegen hinter dem Rücken den Leistungsabfall kommentieren, das wollte er sich ersparen.

Jetzt am Theater Augsburg zu arbeiten, bezeichnet Armin Frauenschuh als Geschenk. Denn Robert Conn und seine Frau Yseult Lendvai, beide einst erfolgreiche Solisten des Stuttgarter Balletts, kennt und bewundert er von deren Gastspielen an der Semperoper. Wie sie die Ballettcompagnie zu einem derart hohen Niveau geführt haben, nötigt ihm Respekt ab. „Unter den Stadttheatern ist Augsburg der Ferrari“, urteilt er. Selbst einmal zu choreografieren liegt ihm bisher noch fern, Frauenschuh sieht sich mehr in der Rolle des Lehrers, Vermittlers und Managers im Ballett. „Ich habe es schon oft erlebt, wie Leute ohne die entsprechende Praxis und Erfahrung mit viel Verlusten lernen mussten, Direktor zu sein“, erwähnt er. Gut möglich also, dass Augsburg für Armin Frauenschuh auch zu einem wichtigen Entwicklungsschritt wird.

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