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Augsburg

29.08.2012

Ein Treffen mit dem Lebensretter

Spender trifft Geretteten: der Augsburger Gastronom Bruno Strocchi (links) und Stefan Seebauer.
Bild: Jörg Heinzle

Der Augsburger Gastronom Bruno Strocchi, 42, schenkte mit einer Stammzellenspende einem 45 Jahre alten Familienvater aus Oberfranken ein neues Leben. Nun sind sich die beiden Männer zum ersten Mal begegnet.

Zwei Jahre lang wissen sie nichts voneinander, gar nichts. Dann haben sie endlich die Namen, sie telefonieren einige Male. Und nun treffen sie sich zum ersten Mal. Stefan Seebauer, 45, der an Blutkrebs litt und daran wohl gestorben wäre. Würde es nicht den Augsburger Gastronomen Bruno Strocchi, 42, geben, den Stammzellenspender und Lebensretter.

Der Zufall hat die beiden Männer zusammengeführt – und ihre genetische Ähnlichkeit. Bruno Strocchi war der ideale Spender für Stefan Seebauer. Vor einer Stammzellenspende werden von den Medizinern Gewebemerkmale abgeglichen. Bei den Männern passte alles genau, was nicht häufig vorkommt. Die Spende läuft anonym. Erst nach zwei Jahren dürfen sich Spender und Empfänger kennenlernen, wenn beide es wollen. So ist das in Deutschland geregelt.

Stefan Seebauer lebt mit Frau und Sohn in der oberfränkischen Stadt Hof. Am vergangenen Samstag setzt sich die Familie ins Auto und fährt gemeinsam nach Augsburg. Als Treffpunkt ist das Restaurant „Al Teatro“ in der Altstadt vereinbart. Bruno Strocchi ist hier der Chef. Beide Männer sind etwas angespannt. Sie wissen nicht so recht, wie es wohl wird, sich nun zu treffen. Doch das Eis ist schnell gebrochen. Die Familien kommen ins Plaudern, sie gehen gemeinsam zum Spiel des FC Augsburg. Und sie vereinbaren, sich bald wieder zu sehen.

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Seebauer bekommt die Diagnose Anfang des Jahres 2009. „Ich wusste schon länger, dass irgendwas mit mir nicht stimmt“, erzählt er, „ich fühlte mich angeschlagen, oft müde.“ Lange finden die Ärzte nichts, bis sie feststellen, dass er an einer chronischen Form der Leukämie leidet. Diese Variante des Blutkrebses entwickelt sich schleichend und wird deshalb oft spät erkannt. Bei Seebauer sehen die Ärzte nur einen Ausweg – eine Transplantation von Stammzellen. Dabei wird das eigene blutbildende System des Patienten durch Chemotherapie und gegebenenfalls Bestrahlung stark zurückgedrängt und durch neue Stammzellen ersetzt.

2009 ist auch das Jahr, in dem Strocchi sich in die Spenderdatei aufnehmen lässt. Die Tante eines Kellners ist damals schwer krank. Er will helfen. Für die Frau findet sich kein Spender, sie stirbt. Allerdings bekommt er kurz darauf die Anfrage, ob er spenden würde – es gebe einen passenden Empfänger.

Strocchi muss nicht lange überlegen: „Für mich war es klar, dass ich helfen werde.“ Im Dezember 2009 ist es so weit. Am Münchner Uniklinikum werden aus Strocchis Blut Stammzellen herausgefiltert. Seebauer liegt gleichzeitig in der Klinik in Erlangen. Dorthin werden die Zellen per Kurier gebracht. Über Weihnachten darf er dann zum ersten Mal wieder nach Hause zu seiner Familie. Die Zeit danach ist nicht einfach, der Körper reagiert, er hat Schmerzen. Doch nun, nach zwei Jahren, sieht es sehr gut aus. Seebauer wird nie mehr so fit sein wie früher, aber die Ärzte gehen davon aus, dass die Krankheit besiegt ist.

Bruno Strocchi hat die Geschichte mit dem glücklichen Ende inzwischen schon oft erzählt. Seinen Freunden, Mitarbeitern, den Gästen im Lokal. „Ich habe schon viele dazu gebracht, sich typisieren zu lassen“, sagt er. „Es ist so einfach. Und es kann so viel bewirken.“ Bruno Strocchi weiß jetzt genau, wovon er spricht. Von Stefan Seebauer hat er eine gläserne Skulptur mit einer Inschrift bekommen. „Wir danken Dir, Bruno, von Herzen für mein neues Leben“, steht darauf.

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