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23.04.2015

Ein Volk im Krieg

Neue Ringvorlesung

Wie wohl kein anderes Ereignis hat der Zweite Weltkrieg Europa umgepflügt und die Welt verändert. Das historische Erbe der größten militärischen Auseinandersetzung der Menschheit nimmt die neue Ringvorlesung der Zeithistoriker an der Universität Augsburg 70 Jahre nach Kriegsende in den Blick. Die deutsche Perspektive entwarf am Dienstagabend im Jura-Hörsaal der Veranstalter Prof. Dietmar Süß.

Recht unterschiedlich, so Süß, erinnern sich die Deutschen ans Ende des Weltkriegs am 8. Mai 1945. Für die einen war er verbunden mit dem Verlust von Wohnung und Heimat, mit Flucht und Vertreibung, für die anderen mit Befreiung aus Zwangsarbeit und Konzentrationslager, mit Rückkehr aus der Emigration und Rehabilitation als Widerständler.

Dabei hatte die „Volksgemeinschaft“ recht einmütig dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 zugestimmt. Süß widersprach der zählebigen Meinung, die meisten Deutschen hätten sich in widerwilliger Loyalität dem „Führer“ gebeugt. „Volksstimmung absolut siegesgewiss“, notierte Viktor Klemperer in sein Tagebuch am 3. September. In den meisten Betrieben blieb es still. Zudem wurde 1939 das Reichssicherheitshauptamt gegründet, um die Bevölkerung zu disziplinieren.

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Die logistischen Vorbereitungen zeigten, dass es kein gewöhnlicher Krieg werden würde: Sofort räumte man jüdische Krankenhäuser, die Ausweitung des „arischen“ Lebensraumes ging dem Historiker zufolge einher mit der systematischen Ausmerzung der „Volksschädlinge“ und „Unnützen“. Drei bis vier Millionen Arbeitskräfte wurden an die Front abgezogen, „noch vor den Menschenraubzügen 1941 arbeiteten 800000 Ausländer und 350000 Kriegsgefangene in deutschen Betrieben“, erklärte Prof. Süß.

Im Luftkrieg ab 1942 waren nicht nur die Städte auf Selbsthilfe angewiesen, er brachte für die Ausgebombten auch ein erzwungenes ziviles Lagerleben mit sich. Spannungen zwischen Stadt und Land, Reich und Arm gewannen an Schärfe. Die Krankenmorde nahmen zu. Draußen tobte derweil der Vernichtungskrieg, jeder Soldat an der Ostfront war ausdrücklich legitimiert zur Exekution der „jüdisch-bolschewistischen Kräfte. Alois Knoller

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