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Debatte

12.08.2017

Ein Wahlkampf, dem in Augsburg die Spannung fehlt

Vor der Bundestagswahl scheinen in Augsburg viele Entscheidungen schon absehbar zu sein.
Bild: Fredrik von Erichsen (dpa)

Die Vorzeichen im Wahlkreis Augsburg lassen nur einen Schluss zu: Es bleibt bei drei Bundestagsabgeordneten aus dem Stadtgebiet. Warum CSU-Mann Ullrich auf die Historie bauen kann.

Es ist natürlich die zentrale Frage bei der Bundestagswahl am 24. September: Geht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in eine vierte Amtszeit? Und falls ja, wer ist der politische Partner? Unabhängig davon verspricht die Wahl jede Menge Spannung. Im Vergleich zur bundesweit anstehenden Entscheidung ist die Situation vor Ort fast schon langweilig. Die Ausgangslage im Wahlkreis Augsburg-Königsbrunn ist aus Sicht der antretenden Kandidaten entschieden. CSU-Bewerber Volker Ullrich geht als klarer Favorit ins Rennen. Nichts, aber wirklich gar nichts deutet darauf, dass ihm einer der neun Herausforderer das Direktmandat streitig machen könnte. Es ist bezeichnend, dass auch kein Mitstreiter von Ullrich den Anspruch erhebt, den Wahlkreis zu gewinnen. Wer hofft, über die Landesliste (Zweitstimme) in den Bundestag zu kommen, dessen Aussichten hängen auch davon ab, welchen Stellenwert die Kandidaten in ihrer jeweiligen Partei in Bayern genießen.

Wer sich von der politischen Konkurrenz in den Wahlkampf stürzt, tut dies in diesem Fall mit dem Ziel, das Beste für die Partei herauszuholen. Dies gilt sicherlich auch für Ullrich, der das Ticket in den Bundestag für die nächsten vier Jahre eigentlich jetzt schon buchen kann. Zu deutlich sind die „Machtverhältnisse“ im Wahlkreis, der seit jeher von der CSU dominiert wird. Bei 18 zurückliegenden Bundestagswahlen hatte in 17 Fällen der Kandidat das CSU-Parteibuch. Nur 1972 gab es die große Ausnahme: SPD-Bewerber Max Amling gewann vor 45 Jahren das Direktmandat. Es war damals die Zeit unter Kanzler Willy Brandt, der für die SPD einen historischen Sieg einfuhr.

Ansonsten scheiterten sämtliche Bewerber stets an CSU-Leuten, wobei es unterm Strich gar nicht mal so viele Namen sind, die den Sieg erlangten. Josef Ferdinand Kleindienst (1949 und 1953), Otto Weinkamm (1957 und 1961), Anton Ott (1965 und 1969) und Stefan Höpfinger (1976, 1980, 1983 und 1987). Rekordhalter ist nach wie vor Christian Ruck mit sechs gewonnenen Wahlen (1990, 1994, 1998, 2002, 2005 und 2009). Als Ruck dann im Jahr 2013 nicht mehr kandidierte, kam Ullrich erstmals zum Zug. Mit 44,4 Prozent setzte er sich deutlich vor den beiden weiteren Augsburger Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr (SPD; 25,1 Prozent) und Claudia Roth (Grüne; 11,0) durch. Wenn nun am 24. September im Wahlkreis Augsburg-Königsbrunn insgesamt 211 000 Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen sind, wird sich an dieser Rollenverteilung wenig verändern. Zumindest ist das auch die Einschätzung, die aus den Parteien zu vernehmen ist.

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Ulrike Bahr und Claudia Roth sind quasi gesetzt

Das Wahlsystem bei der Bundestagswahl wird – auch dazu bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten – dafür sorgen, dass es im neuen Bundestag bei drei Abgeordneten aus dem Stadtgebiet Augsburg bleibt. Ulrike Bahr und Claudia Roth sind quasi gesetzt. Sie stehen auf aussichtsreichen Listenplätzen ihrer Parteien. Roth ist gar die Nummer eins der Grünen in Bayern, neun bayerische Abgeordnete stellt die Partei gegenwärtig. Bahr ist die Nummer vier der SPD auf Landesebene, 22 Abgeordnete aus Bayern vertreten die Positionen der SPD im aktuellen Bundestag. Da es bei der Listenbesetzung keine Änderungen gibt, die vom Wähler herbeigeführt werden können, müssen Bahr und Roth nichts befürchten. Einzig denkbare Variante, für die Grünen das Horrorszenario, wäre ein Abrutschen unter die Fünf-Prozent-Marke. Danach sieht es nun aber keineswegs aus.

Die restlichen sieben Kandidaten im Wahlkreis sind chancenlos, wenn es um den Einzug in den Bundestag geht. Frederik Hintermayr (Linkspartei) rangiert auf Listenplatz zehn seiner Partei. Im Wissen um gegenwärtig vier bayerische Bundestagsabgeordnete der Linken ist der persönliche Wahlerfolg, der mit dem Einzug in den Bundestag verbunden wäre, illusorisch. AfD-Kandidat Markus Bayerbach hat auf einen Listenplatz verzichtet. Er tritt lediglich im Wahlkreis an. Das Feld der Kandidaten ergänzen Ruth Abmayr (Freie Wähler), Robert Huemer (ÖDP) und Hannelore Fackler-Plump (Bürgerrechtsbewegung Solidarität).

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.08.2017

Der spannungslose augsburger Wahlkampf.

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Die nächste Bundestagswahl findet am 24.9.2017 statt. Kommentator Hörmann bemüht sich rührend um den Kandidaten Dr. Volker Ulrich. Nun ja. Er bemerkt darüber hinaus die Aussichtslosigkeit der Kandidatin Ulrike Bahr und auch der Kandidatin Claudia Roth.

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Die anderen 6 Kandidaten sind ihm kaum eine Erwähnung wert.

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Er unterstreicht die Aussichtslosigkeit der Mitbewerber, indem er den vergangenen Durchmarsch der CSU-Kandidaten beschreibt. Die Mitbewerber seien regelmäßig gescheitert.

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Alle Bewerber kandidieren für ihre jeweilige Partei. Und hoffen darauf, mit der entscheidenden Zweitstimme ein gutes Ergebnis für sich und ihre Partei zu erzielen. Ja, da hilft dann durchaus auch eine Kandidatur als Bewerbung um das Direkt-Mandat. Und deshalb kandidieren wackere Kandidaten/innen auch für dieses. Auch ohne reale Erfolgsaussichten.

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Das ist lobenswerte Demokratie, die nicht darin besteht, den angeblich sicher vergebenen Direktplatz zu erobern, sondern sich als mögliche Alternativen im Zweitstimmen-Ergebnis dann gut zu präsentieren.

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Im übrigen erinnere ich an den CSU-Kandidaten Anton Ott, der damals als Direktkandidat auf eine Absicherung auf der Landesliste verzichtet hatte. Und dieser Hochmut wurde damals vom Wähler böse bestraft.

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Nein, Herr Hörmann, der von Ihnen angesprochene Frederik Hintermayr, ein junger Mann von 25 Jahren, wird einen persönlichen Erfolg nicht mit dem Ziel verbinden, das Direktmandat im Wahlkreis 252 für die LINKE zu erringen. Er wird andere Maßstäbe haben. So wie die anderen Kandidaten auch.

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Ich halte Ihre Sicht auf den spannungslosen augsburger Wahlkampf für völlig verfehlt. Sie wiegeln ab und bewirken mit Ihrer Sichtweise ein erhöhtes Desinteresse der wählenden Bevölkerung. Und das ist schlecht.

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Jede Stimme zählt. Die wichtige Zweitstimme ist für das Mandats-Ergebnis der Parteien entscheidend. Bedauerlicherweise unterschlagen Sie das und suggerieren dem Wahlvolk einen fröhlichen Tiefschlaf.

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Das Bild, das Sie damit zeichnen ist verheerend.

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Nicole_Prestle.tif
Kommentare

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