Newsticker

RKI meldet fast 15.000 Infizierte innerhalb eines Tages
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Ein Wettstreit der Lebenden und der Toten

Poetryslam

06.02.2015

Ein Wettstreit der Lebenden und der Toten

Das Parktheater bei „Dead or Alive“ ist ausverkauft. Und es gab einen sehr klaren Sieger

Zur Poetry passend herrschte Sturm und Drang im Parktheater. Viele strömten zu dem zum siebten Mal ins Brecht-Festival eingebetteten „Kampf der Künste“-Event, darunter auffallend viele Schüler samt Lehrern. Letztere allerdings fielen beim superlässigen Moderator Michel Abdollahi schon bei der Besetzung der Publikumsjury in Ungnade. Verblüffende, lyrisch lehrreiche und sehr unterhaltsame zwei Stunden zog der kühne Wettkampf der Worte das Publikum in seinen Bann.

Dies lauschte amüsiert, hing atemlos an den Lippen und Gesten der jungen Poeten und Geschichtenerzähler, um nur ja keinen Reim, keine Silbe, keine Pointe der teils rasant dargebotenen Literaturvorträge zu versäumen.

Das Reglement bei „Dead or Alive“ schreibt Folgendes vor: Fünf preisgekrönte Slam-Poeten treten im sechs Minuten langen Wort-Duell gegen bereits verstorbene Weltliteraten an, denen jeweils fünf Schauspieler Stimme und Präsenz verleihen. Fünf Zuschauer werten und entscheiden damit über den Sieg von Jenseits oder Diesseits.

2015 traten für die toten Lyriker Florian Innerebner (mit Mozarts Bäsle-Briefen), Sarah Bonitz (Sarah Kirsch), Matthias Renger (François Villon), Christian Peters (Rapper Tupac Shakur) und Annika Ullman (Paula Ludwig – immerhin mit Brecht befreundet) an und spannten einen Bogen vom Spätmittelalter ins Jahr 2013, in dem die populäre Dichterin Sarah Kirsch starb. Doch hatten sie wenig Chancen gegen die geballte Sprachvirtuosität, gegen die liebenswerten, natürlich wirkenden Auftritte, kurz gegen die wahnwitzige und formvollendete Poetry-Power. So schlug das Quintett der lebenden jungen Dichter – „Alter Schwede“ – die Konkurrenz der Toten aus dem Rennen!

Die Siegercouch besetzte der allseits gefeierte Poetry-Meister 2013 und Sieger der Herzen Jan Philipp Zymny (*1993 aus Wuppertal). Mit ihm angetreten waren Lars Ruppe und Frank Klötgen, den sein Hochmut nicht zu Fall brachte, sowie mit nachdenklich melancholischen Schnappschüssen Franziska Holzheimer. Aus München kam Alex Burkhard, der mit seiner „Anatomie des Erfolgs“ ganzkörperlich überzeugte und für all seine Kollegen aussprach: „Die Kunst, großes Geld zu machen, ist so viel leichter zu erlernen, als die mit großer Kunst Geld zu machen“.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren