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Augsburg

30.01.2019

Ein besonderes Angebot für obdachlose Menschen mit Hund

Übergangswohnheim, Johannes-Rösle-Straße, Obdachlose
Bild: Silvio Wyszengrad

Einige wohnungslose Frauen und Männer schlafen auch in der Eiseskälte im Freien. Der Grund: In den Notunterkünften sind Hunde nicht erlaubt. Jetzt gibt es eine Lösung.

Eine Person liegt auf dem eiskalten Boden, umhüllt von einer dünnen Decke und eng an einen Hund gekuschelt. Dieses Szenario gibt es auch bei den aktuellen Minusgraden. Denn wohnungslose Frauen und Männer mit Haustieren, insbesondere Hunde, nehmen oftmals Hilfsangebote wie Notschlafstellen nicht oder nur mit großer Skepsis in Anspruch. Grund dafür ist das Verbot von Hunden in den Notunterkünften. Die Stadt Augsburg und der Augsburger Tierschutzverein haben sich diesem Problem angenommen und ein Betreuungskonzept für die betroffenen Personengruppen entwickelt. Das ganze Projekt war laut Heinz Paula, Vorsitzender des Tierschutzvereins, ein dreiviertel Jahr in Planung und kam nun zum Abschluss.

Durch die Kooperation sollen Barrieren abgebaut werden

„Die Stadt Augsburg versucht kontinuierlich die Lage der Obdachlosen zu verbessern“, erklärt Sozialbürgermeister Stefan Kiefer. Die Etablierung einer reinen Frauenunterkunft im vergangenen Jahr sei ein wichtiger Schritt gewesen. Diese Vereinbarung soll nun weitere Barrieren entfernen und Menschen in Not helfen. Das Konzept wurde mit dem Tierschutzverein Augsburg entwickelt und soll den Schutz von Menschen und Tieren garantieren. Um in den Übergangswohnheimen in der Johannes-Rösle-Straße oder der Stadtberger Straße unterzukommen bietet der Tierschutzverein die Möglichkeit Hunde temporär in die Pflege des Augsburger Tierheims in der Holzbachstraße zu geben. Die Unterkünfte liegen in Laufdistanz zum Tierheim. Dies erleichtert die Nutzung des Angebots.

„Tiere sind extrem wichtig für die Menschen. Sie dürfen aber kein Hindernis für Hilfe sein“, sagt Sabina Gaßner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins. Um den internen Ablauf zu erleichtern, sollen die Tiere von 7.30 bis 17 Uhr abgegeben beziehungsweise abgeholt werden. Jedoch steht den betroffenen Personen 24 Stunden am Tag die Möglichkeit offen ihre Tiere in temporäre Pflege abzugeben. Dies kann über die Polizei, Feuerwehr oder direkt über das Tierheim erfolgen. „Das Tier wird den Besitzern jedoch nicht weggenommen“, so Gaßner weiter. Die betroffenen Personen können sich durch dieses Programm sicher sein, dass ihr Hund sicher, sauber untergebracht und versorgt ist. Bei Bedarf wird der Hund auch von der Tierärztin untersucht und behandelt. Die Pflege eines Tieres kann außerdem individuell mit dem Besitzer besprochen werden.

Konzept ist kein Freibrief für Hundebesitzer

Um zu verhindern, dass das Programm ausgenutzt wird, teilt die Stadt dem Tierschutzverein mit, welche Personen berechtigt sind ihr Tier abzugeben. Das Betreuungskonzept ist folglich kein Freibrief für jeden Hundebesitzer. Dass das Vertrauen in dieses Konzept allerdings erst aufgebaut werden muss weiß auch Katja Mann, Leiterin des Übergangswohnheims für Frauen vom Sozialdienst katholischer Frauen (Skf). Die Bindung zwischen Mensch und Tier sei in solchen Lebenssituationen besonders eng. Das Programm würde sich aber sicherlich rumsprechen und im Laufe der Zeit genutzt werden. Die selbe Meinung teilt auch Knut Bliesener, Vertreter des Katholischen Verband für Soziale Dienste (SKM). „Das Vertrauen in das Tierheim muss einfach langsam erarbeitet werden.“ Dann würde das Angebot, das nicht nur für Hunde gilt sondern für jedes Haustier, sicherlich angenommen und genutzt werden.

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