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Porträt

31.08.2017

Ein musikalisches Multitalent

Nicht nur an der Orgel – wie hier in Herz Jesu – brilliert Stefan Steinemann. Auch als Sänger ist der 25-Jährige sehr gefragt.
Bild: Michael Hochgemuth

Mit den Domsingknaben begann Stefan Steinemanns Laufbahn. Wie er das Publikum seines Konzerts in Pfersee begeistert

„Normalerweise bekommt das Publikum den Organisten vor dem Konzert nicht zu Gesicht“, begann Stefan Steinemann seine Einführung zum Programm. Der 25-jährige Augsburger spielte in der Pferseer Kirche Herz Jesu beim Orgelsommer ein Soloprogramm auf der Kirchenorgel, eine Sandtner-Orgel und laut Steinemann „eine der besten Orgeln in Augsburg“. Gerade für das französische Repertoire sei sie sehr gut geeignet. Und seine beide Stücke stammten von französischen Komponisten der Romantik und Moderne.

Dabei hat sich der vielseitige Künstler einerseits auf Alte Musik spezialisiert. Ab seinem fünften Lebensjahr wurde er Augsburger Domsingknabe und diese Zeit hat ihn sehr geprägt. Dort sang er unter anderen viele Werke von Johann Sebastian Bach und weiteren alten Meistern. Heute ist er Assistent von Reinhard Kammler, Domkapellmeister und Leiter der Domsingknaben. Dabei assistiert er als Stimmbildner, Korrepetitor – also Klavierbegleiter – und leitet auch Proben. Zudem studiert er Kirchenmusik im Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Chorleitung und Gesang an der Musikhochschule in München, seit drei Jahren außerdem Gesang in Basel an der renommierten Schola Cantorum.

Stefan Steinemann ist Altus, kann also in derselben Lage singen wie eine Frau. Als Sänger wie als Organist ist er sehr gefragt. Doch seine Masterarbeit im Rahmen seines Studiums in Basel nimmt ihn sehr in Anspruch. Denn er editiert eine alte Braunschweiger Liedersammlung aus dem beginnenden 17. Jahrhundert und muss dabei fehlende Stimmen ergänzen. Das ist viel Arbeit – enthält aber auch Entdeckungen: So sind zum Beispiel verschollen geglaubte Werke von Samuel Scheidt in dieser Sammlung enthalten. Seine beiden Professionen – der Gesang und das Orgelspiel – ermöglichten es Stefan Steinemann bei seinem Konzert in Herz Jesu, zunächst das einstimmige „Halleluja“ klar und schön zu singen, das der Komponist Olivier Messiaen im Orgelstück „Verset pour la fête de la dédicace“ verarbeitet hat. Steinemann spielte das 1960 komponierte Stück meisterlich, mit großer Ruhe, vielen Klangfarben, sehr detailliert und facettenreich, setzte den Schweller, der den Ton lauter und leiser werden lässt, sehr wirkungsvoll ein. Der Choral wurde von ihm im Verlauf gekonnt herausgearbeitet.

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Fast genau ein Jahrhundert früher schrieb César Franck das „Grande Pièce Symphonique“ Op. 17, das die Orgel aus ihrer Reserve lockte: Hier hörten die Besucher, wie gewaltig das Instrument tönen kann, von leise und zart bis erschütternd klangstark. Anfangs erinnerte das Werk noch an ein Orchester, zuletzt ersetzte es ein Orchester – so farbenreich und kraftvoll war der Klang. Nicht wenige der Zuhörer spendeten stehend Beifall, „großartig“, so eine Stimme aus dem Publikum. Denn Steinemann spielte beeindruckend virtuos, reif und souverän. Neben Bravour in beiden Händen war auch schnelle Fußarbeit bei Franck gefordert.

An der Orgel beherrscht Steinemann ein breites Repertoire. Als Sänger hat er sich auf die Alte Musik und die Moderne fokussiert. Er singt in mehreren Ensembles, etwa im Vocalconsort München oder dem Leonhard-Paminger-Ensemble. Eines seiner nächsten Projekte ist seine Masterprüfung zum Abschluss seines Kirchenmusikstudiums im nächsten Jahr. Am 27. März 2018 wird Stefan Steinemann in der Allerheiligen-Hofkirche in München die Johannespassion von Bach dirigieren. Die Besetzungsliste ist eindrucksvoll. Mit dabei sind die Domsingknaben, mit denen Steinemanns Laufbahn begann.

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