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Kino

26.03.2015

Ein neuer schwäbischer Heimatfilm

In der Rolle des Trash Detective geht Rudolf Waldemar Brem förmlich auf. Kurz vor dem Nachdreh ereilte den 76-jährigen Schauspieler von seinem Arzt eine Hiobsbotschaft: Lungenkrebs. Trotz der Behandlung stand Brem für das junge Filmteam noch einmal vor der Kamera, auch zweimal in Augsburg.
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In der Rolle des Trash Detective geht Rudolf Waldemar Brem förmlich auf. Kurz vor dem Nachdreh ereilte den 76-jährigen Schauspieler von seinem Arzt eine Hiobsbotschaft: Lungenkrebs. Trotz der Behandlung stand Brem für das junge Filmteam noch einmal vor der Kamera, auch zweimal in Augsburg.
Bild: Christian Trieloff, Domar Film GmbH

Mit seinem ersten abendfüllenden Streifen erlebt ein Augsburger Produzent gerade, welche Widrigkeiten die Dreharbeiten verzögern können. Und doch hat Dominik Utz die Zuversicht nicht verloren. Zuletzt wurde in Augsburg gedreht

Dass es so lange dauern würde, hätten die beiden Filmproduzenten Martin Schwimmer und Dominik Utz nicht gedacht. Dass alles kurz vor dem Scheitern stehen würde, auch nicht. Dass sie nicht wissen, ob ihr Hauptdarsteller die Filmpremiere erlebt, das hätten sie sich in ihren schlimmsten Träumen nicht vorgestellt. Trotzdem vermitteln sie Zuversicht. Sie sind Filmbegeisterte. „Trash Detective“, ihren ersten abendfüllenden Spielfilm, wollen sie Ende des Jahres ins Kino bringen.

Als der 32-jährige Augsburger Utz zum Projekt kam, war seine Produktionsfirma Domar gerade dabei, mehr als nur ein Projekt zu sein. Mit einer Mini-GmbH fing es 2012 an. Der Notar habe gelacht und sie nicht ernst genommen, sagen Utz und Schwimmer, als sie ihm erklärten, eine Filmproduktionsfirma gründen zu wollen. Sobald es ihnen finanziell möglich war, haben sie die Mini-GmbH in eine ordentliche GmbH umgewandelt.

Zum Filmprojekt „Trash Detective“ sind sie über den Regisseur Maximilian Buck gekommen. Der Film ist als Abschlussarbeit für die Filmakademie Baden-Württemberg geplant. Für das ursprüngliche Drehbuch – noch auf Hochdeutsch – habe es mit der Filmförderung und mit einem Sendetermin im Fernsehen schlecht ausgesehen, sagt Utz. „Wir haben dann vorgeschlagen, den Film auf Schwäbisch zu drehen.“ Eine württembergische Antwort auf den neuen bayerischen Film im Zug von Marcus H. Rosenmüller. Über schwäbische Sponsoren hätten sie es so immerhin auf ein fünfstelliges Budget gebracht.

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Genug, um alle anfallenden Kosten für den Dreh zu stemmen, aber viel zu wenig, um die Filmcrew zu bezahlen. „Alle Beteiligten bekommen ihre Unkosten bezahlt, aber verdienen kann keiner am Projekt“, sagt Utz. Eine typische Film-Abschlussarbeit eben, die nur deshalb zustande kommt, weil alle mit Leidenschaft und dem Herzen dabei sind und nicht ans Geld denken.

In Martingen spielt der Film

Als Hauptdarsteller haben sie Rudolf Waldemar Brem gewonnen, der von Rainer Werner Fassbinder entdeckt wurde, schwäbeln kann und als Trash Detective eine wunderbare Rolle förmlich auf den Leib geschrieben bekommen hat. Seine Filmfigur Uwe Krollhass lebt im schwäbischen Martingen als Schrottbastler und Trinker. Jeder kennt ihn und niemand glaubt ihm, als er erzählt, gesehen zu haben, dass die Schönheitskönigin Susi Berger umgebracht worden sei. Weil er selbst nicht mehr weiß, ob er sich das im Suff eingebildet oder wirklich gesehen hat, ermittelt Krollhass auf eigene Faust.

Mit dem Budget konnten Utz und Schwimmer zwanzig Drehtage für den Film stemmen. Als sie dieses Material Fernsehsendern und einem Kinofilm-Verleiher zeigten, wandelte sich die einstige abwartende Haltung plötzlich in Begeisterung. „Es heißt jetzt unser Projekt und nicht mehr euer Projekt“, erzählt Utz. Mit dem zusätzlichen Geld wollten sie noch sechs weitere Drehtage finanzieren, um den Film gezielt rund zu machen.

Dann aber platzte eine Horrornachricht in die Nach-Dreharbeiten hinein: Ihr Hauptdarsteller Rudolf Waldemar Brem, 76, der vergangenes Jahr erst seine langjährige Lebensgefährtin geheiratet hatte, sagte dem Filmteam, dass er schwer an Lungenkrebs erkrankt sei. Die längst ausgemachten Dreharbeiten rund um Stuttgart mussten abgesagt werden. Und als Brem mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus lag, war nicht klar, ob und wie es weitergeht.

Brem erholte sich, und das Filmteam arbeitete Plan B aus, der nun Dreharbeiten in München und der Umgebung vorsah. Die Belastung für den erkrankten Schauspieler sollte so gering wie möglich ausfallen. Und die Crew trug während der Dreharbeiten auch Mundschutz, damit Brem sich keinen weiteren Infekt zuzog.

Und nun kam Augsburg ins Spiel. Zwei der sechs Drehtage fanden hier statt, auf einem Schrottplatz und in einem Augsburger Sado-Maso-Keller. „Einen besseren haben wir in München nicht gefunden“, sagt Utz. Und Brem meinte über diesen Ort nur, dass Rainer Werner Fassbinder sich hier wohlgefühlt hätte: „Der späte Fassbinder hatte es gern, von einem Zuchtmeister den Arsch versohlt zu bekommen“, sagt Brem am Rand der Dreharbeiten. Von seiner Krebserkrankung ließ sich Brem nicht abhalten, selbst die Stunt-Szenen zu spielen.

Im Herbst/Winter 2015 soll „Trash Detective“ in die deutschen Kinos kommen.

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