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20.07.2010

"Ein offenes Haus muss offen sein"

Vermisst Material und Personal: Büchereichef Manfred Lutzenberger. Foto: Silvio Wyszengrad
Bild: Silvio Wyszengrad

Eigentlich braucht Kurt Idrizovic keine öffentliche Bibliothek. Er hat eine eigene Buchhandlung. Trotzdem wacht er, seit kurzem auch Vorstand der "Freunde der Neuen Stadtbücherei", mit Argusaugen, wenn es um das Haus am Ernst-Reuter-Platz geht. 435 000 Besucher kamen im ersten Jahr. Deshalb ärgert sich Idrizovic jetzt maßlos über den Beschluss des Kulturausschusses, ab 1. August die Öffnungszeiten um fünf Stunden pro Woche zu verringern und täglich erst ab 11 Uhr zu öffnen.

"Eigentlich sollte Kulturreferent Peter Grab für die Einrichtung kämpfen", so Idrizovic, der das Argument vom fehlenden Geld nicht mehr hören kann. Immerhin konnte man in sechs Monaten zwischen 10 und 11 Uhr über 30 000 Ausleihungen verbuchen. Noch auf dem letzten Bibliothekarstag, so der Buchhändler, habe man mit den großzügigen Öffnungszeiten geprahlt.

Auch die Kürzung des Anschaffungsetats um 50 000 Euro lasse bei ihm den Verdacht aufkommen, dass die Stadt sich aus der Verantwortung zurückziehe. Die SPD, die im Kulturausschuss als einzige Partei gegen die Verkürzung stimmte, bedauert die Einschränkung der Ausleihzeiten. "Ein offenes Haus muss auch offen sein", so Ulrike Bahr, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie fordert kreativere Lösungen.

Spätere Öffnungszeiten findet auch Bücherei-Besucher Rainer Engels ärgerlich, denn mit Geldmangel könne man inzwischen alles durchsetzen. Er plädiert dafür, das Haus vor allem samstags länger zu öffnen. Immerhin sei es eine Freizeiteinrichtung. Diese sollte sich nach den Bedürfnissen der Besucher richten. Auch Esther Zech versteht die Welt nicht mehr "Da darf man doch nicht kürzen." Auch sie will längere Öffnungszeiten vor allem am Samstag.

"Ein offenes Haus muss offen sein"

Aufwendige Pflege

Dafür sieht Manfred Lutzenberger keinen Spielraum. Man sei, so der Büchereileiter, eine Geisel des Erfolges geworden. "Niemand von uns hat damit gerechnet, dass es so gut läuft." So habe sich das Mahnwesen verdoppelt, ebenso die Arbeit in der "Buchpflege". Dort kümmern sich vier bis fünf Mitarbeiter um herausgelöste Seiten, zerschlissene Einbände, um Registriernummern und den elektronischen Chip, der verrät, wo das Buch ist.

Lutzenberger macht vor allem der Blick in die Zukunft Kopfzerbrechen. Demnächst gehen fünf der 32 Kollegen in den Ruhestand oder in Altersteilzeit. "Ich habe eine Wiederbesetzungssperre von einem Jahr." "Kommentar

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