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Festival "Grenzenlos" im Gaswerk

20.07.2011

Ein teurer Schatz - mitten in Augsburg

Früher wurde im Ofenhaus aus Kohle Gas gemacht. Während des Grenzenlos-Festivals wird hier unter anderem der Kabarettist Django Asül auftreten.
Bild: Foto: Silvio Wyszengrad

Ab Freitag findet im Augsburger Gaswerk „Grenzenlos“ statt, in Zukunft hoffen die Stadtwerke auf ein Museum oder Gewerbe.

Ideen gab es viele: Mal sollte ein Hotel ins alte Gaswerk, mal das Lager für einen Friseur-Großhandel, mal ein Buddhisten-Zentrum, ein anderes Mal planten Taucher ein Becken in einem alten Gasbehälter. Alle Pläne haben eines gemeinsam: „Sie scheiterten an den Kosten“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Claus Gebhardt. Während Arbeiter Bühnen und Stände für das Festival Grenzenlos aufbauen, suchen die Stadtwerke zweigleisig nach einer Zukunft für das historische Juwel. Augsburg bewirbt sich mit dem Gaswerk um ein zweites Landesmuseum, zugleich lassen die Stadtwerke einen Bebauungsplan aufstellen, um das Gelände nutzen zu können.

„Streng genommen dürften wir dort nur Gas produzieren und lagern“, sagt Gebhardt. Das war die Aufgabe des Werkes, als es ab 1910 geplant und gebaut wurde. Anfangs verwandelte im Ofenhaus große Hitze Steinkohle in Gas. Die Öfen sind weg, doch das Gebäude steht noch. Der Blick nach oben ist eindrucksvoll. Ein paar Häuser weiter ist das Apparatehaus. Hier riechen die alten Maschinen nach Fett. Am Rand lagern aber Bistrotische. „Wir haben hier kleinere Veranstaltungen, zum Beispiel Hochzeiten“, sagt Wolfgang Riß, der die Liegenschaften der Stadtwerke betreut.

Viele Gebäude werden seit Jahren für Feste und Feiern genutzt. Unter dem großen Scheibengasbehälter fand ebenso die Party zum Christopher-Street-Day wie auch der Verbandstag der Energie- und Wasserwirtschaft statt. Während des Festivals ist dort die Disco. Ein Stockwerk höher, im schwarzen Inneren des Gaskessels, schwingt ein Foucault-Pendel, ein Musiker hat eine Orgel installiert. Hier lagerten einst 100000 Kubikmeter Gas. Das klingt nach viel, würde an einem Wintertag 2011 aber nur zwei bis drei Stunden lang den Augsburger Energiehunger stillen, sagt Wolfgang Riß. Seit 2001 ist der Kessel leer. Von seinem Dach aus kann man sich abseilen – und landet in der Ruhe, denn das ganze Werk steht seit zehn Jahren still. Bands, Künstler und ein Autohändler sind eingezogen, in der Direktorenvilla sind Wohnungen vermietet. Doch der große Schritt in die Zukunft fehlt.

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Die Stadtwerke hoffen, dass sie ihn bald machen können. Sie haben den gleichen Projektentwickler verpflichtet, der sich auch um das AKS-Gelände im Textilviertel kümmert (Artemis). Gemeinsam mit der Stadt wollen sie den Bebauungsplan ändern, um das Gelände künftig nutzen zu können. Denkbar ist laut Stadtwerkechef Gebhardt einiges: Kunstschaffende, Architekten und Gastronomen könnten in Oberhausen unterkommen. „Wir bauen dabei auf die Arbeit von Professor Karl Ganser auf“, sagt Gebhardt.

Der Stadtplaner arbeitet auch am zweiten Zukunftsstrang mit: Augsburg bewirbt sich um das „Museum für Bayerische Geschichte“, das der Freistaat einrichten möchte. Als einen möglichen Standort in Augsburg hat Ganser in der Bewerbung neben einem Neubau beim Glaspalast das Gaswerk aufgeführt. Die Entscheidung soll im Herbst fallen. Für die Stadtwerke ist klar: „Wenn das Museum kommt, hat es Vorrang“, sagt Claus Gebhardt.

Jedes Jahr eine halbe Million für Sanierungsmaßnahmen

Egal wie die Zukunft aussieht, das alte Gaswerk ist für die Stadtwerke ein teurer Schatz. Fast alle Gebäude stehen unter Denkmalschutz und müssen erhalten werden: „Wir rechnen damit, jährlich rund eine halbe Million Euro aufwenden zu müssen, um die Gebäude vor dem Verfall zu schützen“, sagt der Geschäftsführer. Vor allem die Dächer verschlingen viel Geld. Wolfgang Riß zeigt auf das Werkstattgebäude, in dem der erste Scheibengasbehälter der Welt steht. Das Dach ist marode – aber auch anspruchsvoll zu sanieren, da es mit kleinen Schieferplättchen gedeckt ist. Ein anderes teures Erbe ist weitgehend unsichtbar: die Altlasten des Gaswerksbetriebs. Teilweise haben die Stadtwerke schon Erde austauschen lassen, sagt Sprecher Jürgen Fergg. Ab Jahresende soll das Grundwasser gereinigt werden.

Die Partygäste werden davon ab Freitag nichts mitbekommen. Sie werden ein historisches Denkmal als Kulisse erleben. Veranstalter Uwe Schalowski ist seit Jahren von dem Gelände begeistert: „Es ist groß, ist wunderschön und hat Flair“, sagt er. Daher hatte er auch eine Idee für das Gaswerk: ein Festival. Sie wird wahr.

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