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27.06.2017

Ein wilder Auftritt

Apollon Musagète in Bannacker

Es war, als hätte Apoll sich den Lorbeer vom Haupt gerissen, sich in einen nordischen Bergkönig verwandelt und mit seinem wilden Berggeistergefolge die vornehme Halle im Herrenhaus Bannacker gestürmt. Doch die Rede ist nicht von Peer Gynt, aber doch von Edvard Grieg und von der atemberaubenden Wiedergabe seines Streichquartetts g-Moll durch das phänomenale Quartett Apollon Musagète.

Und wenn man diesen Auftritt als „wild“ bezeichnet, so bedeutet das Wort hier nicht „zügellos, chaotisch“, sondern im Gegenteil höchste Kontrolle und Perfektion gepaart mit radikaler Intensität des Ausdrucks. Damit machten sich die Musiker verdient um die Neuentdeckung eines Werks, das im Rahmen der Kammermusiktradition des 19. Jahrhunderts ein Schattendasein führt. In seiner archaisch anmutenden Klangwucht, seinen naturnahen jähen Stimmungswechseln, seinen melodischen Folklore-Anklängen bringt es eine originelle Note in diese Tradition ein. Genau um diese – wenn man so will – Zerrissenheit ging es den vier Musikern mit ihrer Interpretation, die innerhalb eines weit gespannten Klangraums die klanglichen und rhythmischen Gegensätze ungeheuer präzise und fast überspitzt herausarbeiteten.

Ganz ähnlich, wenn auch weit weniger radikal, die Herangehensweise bei Mozarts „Dissonanzenquartett“. Auch hier wurde größter Wert gelegt auf bisweilen extreme rhythmische und dynamische Differenzierung. Kein Zweifel, das Werk erklang wie aus einem Guss, vor allem das Finale war ein hinreißend musizierter Kehraus. Doch manche dynamischen Akzente wirkten gewollt: ein fast unhörbares Pianissimo am Schluss des Kopfsatzes, manch überscharfer forte/piano-Wechsel im Menuett. Natürlich will kein Mensch zurück zum weich gespülten, ewig lächelnden Götterliebling, natürlich darf man die Brüche und Schatten in Mozarts Musik nicht zudecken, sondern muss sie beim Wort nehmen. Aber sie sollten auch dann vernehmbar sein, wenn eine Spur diskreter, gelassener musiziert wird.

Mit „Contrapunctus 1“ aus Bachs „Kunst der Fuge“ stellten sich die vier jungen Herren einzeln vor: Pawel Zalejski und Bartosz Zachlod (Violinen), Piotr Szumiel (Viola) und Piotr Skweres (Violoncello). Und sie beschlossen den Abend vor begeistertem Publikum mit einem wirbelnden Stück ihres Landsmannes Roman Palester als Zugabe.

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