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Pop

03.12.2016

Eine Band wie sonst keine

Im Anzug und mit Deko am Notenständer: Kenji Kitahama von Friedrich Sunlight.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Musik von Friedrich Sunlight erinnert an US-Bands der 60er Jahre. Doch der Stilmix enthält noch viel mehr. Große Musikzeitschriften loben die Augsburger in höchsten Tönen

Bertolt Brecht und der Kasperl müssen mal wieder als Referenz herhalten. Doch die fünf Musiker der Band Friedrich Sunlight dürften damit klarkommen, denn den arg strapazierten Vergleich hat diesmal der Rolling Stone bemüht. Die Musik der Gruppe sei das Schönste aus Augsburg seit, wie gesagt, Brecht und der Puppenkiste, schrieb die Musikzeitschrift. Da hinein schafft es nur sehr selten eine junge Augsburger Band.

Wobei jung so eine Sache ist. Schlagzeuger Marc Frank, Pianist Bernd Maier, Thomas Riederer am Bass und Florian Meya an der Gitarre prägen die Augsburger Musikszene schon lange. Die vier spielen seit zwei Jahren zusammen. Aber erst seit ihr Sänger dazugestoßen ist, verzücken Friedrich Sunlight Fans und Feuilletons.

Ihre Musik solle „zeitlos“ klingen, sagen die Musiker über sich selbst. Am ehesten weht der Sommerwind des Sechziger-Jahre-Sunshine-Pop durch die zwölf Songs ihres selbstbetitelten Debütalbums. Bands wie The Byrds und die Beach Boys hätten seine Liebe zur Musik geprägt, sagt Sänger Kenji Kitahama, der in den USA aufgewachsen ist. Beim Release-Konzert im Augsburger City Club verortet er die Band passend zur Musik in „Augsburg, California“.

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Wer Friedrich Sunlight zum ersten Mal hört, muss sich erst klar werden, welchen Stilmix er hört und sieht. Erinnert das an einen kitschigen Musical-Song? Der kleine Simba, der beim „König der Löwen“ in den Sonnenuntergang schaut: Stellenweise ist es leicht, sich das vorzustellen. Aber Millionen Menschen lieben Musicals. Musikzeitschriften wie der Rolling Stone oder der Musikexpress tun das eher nicht.

Warum sind Friedrich Sunlight trotzdem so cool, dass auch diese Magazine sie feiern? Weil sie eine Band sind, wie es sonst keine gibt. Die Musiker harmonieren, als wären sie eins, und untermalen entspannt den Gesang. Der Sänger tänzelt im makellosen Anzug auf der Stelle, vor sich am Notenständer ein fluffig-weißes Pompom. Allein dieses Bild beschreibt die Musik wunderbar. Kenji Kitahama singt auf Deutsch mit ein bisschen Akzent, seine Ansagen macht er auf Englisch. Im Gespräch verrät er, dass es sich leicht unnatürlich anfühle, auf Deutsch zu reden. Beim Singen geht das. „Ich empfinde bei den Texten nichts“, erklärt er. Das Schreiben übernehmen die anderen. „Für mich ist die Melodie am wichtigsten. Ich versuche durch den Gesang zu transportieren, was ich fühle.“ Man könne ja auch französische Lieder lieben, wenn man kein Französisch spreche.

Manchmal erinnert die Musik von Friedrich Sunlight an die großen deutschsprachigen Blumfeld. Nur, dass bei Jochen Distelmeyer und Kollegen die Texte schwer von Bedeutung sind. Genau diesen „Diskurspop“ möchten Friedrich Sunlight nicht machen. Dann schon eher die Lässigkeit der DDR-Ikone Manfred Krug. Man wolle, sagt Kenji Kitahama, fröhlich klingen. Auch wenn man Trauriges heraushören kann, wie im Song „Sommer Samstag Abend“, wo es heißt: „Wenn am Anfang alles richtig war, warum ist dann nicht mehr gut, dass ich bin, so wie ich bin, so wie ich war?“ Gute Frage. Friedrich Sunlight sollten jedenfalls so bleiben, wie sie sind.

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