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Augsburg

18.10.2015

Eine Brücke für 40000 Autos täglich

Rein statisch gesehen handelt es sich bnei der MAN-Brücke um zwei nebeneinander stehende Bauwerke, die auf dem Weg vom Lechhauser Industriegebiet in die Innenstadt den Lech überbrücken. 
Bild: Ruth Plössel

Serie (6) Salz hat der Konstruktion bei der MAN geschadet. Eine umfangreiche Sanierung des Bauwerks ist notwendig. Wie lange die Arbeiten dauern und wann es losgeht

Von Silvia Kämpf

 In die Jahre gekommen ist die Brücke an der MAN. Laut Martin May, Bauleiter in der Abteilung Brückenbau im Tiefbauamt, wurde sie 1967 unter Oberbürgermeister Wolfgang Pepper für den Verkehr freigegeben und ist mit 48 Jahren von ihrer Substanz heute die am längsten genutzte Lechbrücke in Augsburg. Wie viele Fahrzeuge sie in dieser Zeit schon ertragen hat, die von Lechhauser Flur in die Innenstadt und zurück rollten, lässt sich nur schätzen. Tatsache ist, dass heute nach jüngsten Zählungen pro Wochentag rund 40000 Fahrzeuge über sie rollen. Als 1998 die vierte Lechbrücke in Betrieb ging, reduzierte sich die Zahl kurzfristig von 34000 auf 32500. Mit 150 Metern Länge und 4000 Quadratmetern Fläche ist sie jedenfalls die größte Brücke Augsburgs. In den Unterlagen der Experten ist die MAN-Brücke als Bestandteil der Nordtangente verzeichnet. Diese Verbindung ins Lechhauser Industriegebiet, so May, sei der eigentliche Grund für den Bau der Querung über den Lech gewesen. Die Nordtangente führt, von der Autobahn kommend, über die MAN-Lechbrücke, Stadtbachstraße, Sebastianstraße, Heinrich-von-Buz-Straße und Holzbachstraße/Plärrer in Richtung Westen.

Wie May und Karoline Pusch als Leiterin der Abteilung Brückenbau sagen, haben Überbauten wie die MAN-Brücke eine theoretische Lebensdauer von 70 Jahren. „Bei entsprechender Sanierung“, sagen sie, „kann sie also nochmals 30 bis 40 Jahre halten.“ Offensichtlich kaputt seien aber die Gehwege. Rund 3,5 Millionen Euro werden veranschlagt, um das Konstrukt zu sanieren. Was ihm zugesetzt hat, sind eindringendes Wasser und Chloride – also Salz.

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Rein statisch gesehen handelt es sich laut May um zwei nebeneinander stehende Bauwerke. Der dazwischenliegende Spalt wird auf 70 Zentimeter bemessen und wird durch die sogenannten Mittelkappen abgedeckt. Auf Papier demonstriert May den Querschnitt des Bauwerks, das sich über den Proviantbach, die Berliner Allee, die Localbahn, den Lech und die Leipziger Straße spannt. Begrenzt wird diese Distanz von zwei Brückenpfeilern. „Bis auf den Konstruktionsbeton“ kommt laut May erst einmal alles weg. Das heißt: Betonkappen, Fahrbahnbelag aus Asphalt, Mittelkappen – alles muss abgebaut und erneuert werden. Auch die Entwässerungsleitungen und die Abdichtung seien porös. Zur Sanierung seien zwei Etappen nötig, heißt es.

Erst werde die stadteinwärtige Seite im Jahr 2016 gerichtet, 2017 sei die Gegenrichtung dran. Diese Bauzeit ergibt sich laut May, weil eigentlich nur von März bis September oder Oktober gearbeitet werden kann. In Mitleidenschaft gezogen sind viele Brücken seiner Auskunft nach, wo der Winterdienst im Einsatz ist und Taumittel – also Salz – aufbringt. Schließlich sei die Stadt verpflichtet, Straßen und Brücken schnee- und eisfrei zu machen.

Seit Monaten ist diese Stelle der Stadt ohnehin schon Baustelle. Nach der Kanalsanierung steht nun die Brückensanierung an. Durch eine vorausschauende Baustellenkoordination sollen die Beeinträchtigungen möglichst gering gehalten werden. Nicht ungefährlich ist diese dritte Augsburger Lechbrücke für Fahrradfahrer, die auf ihrem Fahrradweg leicht übersehen werden – etwa wenn Autofahrer über die Abfahrt zur Berliner Allee abbiegen, ohne sich umzublicken.

Pusch und May erinnern sich außerdem an einen Rettungswagen der DLRG, der durchs Geländer brach und ins Wasser des Proviantbachs fiel. Dies ist einer der spektakulärsten Unfälle, der ihnen ad hoc einfällt. Rund 13000 Euro kostete nach Auskunft eines Mitarbeiters allein die Reparatur des Brückengeländers. Seither ist ein Stahlseil in seinem Handlauf integriert, um ein Abstürzen von Fahrzeugen zu verhindern. Gerade bei Geländern ab einer Länge von 20 Metern sei diese Sicherung Pflicht. Sogenannte Schikanen – bekannt aus der Formel I und dem S-förmigen Verlauf eines Parcours) – verhindern, dass ein Fahrzeug durch das Geländer brechen kann. Einen tödlichen Verkehrsunfall hatte es auf der MAN-Brücke in den 1990er-Jahren gegeben. Überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholeinfluss seien damals für ein Abkommen von der Straße verantwortlich gewesen.

Vorschau Nächste Woche berichten wir über die B-17-Brücken.

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