Reisen

09.03.2016

Eine Fernbus-Odyssee

Zwei junge Augsburgerinnen machen sich auf den Weg nach Mailand und stranden in Karlsruhe. Nach fünf Stunden Wartezeit weichen sie in ein Hotel aus. Nun hoffen sie, dass das Unternehmen alle Kosten erstattet

Im Fernbus durch Italien – diese Reise wurde für zwei junge Augsburgerinnen jetzt zur Odyssee. Am Montagabend waren die beiden 21-Jährigen am Augsburger Fernbus-Bahnhof gestartet. Am Dienstag wollten sie vormittags in Mailand sein: „Wir wären um 10 Uhr angekommen und hätten genau einen Tag in Mailand verbracht, dann wäre es weiter nach Rom gegangen“, schreibt eine der beiden in einem Facebook-Post. Doch am Ende kam alles anders.

Denn aus einem „kleinen Zwischenstopp“ in Karlsruhe wurde ein stundenlanger Aufenthalt: Erst hatte der Anschlussbus dreieinhalb Stunden Verspätung, kurz darauf schon viereinhalb, dann fünfeinhalb Stunden. „Da standen wir Mädels dann also im komplett leeren Hauptbahnhof mitten in der Nacht und hatten nach mehreren Anmachen von diversen Jungsgruppen dann doch ein wenig Respekt vor der ganzen Situation“, erzählen die zwei. Ein Anruf bei der Telefonhotline des Anbieters Flixbus war erst nach 15 Minuten in der Warteschleife erfolgreich. Ein Mitarbeiter habe am Telefon lediglich angeboten, dass das Unternehmen den Kauf einer Semmel zur Überbrückung der Wartezeit übernehmen werde, so die Augsburgerin.

Zur Übernahme von Kosten gesetzlich verpflichtet

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Tatsächlich ist Flixbus gesetzlich sogar dazu verpflichtet: Seit März 2013 regelt die EU-Verordnung für Personentransport, dass bei einer Verspätung von 90 Minuten oder mehr allen Reisenden Verpflegung in Form eines kostenlosen Snacks samt Getränken zusteht. Müssen die Betroffenen länger als zwei Stunden warten, ist das Busunternehmen zur Erstattung der Fahrkosten verpflichtet oder muss alternativ die Kosten für ein vergleichbares Verkehrsmittel übernehmen.

Ausreden gibt es im konkreten Fall für Flixbus also nicht. Denn die Verordnung regelt klar, dass Reisende zusätzlichen Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe der Hälfte des Fahrpreises haben – falls der Anbieter vergessen sollte, ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Das tritt auch bei einer Annullierung oder einem überbuchten Bus in Kraft. Einschränkung: Die Regeln gelten erst ab einer Strecke von 250 Kilometern und nur bei verspäteter Abfahrt des Busses – nicht aber bei verspäteter Ankunft. Die Augsburgerinnen hoffen nun, dass sie nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben. Kosten, die sich summierten, denn: „Nach einer weiteren Stunde am menschenleeren Hauptbahnhof versuchten wir noch einmal unser Glück beim Anbieter und uns wurde mitgeteilt, wir sollen ein Hotel nehmen und mit etwas Glück werde es übernommen.“

Die Frauen hatten im Lauf des Tages mit Flixbus auch über Facebook Kontakt aufgenommen. Sie posteten ihre Erfahrungen unter anderem an die Pinnwand des Reiseunternehmens. Weil die Unterhaltung so öffentlich wurde, schaltete sich ein Administrator ein. Er teilte den jungen Frauen mit, dass „wir nicht öffentlich mit dir darüber reden“ möchten. Inzwischen sind die Augsburgerinnen in Mailand angekommen – auch wenn es weitere Probleme gab: Nach einer Nacht im Karlsruher Bahnhofshotel hatten sie den Bus verpasst, der über Freiburg in die italienische Stadt fuhr. Grund: Der Bus fuhr zehn Minuten zu früh los. Die Augsburgerinnen nahmen nach neuer Rücksprache mit Flixbus die zweite Fahrt nach Freiburg.

Wie oft solche Verspätungen vorkommen, kann Flixbus nicht sagen. „Grundsätzlich sind unsere Busse sehr pünktlich unterwegs“, so die Pressestelle. Und weiter: „Bei dem von Ihnen angefragten Fall gab es betriebsbedingt eine sehr große Verspätung, die bei uns in dieser Form so fast gar nicht vorkommt.“

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