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Urlaub

27.08.2013

Eine Frau ersetzt drei Männer

Eva Weber
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Eva Weber

Wenn der Chef fehlt, muss der Stellvertreter ran. Doch so einfach ist es oft nicht. Chefärzte sind trotz Ferien erreichbar – und die Wirtschaftsrefertin muss gleich mehrere Kollegen vertreten

Die sechs Wochen zwischen Ende Juli und Mitte September sind nicht nur die Zeit der Sommerferien, sondern auch die Zeit der Stellvertreter. Ob bei Polizei oder im Klinikum – trotz der Urlaubszeit muss der Betrieb reibungslos weiterlaufen, teils auch gerade deswegen.

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Bei der Polizei ist die Sache mit dem Urlaub gar nicht so einfach. „Wir haben eine genau geregelte Mindeststärke, die das ganze Jahr über peinlich genau eingehalten wird“, sagt Lothar Roser, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Augsburg Mitte. Nicht mehr als 20 Prozent der Beamten der Dienststelle in der Frölichstraße dürfen gleichzeitig fehlen. Gerade auch in den Sommerferien, „denn da haben viele Leute Zeit, Sachen zu machen, die vielleicht nicht so gut sind“, formuliert es der erfahrene Polizist.

Konkret müssen die Beamten vielen Fällen von Ruhestörungen nachgehen, aber auch Fälle von organisiertem Betteln und Einbrüche gilt es zu verfolgen. Lothar Roser selbst ist der Vertreter von Dienststellenleiter Werner Bayer – und hat dann zusätzlich dringende Personalaufgaben zu erledigen. „Durch die enge Zusammenarbeit bin ich immer gut über die aktuelle Situation informiert“, sagt Roser. Trotzdem bleiben die Vertretungen nicht zuletzt wegen der Mehrbelastung „jeden Tag eine neue Herausforderung“.

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Die Tücke mit den neuen Kommunikationsmitteln

Die Herausforderung von Professorin Julia Welzel, Chefärztin der Hautklinik im Klinikum und derzeitige Vertretung des medizinischen Vorstands, sind die modernen Kommunikationstechnologien. Die Bilanz während des kurzen Interviews: acht Mails, fünf SMS und zwei Anrufe, davon eine Anfrage von Patienten aus dem Spanienurlaub, die um eine Ferndiagnose bitten. „Wir achten darauf, dass nicht mehr als 50 Prozent des Personals gleichzeitig im Urlaub sind“, sagt Welzel. Gerade im Sommer haben die Ärzte der Hautklinik oft mit allergischen Reaktionen auf Stiche oder mit Sonnenbränden zu tun. Eine Stellvertreterregelung gibt es auch für das medizinische Führungspersonal am Klinikum, tatsächlich fällen die Chefärzte aber auch im Urlaub Entscheidungen. „Früher war man einfach weg, wenn man im Urlaub war; durch neue Kommunikationsmittel gehen Freizeit und Arbeit immer mehr ineinander über“, beobachtet Welzel.

Als „überschaubar“ beurteilt Wirtschaftsreferentin Eva Weber den zusätzlichen Arbeitsaufwand. Obwohl sie derzeit gleich drei Kollegen in der Stadtregierung vertreten muss: Baureferent Gerd Merkle, Bildungsreferent Hermann Köhler und Sozialreferent Max Weinkamm. „Im August ist es insgesamt eher ruhig, weil eben alle wissen, dass Schulferien sind und daher viele im Urlaub“, erklärt Weber. Zusätzlich zu ihrem täglichen Geschäft setzt sich Eva Weber mit dringenden Fragestellungen der anderen Referate auseinander oder leistet fällige Unterschriften. Auch im Ferienausschuss des Stadtrats vertritt Eva Weber ihre Kollegen.

„Im Urlaub kann man nicht nur abschalten, man muss sogar“, hat Sebastian Priller senior seinem Sohn mit auf den Weg gegeben. „Ganz so halte ich das aber nicht“, verrät der Seniorchef der Riegele-Brauerei. Bei ihm stehen Smartphone und Laptop auch im Urlaub auf Empfang, „aber letztendlich ist jeder ersetzbar, auch der Chef“, sagt Priller.

Trotzdem gibt es Themen, die für ihn absolute Chefsache bleiben und nicht delegiert werden. Dazu gehören größere Investitionen ebenso wie Geschäftsanbahnungen oder Mitarbeiterfragen. Wenn er als Chef immer erreichbar ist, so schaut Sebastian Priller zumindest, dass seine Mitarbeiter Urlaub machen. „Alles andere tut auf Dauer auch nicht gut. Da geht so viel Kraft und Enthusiasmus verloren“, so Priller.

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