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Lehrstellenoffensive

09.03.2017

Eine Frau hilft Menschen auf die Beine

Mit sicherem Griff wickelt Lisa Protzmann ein Beinmodell aus Gips in 150 Grad heißen Kunststoff. Aus der so entstandenen Form kann sie später Orthesen machen – Stützen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.
Bild: Ulrich Wagner

Lisa Protzmann hantiert täglich mit Armen und Beinen. Sie greift fest zu, damit später anderen Menschen Schmerzen erspart bleiben. Wie ihre Arbeit als Orthopädietechnik-Mechanikerin aussieht.

Lisa packt das Bein am Unterschenkel und klemmt es in den Schraubstock. Dann wird es ernst – sie nimmt die 150 Grad heiße Kunststoffplatte aus dem Ofen und wickelt das Bein darin ein. Eine schmerzhafte Prozedur – wäre das Bein echt. Doch Lisa tut niemandem weh. Lisa lindert Schmerzen, indem sie Orthesen baut. Das sind Stützen oder Verstärkungen für Körperteile, die ihren Besitzern Probleme verursachen.

Seit etwa anderthalb Jahren macht Lisa-Marie Protzmann eine Ausbildung beim Augsburger Sanitätshaus Drescher + Lung. Am Ende der drei Jahre dauernden Lehre ist sie Orthopädietechnik-Mechanikerin. Und das ist ein Job, den sie liebt: „Ich kann hier so viele unterschiedliche Dinge machen. Handwerklich und mit Menschen arbeiten. Das ist super.“ Vielfältig sind ihre Aufgaben tatsächlich – das Bauen von Orthesen ist nur eine davon.

In ihrer Arbeit flitzt Lisa von einem Raum zum nächsten – mal gießt sie ein Gipsmodell, dann steht sie an der Nähmaschine, um ein Stützmieder zu bearbeiten. Lisas Hände sind bei all diesen Aufgaben geschickt – eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung, sagt sie: „Handwerklich sollte man schon ein bisschen was können.“ Lisa ist von der exakten Arbeit fasziniert. Doch noch mehr interessiert sich die Auszubildende für das Thema Anatomie.

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Darüber lernt sie eine Menge in ihrer Berufsschule in München. Dort verbringt sie etwa 14 Wochen pro Jahr in Kursen und Seminaren. Diese drehen sich um den menschlichen Körper und seinen Aufbau, aber auch um die medizinischen Hilfsmittel, die sie in ihrem Beruf herstellt. Dazu gehören neben Orthesen noch Stützmieder, Korsetts und Prothesen.

Aber das Fachwissen ist nicht alles, was sie in ihrem Beruf braucht. Im Umgang mit Kunden ist Freundlichkeit gefragt – und Fingerspitzengefühl. Denn einige der Hilfesuchenden sind körperlich oder geistig behindert. Lisa muss genau auf sie eingehen, um ihnen bei ihren Problemen zu helfen. „Manchmal ist das nicht einfach, gerade wenn die Menschen ihren Körper nicht richtig koordinieren können.“ Doch von erfahrenen Kollegen bekomme sie viele Tricks gezeigt, die ihr in schwierigen Situationen weiterhelfen. Gerade die Arbeit mit Menschen mache ihr viel Spaß: „Ich kann in dem Beruf an der Werkbank stehen, habe aber auch mit vielen unterschiedlichen Leuten zu tun. Das ist das Beste an dem Job.“

Lisa hat bei Drescher + Lung einen festen Betreuer, der ihr bei allen Problemen weiterhilft. „Eigentlich kann ich mich aber an jeden hier wenden, dann helfen sie mir weiter“, sagt sie. Sobald Lisa ihre Ausbildung abgeschlossen hat, stehen ihr viele Wege offen. Entweder kann sie in ihrem Lehrberuf weiterarbeiten oder sich weiter fortbilden. „Ich könnte mir vorstellen, später noch an die Uni zu gehen und Medizin zu studieren“, sagt sie. Doch zunächst will sie weiter ihren Beruf ausüben. Über ihre Ausbildungsstelle ist Lisa sozusagen gestolpert. Jeden Tag fuhr ihr Schulbus am Drescher + Lung-Gebäude vorbei. „Ich habe mir jedes Mal gedacht, dass das so ein schönes Haus ist“, sagt sie. Bei einem Praktikum in ihrer Schulzeit hat sie dann ihre Chance genutzt, das Gebäude von innen zu sehen. Dabei zeigte sich: Nicht nur das Gebäude, sondern auch der Beruf gefallen ihr wirklich gut.

Unsere Lehrstellenoffensive ist eine gemeinsame Aktion mit den Arbeitsagenturen der Region, der Industrie- und Handelskammer Schwaben und der Handwerkskammer für Schwaben. Ziel ist es, junge Menschen und Betriebe zusammenzubringen, damit der Weg zum Traumberuf klappt.

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