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10.07.2010

Eine Frau tötet ihre "große Liebe"

Die Frau auf der Anklagebank wirkt erschöpft, sie ist blass. Das Leben und der Alkohol haben Spuren hinterlassen im Gesicht von Christine S. (40). Sie bricht oft in Tränen aus, schüttelt den Kopf. Die 40-Jährige ist angeklagt, weil sie ihren Mann im Rausch erstochen hat. In einer Novembernacht vorigen Jahres, mit einem 30 Zentimeter langen Fleischermesser. Joachim S. (44) sei ihre große Liebe gewesen, erzählt die Frau. Jetzt ist er tot.

Der Münchner Rechtsmediziner Randolph Penning hat genau rekonstruiert, wie der 44-Jährige starb. Das Messer dringt 13 Zentimeter tief in seinen linken Brustkorb ein, zwischen der zweiten und dritten Rippe. Die Schneide verletzt Lungenlappen, Herzrohr und Herzbeutel. Es folgt eine Lungenblutung, der Tod setzt durch Verbluten ein. Das steht fest. Nicht geklärt ist, wie es genau zum tödlichen Stich kam. Christine S. sagt, von den entscheidenden Sekunden wisse sie nichts mehr. "Ich war mit dem Messer vor ihm und er ist plötzlich aufgestanden", erzählt sie. Und: "Ich hätte ihn nie abstechen können."

Die Spuren am Tatort sprechen eine andere Sprache. Sie deuten darauf hin, dass sie doch zugestochen hat. Dazu kommt: Das Paar ist zum Tatzeitpunkt, gegen 22.30 Uhr, allein in der Wohnung. Und eine Nachbarin erzählt, dass Christine S. ihren Mann anschreit. Dann wird es in der Wohnung ruhig. "Ich habe gedacht, jetzt haben sie sich wieder versöhnt." Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Ruhe ist tödlich, Joachim S. ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon schwer verletzt.

Es ist der blutige Schlusspunkt einer verhängnisvollen Beziehung, die wohl von Anfang an auf ein Unglück zusteuerte. Das Paar lernt sich in einem Einkaufszentrum kennen. Sie stehen dort beisammen und trinken Bier. Im April 2008 heiraten sie und beziehen eine Wohnung im Herrenbachviertel. Von Anfang an gibt es Streit. Vor allem, wenn beide getrunken haben. Christine S. bringt es auf ein Pensum von täglich "um die zwölf Flaschen Bier", ihr Mann steht ihr offenbar in nichts nach.

Eine Frau tötet ihre "große Liebe"

Wenn es Streit gibt, stellt die Nachbarin den Fernseher lauter

Für die Nachbarn ist es nichts Außergewöhnliches, wenn in der Wohnung des Paars selbst nachts heftig gestritten wird. "Sie haben sich auch geschlagen", erzählt eine Frau. Die Nachbarin stellt regelmäßig ihren Fernseher lauter, um den Krach zu übertönen. Vielleicht ist es der Gewöhnungseffekt, weshalb in der Novembernacht niemand die Polizei ruft. Den Notruf setzt Christine S. selbst ab, etwa anderthalb Stunden nach der Tat. Sie habe zuvor verzweifelt das Telefon gesucht, aber nicht gefunden, sagt sie.

Richter Wolfgang Rothermel will von Christine S. wissen, was falsch gelaufen sei in ihrer Ehe, in ihrem Leben. Die 40-Jährige nuschelt eine Antwort. Im Zuschauerraum sitzt eine Schulklasse. Der Richter fordert Christine S. auf, lauter zu sprechen, die Schüler sollen es verstehen. Dann sagt sie es klar und deutlich: "Hätten wir nur das Saufen gelassen, dann wäre das nicht passiert."

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