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Augsburg

20.05.2016

Eine Kirche wird zum Archiv

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Archivleiter Erwin Naimer ist mit der Handhabung der neuen Regale bereits vertraut. In jedem der fünf Stockwerke sind die Elemente zur besseren Orientierung in einer anderen Farbe gehalten.

St. Joseph an der Wertachbrücke bietet jetzt mehr als 20 Kilometer Regale für Schriftstücke aus dem gesamten Bistum. Warum der neue Aufbewahrungsort nötig war.

Wenn ein Archiv umzieht, ist das zunächst einmal nicht anders, als bei einem Privathaushalt: Schriftstücke und Bücher müssen verpackt, in einem Fahrzeug transportiert und am neuen Ort ausgeladen und eingeräumt werden. Etwas komplizierter wird die Angelegenheit angesichts der Dimensionen: Das Diözesanarchiv, von dem die Rede ist, schickt in diesen Wochen von seinem bisherigen Domizil in der Innenstadt Unterlagen auf die Reise, die zusammen mehr als zehn Kilometer Regalfläche füllen. Am Ungewöhnlichsten ist aber der neue Aufbewahrungsort: Er befindet sich nicht in einem Zweckbau, sondern in der katholischen Kirche St. Joseph in Oberhausen bei der Wertachbrücke.

Fünf Ebenen im Kirchenschiff

In zweijähriger Bauzeit entstand in dem Kirchenschiff das neue Archiv des Bistums. In dem 15 Meter hohen Raum wurden fünf Ebenen eingezogen, in denen mit 21000 Regalmetern mehr als die doppelte bisherige Lagerfläche zur Verfügung steht. „260 Tonnen Stahl wurden verbaut, davon allein vier Tonnen an Schrauben“, erläutert Architekt Rainer Heuberger.

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Als Außenstehender wundert man sich, dass das Bistum in der heutigen digitalen Zeit ein derart großes Archiv benötigt. Dies liegt laut Finanzdirektor Klaus Donaubauer an der kirchenrechtlichen Verpflichtung, schriftliche Unterlangen von alten Büchern bis zu Bauplänen aufzubewahren – und das aus der gesamten Diözese. Die jetzigen Räume am Hafnerberg seien nur ein Provisorium und längst überfüllt gewesen.

St. Joseph war für die Katholiken „zu groß“ geworden

Dass das Archiv nicht in einem Neubau oder in einem weltlichen Bestandsgebäude untergebracht wird, hat seine Gründe. Einerseits war schon länger bekannt, dass St. Joseph aufgrund der schwindenden Zahl der Katholiken der Gottesdienstraum zu groß geworden war, die Gemeinde ächzte unter der hohen Baulast. Andererseits fand die Diözese hier nach Angaben Donaubauers eine Immobilie vor, die neben dem nötigen Platz auch über die Nähe zum Ordinariat verfügt. Dadurch sei es gelungen, für die Kirche eine kirchliche Nutzung zu finden. Eine Rarität in der heutigen Zeit, in der anderswo Sakralbauten zu Büros, Restaurants oder Konzerthallen umfunktioniert würden.

Obendrein ist St. Joseph immer Anlaufpunkt für die Gläubigen: Sie beten seit 2012 in einer verkleinerten Kirche, für die der Altarraum umgebaut wurde. Auch im Erdgeschoss des Archivs erinnern noch Portale, Kanzel und Reliefs an die einstige Bestimmung. Dass Donaubauer hier in Oberhausen von der „größten und technisch anspruchsvollsten Baustelle“ der vergangenen Jahre in der Diözese spricht, liegt aber nicht nur an dem Ort, sondern auch an den Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung und Brandschutz.

Insgesamt steckte das Bistum 14,5 Millionen Euro in die Maßnahme. Darin enthalten ist ein Neubau. Der transparente Trakt, direkt mit der Backsteinkirche verbunden, ist das Verwaltungszentrum mit Büros für Leiter Erwin Naimer und sein achtköpfiges Team sowie Veranstaltungs- und Lesesälen. Während die Lagerräume nur für die Mitarbeiter zugänglich sind, ist dieser Teil des Archivs auch für die Öffentlichkeit bestimmt.

Private Familienforscher erhalten Einblick

Jeder, der sich für ein Schriftstück interessiert, erhält Einsicht. Laut Naimer handelt es sich dabei häufig um private Familienforscher. „Standesämter gibt es erst seit 1876.“ Wer etwas über weiter zurückreichende Daten wie Taufen, Trauungen oder Todesfälle erfahren wolle, werde bei der Kirche fündig. Der Lesesaal werde in den nächsten Monaten für die Gegenwart gerüstet. „Ein Großteil der Archivalien ist bereits digitalisiert“, sagt Naimer.

Berufs- und Hobbyhistoriker müssen sich allerdings noch gedulden bis zur offiziellen Eröffnung des Archivs. Als Termin haben die Verantwortlichen Anfang September im Visier. In den nächsten Wochen müssen die Mitarbeiter kilometerlange Regalflächen bestücken. Wenn sie dabei den Quarantäneraum aufsuchen, ist das kein Scherz. Hier wird das ein oder andere Schriftgut, das von außen angeliefert wurde und von Pilzen befallen sein könnte, bis zur Reinigung zwischengelagert.

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