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Jubiläum

22.05.2014

Eine Kirche zum Erleben

Pfarrer Rüdiger Seidel und Elisabeth Stock schauen sich die gesammelten Festschriften im Kirchenschiff von St. Petrus an. In diesen Wochen steht ein großes Jubiläum an: Die evangelische Kirche wurde vor 50 Jahren geweiht.
Bild: Annette Zoepf

St. Petrus in Lechhausen feiert 50-jähriges Bestehen. Elisabeth Stock erinnert sich an die erste Zeit

Lechhausen Die Gegend zwischen Neuburger Straße und der MAN war in der Nachkriegszeit ein Neubaugebiet. Hier entstanden in den 1950er Jahren in schneller Folge Mietshäuser und auch zwei Kirchengemeinden: St. Elisabeth und das evangelische St. Petrus. Weil die Protestanten 1964 ihren Kirchenbau an der Schillstraße einweihten, feierten sie jetzt mit Regionalbischof Michael Grabow ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum.

Elisabeth Stock, 86, stammt aus Unterfranken, lebt aber schon seit 1937 in Augsburg. Sie ist eine der wenigen, die sich noch an die Anfänge von St. Petrus erinnern: Wo heute die Kirche steht, war nach ihren Worten zuvor nur Wiese. Östlich der Neuburger Straße gab es schon lange die Kirchengemeinde St. Markus, und vielen Protestanten in Lechhausen, die auf der westlichen Straßenseite wohnten, fiel es nicht leicht, sich nun nach St. Petrus zu orientieren, wie sie sagt.

In die verhältnismäßig kleinen Wohnungen, die im Bereich Schillstraße entstanden, zogen vor allem Ostdeutsche und Heimatvertriebene, dann, als es die innerdeutsche Grenze gab, Spätaussiedler aus Russland ein. Auch die MAN baute hier Werkswohnungen. St. Markus eröffnete für die jungen Familien 1954 zunächst einen evangelischen Kindergarten. Hier wurden auch 14-tägig Gottesdienste gefeiert. Dafür wurden zwei durch eine bewegliche Wand getrennte Kindergartenräume zusammengelegt. Der Altar war, so Elisabeth Stock, in einem Schrank verstaut.

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Anfang der 1960er Jahre bewilligte die Evangelische Kirche endlich auch einen Kirchenbau, der am 23. Februar 1964 eingeweiht wurde. Zur Feier kam neben Landesbischof Hermann Dietzfelbinger übrigens auch der katholische Bischof Josef Stimpfle. 1970 erhielt die bisherige Filiale von St. Markus auf Beschluss des Landeskirchenrats in München ein eigenes Pfarramt. 1973 wurde der Gemeindesaal im Keller fertig und damit der Kirchenbau abgeschlossen.

Die neue Kirchengemeinde St. Petrus musste erst zusammenwachsen. „Uns prägte, dass wir ein Völkergemisch sind“, formuliert es Pfarrer Rüdiger Seidel. Vor allem die Russlanddeutschen fielen im Gottesdienst auf. Sie waren häufig Baptisten und liebten besonders Musik und Gesang. Die Hilfe für Flüchtlinge schweißte jedoch zusammen. Elisabeth Stock hat sich da sehr engagiert.

„Ich bin täglich ins Flüchtlingslager gegangen und habe gefragt, wer neu angekommen ist“, berichtet sie. Dann hat sie mit ihren Helfern „zusammengebettelt“, was am dringendsten benötigt wurde: Kleidung, Wäsche, Heizmaterial, auch Lebensmittel. Bei Weihnachtsfeiern wurden Pakete verteilt – einmal waren es 89. Es gab auch einen Besuchsdienst für neu Zugezogene. Diese Gruppe hat sich laut Pfarrer Seidel wieder gegründet.

Zum Gemeindeleben gehören auch Jugendarbeit (ursprünglich gab es zwei Jugendgruppen mit unterschiedlichem Programm), Seniorennachmittage und Familienangebote. St. Petrus ist nach den Worten von Seidel in ganz Augsburg bekannt für seinen Posaunenchor. Jugendliche gestalten musikalische Gottesdienste, und es gibt eine jährliche Musiknacht. Gegenwärtig wird eine Kinderkrippe gebaut; leider ist sie zum 50-jährigen Bestehen nicht fertig geworden, sondern wird erst im 51. Jahr von St. Petrus eröffnet. Aber es war, so Seidel, ein sieben Jahre währender Kampf, und er ist froh, dass jetzt das Ende absehbar ist.

Der Pfarrer charakterisiert seine knapp 2000 Gläubige zählende Gemeinde, in der er mit seiner Frau Marion seit 2006 wirkt, als „Kirche zum Erleben“. Sie habe nach 50 Jahren noch nicht eine so ausgeprägte Tradition, dass man eingefahrene Wege nicht mehr verlassen könne. „Hier ist vieles möglich, und der Kirchenvorstand zieht auch mit.“

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