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Stadtplanung

30.11.2019

Eine Schule feiert für den Erhalt ihrer Bäume

Musik und Lichtinstallationen im Kampf um alte Bäume: Schüler des Holbeingymnasiums und Anwohner der Hallstraße kämpfen gegen die geplante Fällung von alten Bäumen.
Foto: Michael Hochgemuth

Für den geplanten Holbein-Campus sollen mehrere alte Bäume gefällt werden. Mit Plakaten und einem Fest protestieren Anwohner und Schüler gegen dieses Vorhaben – und hoffen auf ein Einsehen der Politik

Von Efeu umrankt reckt der Baum seine kahlen Äste vor dem Holbeingymnasium in der Hallstraße in den Nachthimmel. „Ich überlebe euch alle“, steht auf einem Schild, das an seinem Stamm hängt. „Ich bin hier tief verwurzelt“ auf einem anderen. Und auch: „Ich war hier vor der Planung“. Gemeint ist damit vor der Planung, die aus der Hallstraße den Holbein-Campus machen soll.

Im Jahr 2011 beschloss der Stadtrat, dafür einen Wettbewerb unter Stadtgestaltern auszuschreiben. Der Siegerentwurf sah vor, die Hallstraße zu pflastern und sie vor dem Altbau des Holbein-Gymnasiums zum großzügigen Platz („Holbein-Campus“) mit Brunnenbecken aufzuweiten. Dafür müssten aber mehrere, teils alte Bäume gefällt werden. Im Gegenzug sollen etwa 20 Bäume an den beiden Enden der Straße gepflanzt werden. Doch Schüler, Lehrer und Anwohner wollen die alten Bäume und damit das Gesicht der Straße erhalten. Schon im vergangenen Jahr protestierten sie deshalb mit einem „Baumfest“ für den Erhalt der Bäume.

Im Sommer, sagt Franz Gabler vom Forum „Augsburg lebenswert“, das sich ebenfalls für die Bäume und eine Sperrung für den Durchgangsverkehr einsetzt, seien beim Schulfest die aktuellen Pläne von der Stadt vorgestellt worden. „Da hat mir ein Mitarbeiter verkündet, dass statt zwei nun vier Bäume stehen bleiben sollen.“ Auf eine Anfrage bei der Stadt erhielt Gabler bereits im Mai die Antwort, dass die Entwurfsplanung im Herbst 2019 abgeschlossen werden soll. Schulen, Anlieger und Stadtrat würden nach dem Abschluss eines Baumgutachtens erneut in den Planungsprozess mit eingebunden.

Doch seit dem Schulfest im Juli, sagt Lehrer Thomas Körner-Wilsdorf, habe man nichts mehr zur Planung gehört. So haben er und die Schüler in diesem Jahr wieder ein Baumfest organisiert. „Mit jedem Baumfest bleibt ein Baum stehen“, sagt er lächelnd, während hinter ihm die Schüler die Platanen mit bunten Scheinwerfern ins rechte Licht setzen. Später, sagt Körner-Wilsdorf, wollen sie noch Projektionen von Platzgestaltungen in anderen Städten an die Wand werfen. „Projekte, die mit einem anderen Verständnis von Urbanität und Nachhaltigkeit entwickelt wurden. Der jetzige Entwurf ist schlafmützig und aus der Zeit gefallen“, kritisiert Körner-Wilsdorf, der sich auch im Holbein-Freundeskreis engagiert. Schließlich sei er zu einer Zeit entstanden, als der Kö noch nicht umgebaut war.

Seitdem sei der Durchgangsverkehr in der Hallstraße aber noch mal deutlich zurückgegangen. Die Chance wäre also da, einen grünen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität mitten im Zentrum zu schaffen, findet der Lehrer. Und die Straße für den Durchgangsverkehr komplett zu sperren. So könnte die Schule nicht nur den dringend benötigten Pausenhof bekommen, sondern die Bürger auch einen neuen Platz für Märkte und Feste – einen Treffpunkt. „Es reicht nicht, drei Bänke aufzustellen und zu sagen: Das ist Urbanität. Man sollte die Bürger und nicht die Autos in den Vordergrund stellen und den Wettbewerb noch einmal von vorne aufdröseln. Da ist die Politik gefragt.“

So sehen es auch Pauline Schramm und Constantin Csernai von der SMV. Sie fürchten, dass mit den Bäumen auch so etwas wie die Identität des Holbein-Gymnasiums und der Hallstraße verloren gehen könnte. „Man müsste den Autos die Durchfahrt verbieten und nicht alles abholzen und eine noch kargere Fläche schaffen“, sagt Stadtschülersprecher Csernai. Damit stößt er ins selbe Horn wie Franz Gabler vom Forum „Augsburg lebenswert“. In einem Flugblatt hebt der Verein die positiven Auswirkungen großer Bäume auf den Energieverbrauch der Schule und auf das Stadtklima hervor. Um die gleiche kühlende Wirkung zu erzielen, müssten für einen gefällten großen Baum acht neue gepflanzt werden. Das sei insbesondere deshalb dringend nötig, weil der Platz vollständig gepflastert werden soll und sich so im Sommer noch stärker aufheize. Bäume würden in der Wettbewerbsarbeit lediglich als Unterstützung für die Architektur gesehen, so die Kritik.

Zum aktuellen Stand der Planung gab die Stadt trotz einer Anfrage unserer Redaktion zunächst keine Auskunft. In der nächsten Woche soll es zu dem Thema aber noch mal Gespräche geben, hieß es.

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