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Zuwanderung

03.05.2016

Eine Schule mit nur 23 Kindern

Immer mehr Bulgaren leben in Augsburg. In einer neuen Einrichtung lernen Schüler einmal wöchentlich die Sprache, Geschichte und Geografie des Balkanlandes

Die Erstklässler melden sich ungeduldig. Alle wollen ihre Antwort zuerst sagen. Lehrerin Nina Blagova nimmt in der Stunde das Alphabet durch, zeigt den Kindern die Buchstaben und übt mit ihnen die richtige Aussprache. Eine Szene, die sich in vielen Klassenräumen abspielen könnte. Doch diese Unterrichtsstunde findet an einem Samstag statt und statt dem lateinischen Alphabet lernt die Klasse das kyrillische. Die Kinder besuchen die bulgarische Schule im Zeughaus.

Seit einem Jahr lernen dort 23 Kinder verschiedener Altersstufen jedes Wochenende drei Stunden lang – zusätzlich zum Unterricht an den deutschen Regelschulen. Auf dem Programm stehen Bulgarisch, Geografie und Geschichte, alles nach dem bulgarischen Lehrplan. An den regelmäßig stattfindenden Schulfesten spielen Volksmusik, Tänze und Trachten eine große Rolle.

Die Schule stellten die Lehrerinnen Nina Blagova, Mitra Petrova und Tsvetelina Raykova auf die Beine. Blagova kam vor sieben Jahren nach Augsburg. Die anderen beiden sind in den vergangenen zwei Jahren ihrer Tochter beziehungsweise ihrem Mann gefolgt, die schon länger hier leben.

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Die drei lernten sich kennen und wollten eine Beschäftigung finden, die ihrer Qualifikation entspricht. Die Idee der bulgarischen Schule war geboren. Und weil mittlerweile viele Bulgaren in Augsburg leben, waren sie guter Dinge, dass es für ihr Vorhaben auch genügend Schüler gibt. Vor allem in den vergangenen fünf Jahren kamen viele Bulgaren. Allerdings sind die Eltern der meisten Schüler schon viel länger hier.

So wie die Vorsitzende des Schulbeirats: Katerina Dümpe hat Anfang der 2000er Jahre in Augsburg Politologie studiert und einen Deutschen geheiratet. Ihre Kinder sind drei und sieben Jahre alt und sie wollte, dass sie die bulgarische Sprache, Kultur und Werte kennenlernen. So nebenbei im Alltag passiere das aber kaum, erzählt sie. Denn die Kinder seien täglich von der deutschen Sprache umgeben. Wie Dümpe oder die Tochter von Lehrerin Petrova kamen Anfang der 2000er Jahre einige bulgarische Studenten nach Augsburg. Viele blieben nach dem Studium, fanden gute Jobs, heirateten, bekamen Kinder. Diese Kinder bilden die Mehrheit der Schüler. Die Schule spricht sich aber unter den neu angekommenen Bulgaren auch schnell herum: „Bei jedem Schulfest sehe ich immer mehr neue Gesichter“, sagt Dümpe. Schüler wie Nonna, Stela und Rumen sind die Ausnahme. Sie sind um die 18 Jahre alt und kamen erst vor einigen Jahren nach Deutschland. Sie schwärmen von den Schulfesten, die sie gestalten. Die Schule sei wie eine Familie, erzählt Stela in perfektem Deutsch. Die drei wuchsen zum großen Teil in Bulgarien auf.

Dass womöglich die Schüler nicht richtig Deutsch lernen würden, wenn sie sich so intensiv mit Bulgarisch beschäftigen, verneint Lehrerin Tsvetelina Raykova. „Wenn man seine Muttersprache gut lernt und pflegt, dann hilft das, um weitere Sprachen zu lernen“, sagt sie.

Das Engagement der Lehrerinnen bleibt nicht unbeachtet: Das bulgarische Außenministerium erkannte die Augsburger Schule vor einigen Tagen als offizielle Auslandsschule an.

Damit bekommt die Schule Geld von der bulgarischen Regierung. Bis jetzt waren Schulgebühren und Spenden die einzigen Einnahmequelle. Die Lehrerinnen arbeiteten ehrenamtlich. In Zukunft können sie für ihre Arbeit auch ein Gehalt bekommen.

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