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Augsburg

01.05.2018

Eine Tiefgarage als „roter Teppich“

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4 Bilder
Mit der Tiefgarage am Rathaus will Ulm den roten Teppich ausrollen. In der Garage erinnern unter anderem historische Mauern an die Geschichte.
Bild: Stefan Puchner

Seit Ignaz Walter angeboten hat, in Augsburg eine Tiefgarage zu bauen, sprechen viele von der Garage in Ulm. Welche Erfahrungen macht man dort und andernorts?

Es ist das Gesprächsthema in Augsburg. Der Bauunternehmer Ignaz Walter will seiner Heimatstadt ein Geschenk machen. Die angedachte Tiefgarage mit etwa 700 Plätzen unter der Fuggerstraße wird kontrovers diskutiert. Andere Städte haben das schon hinter sich. Ein Blick auf Tiefgaragen im Großraum Augsburg und darüber hinaus.

Ulm

Das möglicherweise „schönste Parkhaus Deutschlands“ steht in Ulm gegenüber des Rathauses. Zumindest wenn es nach einer Beschreibung der Tourist Information Ulm/Neu-Ulm geht. In einer Broschüre schwärmen die Touristiker vom „roten Teppich“, der den Autofahrern den Weg zu den Parkplätzen weise. Zeugnisse der archäologischen Ausgrabungen bilden die Kulisse. Der Leitgedanke für die Gestaltung der 22,3 Millionen Euro teuren Tiefgarage mit knapp 600 Plätzen war es, „den Stadtraum in die Garage fortzuführen“.

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Reste alter Mauern sind musealer Bestandteil der Tiefgarage und zeigen im zweiten Untergeschoss das sichergestellte Kellergeschoss eines Patrizierhauses aus der Stauferzeit. An der Stelle des Hauptzugangs der Tiefgarage verdeutlichen Steinquader aus dem 13. Jahrhundert den Bezug zur Stadtgeschichte eines preisgekrönten Baus: 2006 erhielt das Parkhaus am Rathaus den deutschen Städtebaupreis, 2008 die Auszeichnung guter Bauten des Bundes deutscher Architekten und 2009 den Hugo-Häring-Preis, die höchste Architekturauszeichnung im Land.

Der Weg von der Planung zur Krönung war lang und begann 1994 als die Stadt Ulm beschloss, die Neue Straße – die gefühlte Stadtautobahn – auf zwei Fahrspuren und zwei zusätzliche Busspuren rückzubauen. Proteste gegen die Großbaustelle blieben aufgrund eines langjährigen Problembewusstseins und eines breit gefächerten Diskurses mit der Bürgerschaft weitgehend aus. Denn jedem Ulmer war im Grunde klar, dass der Autoverkehr in Ulms Mitte zu dominant war. Durch die „Neue Mitte“ verschwand eine Stadtautobahn, die die Altstadt zwischen Rathaus und Münster in zwei Teile zerschnitt.

Die intensive Bürgerbeteiligung entstand nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung rund um ein anderes Projekt an gleicher Stelle: Diese Stadtautobahn sollte in den 1970er Jahren unter die Erde gelegt werden. Doch gegen den Innenstadttunnel formierte sich eine Bürgerinitiative. Es kam zum Bürgerbegehren und dann zum Bürgerentscheid womit der Tunnel dann verhindert wurde. Dann stand – wie sich der damalige Baubürgermeister Alexander Wetzig erinnert – im Rahmen eines eigens gegründeten „Innenstadtforums“ der Diskurs über das weitere Vorgehen im Vordergrund. Dreieinhalb Jahre lang wurde öffentlich diskutiert, ohne dass auch nur ein einziger Plan im Auftrag gezeichnet wurde. Eine der Erkenntnisse: Das Auto gehört zur Stadt. Aber nur in Form von Erschließungsverkehr, möglichst wenig Durchgangsverkehr. Zwei Spuren statt acht plus ein Parkhaus sollten reichen. Begonnen wurde mit dem Bau der Tiefgarage im Winter 2001/02. Das „Parkhaus am Rathaus“ konnte wie geplant 2006 eröffnet werden. (heo)

Friedberg

Zwei Tiefgaragen bieten in der Friedberger Stadtmitte insgesamt 260 öffentliche Stellplätze: die Garage West an der Bauernbräustraße 80, die Garage Ost an der Ludwigstraße 180 Plätze. Das Parken kostet dort 10 Cent für 10 Minuten. Die Parkhäuser, beide 1988 nach je etwa eineinhalb Jahren Bauzeit eröffnet, liegen günstig an den Hauptzubringerachsen in die Altstadt, entlasten somit die Haupteinkaufsstraße Ludwigstraße vom Verkehr und erhöhen die Attraktivität der Stadtmitte. Voll ausgelastet sind sie selten, denn Auswärtige schätzen sie sehr, Friedberger dagegen parken trotz der komfortabel befahrbaren, gut ausgeleuchteten Garagen lieber „oberirdisch“. Immer wieder kommt es daher trotz Garagen zu Beschwerden über fehlende Parkplätze. Die Garage Ost wurde erst nach langer politischer Auseinandersetzung gebaut. Geschäftsleute befürchteten damals Verluste, was die Stadt mit einem Verkehrs- und Werbekonzept abfing. Probleme mit der Archäologie gab es keine. Alten Schutt, den Arbeiter unter der Ludwigstraße gefunden hatten, übergab man in einer Plastiktüte dem Heimatmuseum.

Die Garage Ost errichtete die Stadt; die Garage West wurde im Rahmen eines privaten Bauprojekts, des „Brunnenhofs“ gebaut. Sie bietet außer den öffentlichen Parkplätzen, welche die Stadt kaufte, auch etwa 80 private Parkplätze. (kru)

Landsberg

Ohne die beiden Tiefgaragen in der Lechstraße und im Schlossberg wäre die Verkehrs- und Parksituation in Landsberg heute gar nicht mehr vorstellbar. Seit 1987 wuchs die Einwohnerzahl Landsbergs um rund 50 Prozent – und entsprechend auch der Verkehr.

942 unterirdische Stellplätze bieten die Stadtwerke an: für Besucher der Stadt, aber auch für Nutzer, die in Geschäften, Büros und Praxen arbeiten und in der Altstadt wohnen. Am östlichen beziehungsweise westlichen Rand der Innenstadt fangen die Garagen viel Verkehr auf, der sonst über den Hauptplatz und die Innenstadt laufen würde.

Die ersten Tiefgaragenplätze wurden Mitte der 1970er-Jahre an der Lechstraße errichtet. Zwischen 1987 und 1992 wurde mehr als vier Jahre an der Schlossberggarage gebaut, ein damals nicht unumstrittenes Projekt: Während die Lechstraßengarage die oberirdischen Stellflächen in der Altstadt ergänzte, wurden nach der Inbetriebnahme der Schlossberggarage die Parkplätze an Straßen und auf Plätzen verringert. Dazu kam, dass die bergmännisch (wie ein Straßen- oder Eisenbahntunnel) gebaute Garage im Schlossberg damals das Vier- bis Fünffache eines normalen Tiefgaragenplatzes kostete. (ger)

Gersthofen

Die Städtische Tiefgarage in Gersthofen wurde anfang der 1990er-Jahre zusammen mit dem neuen Stadtzentrum errichtet. Dabei entstanden ein neues Rathaus, ein Rathausplatz, unter dem sich die Tiefgarage befindet, sowie die Stadthalle. Vorausgegangen war ein Ideenwettbewerb im Jahr 1987. Der Gesamtkomplex kostete damals 40 Millionen Mark, also rund 20 Millionen Euro. Die Garage bietet rund 100 Stellplätze – und ist überdies der letzte staatlich geförderte Luftschutzbau. Im Ernstfall sollten hier rund 2000 Menschen unterkommen. Sie hat eine direkte Fahrtverbindung zur unmittelbar benachbarten zweistöckigen Tiefgarage des Einkaufs- und Bürozentrums City-Center, die wiederum rund 400 kostenlose Stellplätze bietet. Wegen des Einkaufszentrums, aber auch weil die anliegende Bahnhofstraße derzeit noch Umleitungsstrecke bei Verkehrsproblemen auf der A8 ist, ist die Verkehrsbelastung im Gersthofer Stadtzentrum stark. Verkehrszählungen ergaben, dass die überwiegende Mehrheit Ziel- und Quellverkehr sind, also Autofahrten von Gersthofer Bewohnern. (lig)

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