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Augsburger Geschichte

14.09.2017

Eine Walze mit MAN-Patent

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3 Bilder
Fotos von 1912: Dieses robuste Walzenwehr ließ die MAN patentieren. 105 Jahre nach dem Einbau wird es ausgetauscht und zum technikgeschichtlichen Schaustück.
Bild: Sammlung Häußler

 Das vor 105 Jahren eingebaute Herzstück der Hochablass-Wehranlage wird ausgetauscht. Einen Steg von Ufer zu Ufer gab es erst ab 1931.

Der Hochablass und seine Geschichte bilden ein wichtiges Kapitel bei der Bewerbung um die Anerkennung von Augsburgs Wasserbau und Wasserwirtschaft als Unesco-Welterbe. Dies ist aber nicht der Grund für die derzeitigen Arbeiten am wichtigsten Lechwehr der Stadt – die Bewerbung hat jedoch durchaus Einfluss auf die Baumaßnahme: Die vor 105 Jahren eingebaute Wehrwalze wird ausgetauscht, doch das neue Teil muss aussehen wie das alte. Selbst der historische Antrieb bleibt erhalten, die neue Mechanik wird im Glockentürmchen „versteckt“. Auch der 130 Meter lange Fußgängersteg aus Beton wird ersetzt und darf später nicht als Neubau erkennbar sein.

Eine Rückblende: Im Juni 1910 hatte ein Hochwasser das alte Wehr zerstört. Es bestand zu großen Teilen aus Holzverbauungen. Danach wurde die heutige massive Wehranlage aus Beton und Eisen errichtet. In einer Dokumentation ist der Neubau beschrieben: „Entstanden ist eine Wehranlage modernster Art, bestehend aus einem beweglichen Teil der Schleusenanlage und einem unbeweglichen Teil, dem 88 Meter langen festen Überfallwehr. Die Schleusenanlage, bestehend aus einer 10m weiten Floßgasse, einem 1,80m weiten Fischpass, zwei Kiesschleusen und einem Walzenwehr zu 20m, ist elektrisch bedienbar.“

Technischer Wandel soll nachvollziehbar bleiben

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Die gegenwärtig unterhalb des Wehrs im Flussbett aufgeschütteten Zufahrten führen zu dieser 20 Meter breiten beweglichen Überlaufwalze. Sie wird nach dem Ausbau nicht verschrottet, sondern zum Schauobjekt. Auch das bewirkt die Welterbe-Bewerbung: Technischer Wandel im Wasserbau soll nachvollziehbar bleiben. Bei der Beseitigung der Einfahrtschleuse zum Floßhafen im Jahre 2005 war ein solch sensibler Umgang mit einem einmaligen technikgeschichtlichen Bauwerk noch kein Thema. Die elektrisch aufziehbare Schleuse – eine MAN-Konstruktion – wurde restlos beseitigt.

105 Jahre lang erfüllte das jetzt marode stählerne Walzenwehr seine Aufgabe: Es konnte durch riesige Kettenglieder durch elektrischen Antrieb bewegt werden. Damit wird der Wasserstand am Wehr im Groben reguliert. Deshalb bildet dieser Durchlass das Herzstück der Wehranlage, die bei Hochwasser einem mächtigen Druck standhalten muss.

Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) war am Bau des Hochablasswehrs 1911/12 mit der Fertigung wichtiger Stahlelemente beauftragt. Das MAN-Werk Augsburg erstellte die Wehrschleusen, das MAN-Werk Gustavsburg lieferte die jetzt zum Ausbau anstehende mächtige Walze. Beide Elemente waren elektrisch bewegbar. Die Walze ist eine Entwicklung der MAN. Das Unternehmen ließ sich die Konstruktion patentieren. Die 1914 gedruckte Dokumentation des Wehrneubaus enthält Fotos dieses wichtigen Bauteils.

Umbau zur Kiesschleuse

Der Grund des derzeitigen Austauschs ist die Erhaltung der Hochwassersicherheit der Wehranlage. Um diese zu garantieren, musste seit der Fertigstellung des Wehrs – am 20. Juli 1912 wurde das Schlussstück eingesetzt – viel Geld investiert werden. Das belegt die Bau- und Sanierungsgeschichte. Bereits 1930 zeigte ein Hochwasser Schwachstellen auf. Die Konsequenz: 1931 erfolgten die Tieferlegung der nicht mehr benötigten Floßgasse und ihr Umbau zur Kiesschleuse.

Im Zuge dieser Baumaßnahme wurde erstmals ein durchgängiger Steg über die Wehranlage gebaut. Bis dahin war sie nur etwa zur Hälfte überbrückt. Derzeit ist durch den Abbruch des Betonstegs die Situation vor 1931 wiederhergestellt. Das heißt: Nur über die Hochzoller Straßenbrücke ist der Lech in Hochablassnähe trockenen Fußes überquerbar. In etwa vier Monaten soll ein neuer Steg über dem Wehr passierbar sein. Der abgebrochene Steg weckt Erinnerungen: Als 1970 seine Verbreiterung im Gange war, zerstörte ein Hochwasser das Baugerüst. Am 11. August 1970 war der Pegel des Lechs um sechs Meter über normal gestiegen und hatte neben 10000 Kubikmeter Uferböschung auch das Gerüst mitgerissen.

Die Wehranlage erwies sich 1970 noch als standfest. Ein Vierteljahrhundert später hatte sich die Situation geändert: Erosionen und Ausspülungen waren erkennbar. Sie führten 1996 zur Überprüfung der Standsicherheit. Experten rieten zu einer Betonsanierung. Im Mai 1999 zeigte ein Hochwasser auf, dass diese dringend und nicht mehr länger aufschiebbar war.

Injektionen am Beton

Zur ersten Sanierungsphase wurden die wasserarmen Wintermonate 1999/2000 genutzt. Die Arbeiten begannen am Walzenwehr und am Doppelhakenschütz. Im Winter 2002/03 folgte die Verbesserung des Betons mittels Injektionen. Im Herbst 2005 waren die Pfeiler der Kiesschleuse und das Einlaufbauwerk für die Stadtkanäle an der Reihe. Die Wehranlage sei nun für längere Zeit hochwasserfest, versprachen danach die Bauleute. Nun wird aus demselben Grund die bewegliche Walze ausgetauscht.

Der Einbau eines seit Mai 2014 im Vollbetrieb „Lechstrom“ produzierenden Kraftwerks in die Wehrbauten tangierte deren Standsicherheit nicht.

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